1. KAPITEL
Endlich Sommerferien! Erleichtert schwang sich Alys hinter das Lenkrad ihres Wagens. Sie würde jetzt eine Woche lang ihre Eltern besuchen und sich danach mit einigen Freundinnen im Lake District zu einem Wanderurlaub treffen.
Dies war zumindest ihr Plan – bis zum Telefonat mit ihrer Großtante Louise wenige Tage später. Zufällig hatte Alys das Gespräch angenommen, als die jüngere Schwester ihrer verstorbenen Großmutter in heller Panik anrief. Nachdem sie die noch sehr rüstige Zweiundsiebzigjährige etwas beruhigt hatte, sagte diese, dass sich ihre Freundin gestern den Fuß gebrochen habe.
„Seit zwanzig Jahren machen wir gemeinsam Kreuzfahrten. Nun kann Helen nicht verreisen. Was soll ich bloß tun? Wir wollten am Donnerstag an Bord gehen.“
„Du rufst einfach beim Veranstalter an und stornierst die Buchung“, erklärte Alys geduldig. Wieso erzählte die Tante ihr das alles und nicht ihrer Mutter, die für gewöhnlich ihre Vertraute war? „Bestimmt wird man euch den Großteil der Kosten erstatten, wenn du …“
„Aber ich möchte mein Geld nicht zurück. Ich will an der Mittelmeerkreuzfahrt teilnehmen. Nur kann ich es unmöglich allein.“
Aha, daher wehte also der Wind. „Es tut mir leid, doch ich fahre selbst nächste Woche weg. Ich bin sicher, Mum wird dich begleiten …“
„Nein, das wird sie nicht. Du weißt, dass sie nie ohne deinen Dad verreist. Und wie ich gehört habe, hast du bloß eine lose Absprache mit den Leuten, mit denen du schon letztes Jahr gewandert bist.“
„Nein, wir haben uns fest …“
„Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass du in den Lake District möchtest, wenn Griechenland und die Türkei locken“, fuhr Louise fort, als hätte Alys nichts gesagt. „Im Lake District regnet es immer, insbesondere im Sommer.“
„Du musst dir jemand anderes suchen.“ Schnell nutzte sie den Moment, in dem ihre Tante Atem schöpfte. „Es ist sehr lieb von dir, mich einzuladen, nur bin ich bereits fest verabredet.“
„Es gibt niemand anderen. Du musst mitkommen. Ich kann nicht mehr Auto fahren und …“
„Ich hole dich gern ab und bringe dich zum Flughafen.“ Hoffentlich genügte dieses Angebot.
„Ich brauche wegen meiner gelegentlichen Schwindelanfälle ständig jemanden in meiner Nähe. Das weißt du doch. Ich bin erst letzten Monat gestürzt und habe mich verletzt.“
Nein, das hatte sie nicht gewusst. „Dann solltest du vielleicht nicht verreisen. Überhaupt, möchtest du nicht bei deiner Freundin bleiben und dich ein wenig um sie kümmern?“
„Sie ist bei einer Verwandten, die Krankenschwester ist, und deshalb bestens versorgt. Helen benötigt meine Hilfe nicht, aber ich benötige meinen Urlaub.“
Ich auch, dachte Alys verzweifelt. Sie sehnte sich nach der Ruhe und der frischen Luft der herrlichen Gebirgs- und Seenlandschaft. Seit Wochen freute sie sich auf ihre Ferien und wollte sie nicht mit ihrer Tante in einer kleinen Kabine auf einem Schiff mit lauter älteren Leuten verbringen.
„Dann solltest du eine deiner anderen Freundinnen mitnehmen. Es tut mir leid, aber ich komme nicht mit.“
„Alys“, begann ihre Tante in einem Ton, der nic