»Diese verflixten Mücken!« Energisch schlug Amelia von Dornberg nach einem der Störenfriede, der sich auf ihrem linken Oberarm niedergelassen hatte. Das Insekt war jedoch schneller als sie und floh. Amelia rieb sich die Einstichstelle, an der sich ein roter Tropfen auf ihrer sonnengebräunten Haut zeigte, und zuckte mit den Schultern. »Leben und leben lassen«, murmelte sie und drehte sich auf den Bauch.
Vor ihr schwappte der Zotzensee mit sachtem Plätschern gegen das Ufer. Auf den Wellen trieben einige Blätter, die wohl das Unwetter an diesem Nachmittag abgerissen hatte. Inzwischen waren die Wolken weitergezogen, und der lavendelfarbene Himmel wölbte sich über der Mecklenburgischen Seenplatte.
Es war angenehm warm. Nicht mehr so heiß wie in den Mittagsstunden, in denen das Quecksilber auf fünfunddreißig Grad geklettert war. Ein Dutzend Enten schwammen in der Nähe, und das Rascheln im Schilf verriet, wo sich weitere Tiere verbargen.
Amelia war am Wasser aufgewachsen. Sie liebte die zahlreichen Seen ihrer Heimat, die durch Flüsse und Kanäle miteinander verbunden waren wie Perlen auf einer Schnur. Mit dem Boot konnte man tagelang fahren und die Gewässer erkunden. Es gab wilde Strände und einsame Landstriche, in die kaum ein Mensch einen Fuß setzte. Zahllose Tiere hatten hier eine Heimat gefunden. Biber, Fischotter und Siebenschläfer gehörten ebenso dazu wie das Muffelwild und seltene Fledermausarten. Die Ränder des Zotzensees waren fast durchgängig bewaldet und die Ufer schilfbestanden. Ringsum gab es nur Grün und Einsamkeit.
Im Süden des Sees befand sich der Bootssteg, an dem das Hausboot von Amelia und ihrem Begleiter festgemacht war. Die Abendsonne schien warm auf das Holz herab.
Amelia streckte die Beine aus und schloss wohlig die Augen, während Sonne und Wind ihre Haut zu streicheln schienen. Die vergangenen Wochen waren anstrengend gewesen. Eine Klausur hatte die nächste gejagt. Amelia hatte auf etliche Stunden Schlaf verzichtet, um zu lernen. Nun war es geschafft. Sie hatte noch zwei Monate Ferien, ehe im Herbst das nächste Semester begann.
Auf Amelias Badeanzug waren weiße Anker auf blauem Grund gedruckt. Die Farben bildeten einen reizvollen Kontrast zu ihren hellblonden Haaren und der sonnengebräunten Haut. En