KINDER WOLLEN LERNEN
Das menschliche Gehirnentwickelt sich in den ersten drei Lebensjahren so rasant wie zu keinem späteren Zeitpunkt. Daher sind diese Jahre die wichtigsten für das spätere Lernen. Kleine Kinder sind neugierig, experimentierfreudig, offen und begeisterungsfähig. Alles ist neu für sie. Wie ein Schwamm saugen sie sämtliche Eindrücke in sich auf. Sie wollen die Welt um sich herum erkunden und erforschen. Und dabei bekommt ihr Gehirn gehörig Futter.
Das Gehirn braucht Reize
Wie bei der gesamten Entwicklung gehen auch bei der Gehirnentwicklung Veranlagung und Umwelt Hand in Hand: Die genetische Ausstattung bestimmt den groben Plan des Gehirns. Durch die Einflüsse von außen werden die Nervenzellen (Neuronen) zeitlebens umgebaut, präzisiert und optimiert.
Damit sich die in ihnen verborgenen Anlagen und Begabungen entfalten können, brauchen die kleinen Forscher jedoch liebevolle Unterstützung, Begleitung und Förderung. Andernfalls verkümmern die Talente – oder bleiben, wie es folgendes Beispiel aus der Geschichte zeigt, ganz aus: Kaiser Friedrich II. (1194–1250) trennte auf der Suche nach der Ursprache des Menschen mehrere Säuglinge gleich nach der Geburt von ihren Müttern, damit sie isoliert von der Außenwelt aufwüchsen. Ammen durften die Kinder zwar säugen und sauber halten, mit ihnen zu sprechen oder sie zu liebkosen war den Frauen jedoch untersagt.
Das Experiment scheiterte kläglich. Die Babys lernten überhaupt nicht zu sprechen und starben aufgrund der mangelnden Fürsorge und Zuwendung bald. Schließlich ist das Gehirn des Menschen ein zutiefst soziales Organ, das unbedingt zwischenmenschliche Anreize braucht, um sich zu entwickeln.
Eltern kommt somit eine verantwortungsvolle Aufgabe zu: Sie begleiten ihr Kind in dieser extrem wichtigen Phase – man könnte diesen Lebensabschnitt die Schule des Lebens nennen – und liefern ihm das nötige Futter: den Lernstoff.
Lernen macht Spaß
Die elf Monate alte Anna sitzt in der Küche und hält das erste Mal eine runde, kleine Metallscheibe in den Händen. Sie dreht sie, betrachtet sie von allen Seiten und befühlt sie auch mit dem Mund. Das Baby will den Gegenstand im wahrsten Sinn des Wortes begreifen. Dann lässt es die Scheibe auf den Fliesenboden fallen; es klirrt. Anna lässt die Scheibe daraufhin immer wieder fallen. Später wird sie andere »Experimente« mit diesem vergleichen: Die Metallscheibe klingt anders, wenn sie auf den Parkettboden fällt, Holz macht einen anderen Ton als Plastik, das wiederum klingt anders als Karton …
Ein anderes Beispiel: Der acht Monate alte Paul krabbelt auf das helle Sofa zu, zieht sich daran hoch und entdeckt eine kleine schwarze Schachtel auf der Sitzfläche. Ihr Deckel ist halb geöffnet, sodass er den Inhalt gut erkennen kann, seine Neugier ist geweckt. Pau