Prolog
Kernkraftwerk Fukushima Daiichi
NORDOST-JAPAN, 11. MÄRZ 2011
Dr. Hideki Ito spürte, wie der Boden unter ihm zu zittern begann, und stützte sich an der Kontrollkonsole ab. Er wartete darauf, dass das Beben abebbte, und erinnerte sich an die starken Erschütterungen zwei Tage zuvor, die die Anlage ohne Zwischenfälle überstanden hatte. Dennoch konnte er die innere Anspannung nicht ignorieren, die ihn jedes Mal erfasste, wenn die Erde in Bewegung geriet. Aber es gab keinen Grund zur Sorge, sagte er sich erneut. Der General hatte den Reaktorblock vier abschalten lassen, um ihn als Forschungsanlage zu nutzen, angeblich weil dieser Block besonders gut geeignet war, im Falle eines Erdbebens den Austritt von radioaktiver Strahlung zu verhindern. In Wahrheit ging es hier jedoch nicht um Strahlung, die es im Zaum zu halten galt. Die Arbeit, der Ito sein Leben gewidmet hatte, war noch viel gefährlicher und schwerer zu kontrollieren.
Die Erschütterungen schienen diesmal nicht aufhören zu wollen, und er blickte sich nervös um. Die Betonwände des neun mal neun Meter großen Raumes waren von isolierten Rohren in allen Größen überzogen. Der Zugang erfolgte durch eine kleine Tür aus Titan zwischen den Computertischen. Seine beiden Forschungsassistenten hielten sich an den Kanten ihrer Stühle fest, die Beine gespreizt, um nicht auf den mit Gummi überzogenen Boden zu stürzen.
Der junge Mann zeigte den stoischen Gesichtsausdruck, den Ito seit dem Tag vor zwei Jahren, an dem er ihn eingestellt hatte, von ihm gewohnt war. Die Frau, eine brillante Absolventin der Universität Tokio, blickte sich mit kurzen, vogelartigen Kopfbewegungen in dem Bunker um.Sie sucht nach Rissen, dachte Ito verständnisvoll. Er verspürte jeden Tag tausendmal den Drang, das Gleiche zu tun.
Der alte Wissenschaftler wandte sich wieder nach vorne und blickte durch die zehn Zentimeter dicke Glaswand in den angrenzenden kleinen Raum. In der Mitte stand ein würfelförmiger Glaskasten mit Proben aus Beton, Kunststoff und Stahl. Dazwischen befand sich organisches Material: Erdproben und verschiedene sorgfältig ausgesuchte Pflanzen. Über allem lag eine weiße Ratte faul auf einem der Roboterarme, mit dem einzelne Teile von außen bewegt werden konnten.
Das Elektronenmikroskop reagierte auf den Steuerknüppel in Itos Hand, mit dem er es trotz der Vibrationen auf eine Moosprobe richtete. Dietiefgrüne Farbe deutete darauf hin, dass das Moos ebenso wie die Ratte keinen Schaden durch seine Experimente davongetragen hatte. Natürlich musste diese Annahme erst durch eine Untersuchung auf atomarer Ebene bestätigt werden. Auch an den vom Menschen hergestellten Materialien war mit bloßem Auge keinerlei Beschädigung zu erkennen. Wenn mantiefer blickte, ergab sich jedoch ein ganz anderes Bild.
Während I