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Warum nur hatte ich seinem Drängen schon wieder nachgegeben? Auf irgendeine wundersame Weise gelang es Félix immer wieder, mich zu überlisten: Er fand ein Argument, irgendetwas, um mich doch zu überzeugen, und dann ging ich hin. Jedes Mal erlag ich seinen Einflüsterungen und dachte, ich würde vielleicht doch auf das gewisse Etwas treffen und weiche Knie bekommen. Dabei kannte ich Félix wie ein eigenes Kind, unsere Vorlieben waren einander diametral entgegengesetzt. Wenn er also an meiner Stelle dachte und entschied, lag er unweigerlich daneben. Ich hätte es wirklich wissen müssen, wir waren schließlich schon lange genug befreundet. Und trotzdem kam es dazu, dass ich zum sechsten Mal in Folge einen Samstagabend mit einem völligen Idioten verbrachte.
In der Woche zuvor hatte ich das Vergnügen mit einem Bio-Apostel und seiner gesunden Lebensweise gehabt. Als hätte Félix hinsichtlich der Laster seiner besten Freundin einen Gedächtnisschwund erlitten. Den ganzen Abend lang wurde ich über die Gefahren meines Tabak- und Alkoholkonsums sowie meiner schlechten Ernährung belehrt. Dieser Öko in Flipflops erklärte mir ganz selbstverständlich, mein Lebensstil sei katastrophal, über kurz oder lang würde ich unfruchtbar, und wahrscheinlich suchte ich unbewusst sogar den Flirt mit dem Tod. Offenbar hatte ihm Félix keine genaueren Angaben zu diesem Date geliefert. Jedenfalls erklärte ich ihm mit meinem schönsten Lächeln, was den Tod und Selbstmordgelüste angehe, hätte ich in der Tat einige Erfahrung, und dann ging ich.
Der heutige Idiot war vom Stil her ganz anders: eher gut aussehend, mit beachtlichem Alkoholfassungsvermögen und keinerlei Belehrungsabsichten. Doch er, und das war leider kein vernachlässigbarer Makel, war anscheinend davon überzeugt, er würde mich ins Bett kriegen, indem er mir die Heldentaten erzählte, die er gemeinsam mit seiner geliebten GoPro durchgestanden hatte: »Ich bin diesen Sommer mit meiner GoPro einen eisigen Sturzbach hinuntergefahren … Letzten Winter bin ich mit meiner GoPro auf einer Buckelpiste Ski gefahren … Ich habe mit meiner GoPro geduscht … Weißt du, neulich habe ich mit meiner GoPro die Metro ausprobiert« usw. Das ging so über eine Stunde, er sprach in jedem Satz von ihr. Ich fragte mich schon, ob er auch mit ihr zur Toilette ging.
»Ob ich mit meiner GoPro wohin gehe? Ich glaube, ich habe mich verhört«, unterbrach er sich plötzlich.
Hoppla … Da hatte ich offenbar laut gedacht. Ich hatte es satt, die Böse zu sein, die sich nicht für das interessieren konnte, was man ihr erzählte, und die sich sowieso fragte, was sie da eigentlich zu suchen hatte. Ich beschloss, das Pflaster mit einem Ruck abzureißen.
»Hör zu, du bist sicher sehr nett, aber deine Liebesbeziehung mit deiner Stirnkamera ist so innig, dass ich mich wirklich nicht zwischen euch drängen möchte. Auf