: Agnès Martin-Lugand
: Abschiedsküsse zählt man nicht Roman
: Blanvalet Verlag
: 9783641198602
: 1
: CHF 2.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Glück findest du nicht, indem du es suchst, sondern indem du zulässt, dass es dich findet

Seit ihrer Rückkehr aus Irland und der turbulenten Begegnung mit Edward ist Diane fest entschlossen, ihr Leben in Paris wieder aufzunehmen. Mithilfe ihres Freundes Felix stürzt sie sich zurück in die Arbeit in ihrem gemeinsamen literarischen Café"Glückliche Menschen lesen und trinken Kaffee", und Diane scheint es tatsächlich zu gelingen, ihren inneren Frieden zu finden. Doch dann wird sie erneut von den Ereignissen der Vergangenheit eingeholt, und alles, was sie sich während ihrer Zeit in Irland so hart erkämpft hat, droht mit einem Mal wieder einzustürzen. Wird es Diane endlich schaffen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und nach vorne zu sehen? Und welche Rolle spielt Edward dabei?

Agnès Martin-Lugand ist Psychologin und war sechs Jahre im Rahmen eines Kinderschutzprogramms tätig. Seit dem Überraschungserfolg von»Glückliche Menschen küssen auch im Regen« und»Abschiedsküsse zählt man nicht«widmet sie sich nur noch dem Schreiben. Agnès Martin-Lugand lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in der Normandie.»Das kleine Atelier der Mademoiselle Iris«ist ihr dritter Roman bei Blanvalet.

1

Warum nur hatte ich seinem Drängen schon wieder nachgegeben? Auf irgendeine wundersame Weise gelang es Félix immer wieder, mich zu überlisten: Er fand ein Ar­­gument, irgendetwas, um mich doch zu überzeugen, und dann ging ich hin. Jedes Mal erlag ich seinen Einflüsterungen und dachte, ich würde vielleicht doch auf das gewisse Etwas treffen und weiche Knie bekommen. Dabei kannte ich Félix wie ein eigenes Kind, unsere Vorlieben waren einander diametral entgegengesetzt. Wenn er also an meiner Stelle dachte und entschied, lag er unweigerlich daneben. Ich hätte es wirklich wissen müssen, wir waren schließlich schon lange genug befreundet. Und trotzdem kam es dazu, dass ich zum sechsten Mal in Folge einen Samstagabend mit einem völligen Idioten verbrachte.

In der Woche zuvor hatte ich das Vergnügen mit einem Bio-Apostel und seiner gesunden Lebensweise gehabt. Als hätte Félix hinsichtlich der Laster seiner besten Freundin einen Gedächtnisschwund erlitten. Den ganzen Abend lang wurde ich über die Gefahren meines Tabak- und Alkoholkonsums sowie meiner schlechten Ernährung belehrt. Dieser Öko in Flipflops erklärte mir ganz selbstverständlich, mein Lebensstil sei katastrophal, über kurz oder lang würde ich unfruchtbar, und wahrscheinlich suchte ich unbewusst sogar den Flirt mit dem Tod. Offenbar hatte ihm Félix keine genaueren Angaben zu diesem Date geliefert. Jedenfalls erklärte ich ihm mit meinem schönsten Lächeln, was den Tod und Selbstmordgelüste angehe, hätte ich in der Tat einige Erfahrung, und dann ging ich.

Der heutige Idiot war vom Stil her ganz anders: eher gut aussehend, mit beacht­lichem Alkoholfassungsvermögen und keinerlei Belehrungsabsichten. Doch er, und das war leider kein vernachlässigbarer Makel, war anscheinend davon überzeugt, er würde mich ins Bett kriegen, indem er mir die Heldentaten erzählte, die er gemeinsam mit seiner geliebten GoPro durchgestanden hatte: »Ich bin diesen Sommer mit meiner GoPro einen eisigen Sturzbach hinuntergefahren … Letzten Winter bin ich mit meiner GoPro auf einer Buckelpiste Ski gefahren … Ich habe mit meiner GoPro geduscht … Weißt du, neulich habe ich mit meiner GoPro die Metro ausprobiert« usw. Das ging so über eine Stunde, er sprach in jedem Satz von ihr. Ich fragte mich schon, ob er auch mit ihr zur Toilette ging.

»Ob ich mit meiner GoPro wohin gehe? Ich glaube, ich habe mich verhört«, unterbrach er sich plötzlich.

Hoppla … Da hatte ich offenbar laut gedacht. Ich hatte es satt, die Böse zu sein, die sich nicht für das interessieren konnte, was man ihr erzählte, und die sich sowieso fragte, was sie da eigentlich zu suchen hatte. Ich beschloss, das Pflaster mit einem Ruck abzureißen.

»Hör zu, du bist sicher sehr nett, aber deine Liebesbeziehung mit deiner Stirnkamera ist so innig, dass ich mich wirklich nicht zwischen euch drängen möchte. Auf