: Clarissa von Lausitz
: Fürsten-Roman 2507 SOS - Herz in Not!
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732536801
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Was Friederike Prinzessin von Löwendorff nach ihrem Studium mit ihrem Leben anfangen soll, darüber gibt es genau zwei Meinungen: Ihre, die von Unabhängigkeit und einem aufregenden Job handelt, und die von Friederikes Bruder Carl, nach dem Tod des Fürsten Oberhaupt der Familie. Und Carl rückt keinen Millimeter davon ab, Friederike zu einer Verlobung mit seinem besten Freund, dem Grafen von Olbersleben, zu drängen. Dabei meint er es durchaus gut, schließlich will er seine kleine Schwester nur in einem sorgenfreien, gut versorgten Leben wissen. Doch hat er die Rechnung ohne das Schicksal gemacht: Denn das schickt Friederike einen äußerst attraktiven Mann über den Weg, den Meeresbiologen Torben Wagner! Das Herz der Prinzessin gerät in stürmische Gewässer: Familientradition oder die große Liebe? Friederike muss sich entscheiden ...

Ein Zweig knackte. Augenblicklich hielt die berühmte Forscherin und Umweltschützerin Amalia »die Löwin« inne. Sie lauschte aufmerksam, doch es schien niemand in der Nähe zu sein. Die unerschrockene, tapfere Kämpferin für das Gute robbte entschlossen weiter, durch das dichte Grün des Regenwaldes. Irgendwo hier mussten sich die Wilderer versteckt halten, die die vom Aussterben bedrohten Sumatra-Nashörner töten wollten.

Da vorne, auf der Lichtung! Einer der skrupellosen Mörder hatte es sich offenbar in einem Liegestuhl gemütlich gemacht. Jetzt würde Amalia ihn schnappen! Mit wildem Geheul brach sie aus dem Dickicht hervor, schwang ihre Machete mit gekonnten Bewegungen im Kreis und setzte sie dem Unhold auf die Brust.

»Lia! Spinnst du?!« Der gewissenlose Wilderer hatte seinen Kaffee auf seiner hellen Bluse verschüttet. Dass er überhaupt eine Bluse trug, lag allerdings daran, dass es sich in Wahrheit um Amalias Tante Friederike handelte. Diese starrte ihre mit einem Holzschwert bewaffnete, zehnjährige Nichte jetzt entsetzt an.

»Wie kannst du mich so erschrecken? Guck mal, die Bluse ist hin, und ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen!«, rief Friederike.

»Du warst ein Wilderer, ein ganz gemeiner, du wolltest die Nashörner töten«, hielt Amalia unerschütterlich dagegen. »Ich musste dich überwältigen. Und für einen Herzinfarkt bist du doch viel zu jung, den bekommen nur alte Leute.«

Friederike seufzte und sah das Mädchen kopfschüttelnd an. Innerlich musste sie aber lächeln.

Amalia, die meist nur »Lia« genannt wurde, war vollkommen in ihrem Element. Sie trug fleckige Turnschuhe, eine ebenso fleckige und noch dazu zerrissene Jeans und ein ehemals vermutlich sehr schickes, jetzt aber weitgehend ruiniertes T-Shirt. Ihre roten Locken standen in alle Richtungen vom Kopf ab, und ihre blauen Augen blitzten vor Abenteuerlust.

»Trotzdem«, bemühte sich Friederike, ernst zu bleiben. »Du kannst andere Menschen nicht so überfallen. Das geht irgendwann schief.« Sie sah die Zehnjährige streng an, was Lia aber nicht beeindruckte.

»Na gut.« Lia zuckte mit den Schultern. »Aber ich muss doch üben. Wenn ich erst einmal wirklich eine berühmte Forscherin im Regenwald bin, muss ich kämpfen können.«

»Ja, vermutlich.« Friederike gab sich geschlagen. Sie nahm eine Serviette von dem kleinen Beistelltisch neben dem Liegestuhl und begann, an dem Kaffeefleck auf ihrer Bluse herumzutupfen. Wenn Lia so weitermachte, würde tatsächlich eine echte