: Thilo Scheurer
: Neckarsturm Kriminalroman
: Emons Verlag
: 9783960411406
: 1
: CHF 9.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 304
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Rottweil im Spätsommer: Auf der Baustelle des Aufzugstestturms wird ein zerschmetterter Körper gefunden. Hauptkommissar Wolfgang Treidler und seine Kollegin Carina Melchior rechnen mit einem schnellen Ermittlungserfolg, da Fremdeinwirkung ausgeschlossen scheint. Mit Hilfe eines italienischen Kollegen finden die beiden jedoch bald Hinweise auf eine schreckliche Tat . . .

Thilo Scheurer, Jahrgang 1964, lebt und schreibt in einer Kleinstadt am Rande des Schwarzwalds. Er ist Geschäftsführer und Gesellschafter eines Softwareunternehmens. Aus seiner Feder stammen mehrere Kriminalromane sowie ein Abenteuerroman. Der Autor ist verheiratet und hat zwei Kinder.

2

Die Zeit heilt alle Wunden. Aber nur äußerlich, dachte Ursula Lohrmann, während sie im Badezimmer vor dem Spiegel stand und ihren nackten Oberkörper betrachtete. Die blaurot schimmernden Hämatome an den Oberarmen und am Brustkorb verwandelten sich allmählich in gelbbraune Flecken. Einige waren bereits verschwunden. Im Gegensatz zu den Schmerzen. Vermutlich hatte Holger ihr eine Rippe gebrochen. Bisher ahnte niemand etwas von dem, was sie in den letzten Wochen durchgemacht hatte. Nicht ihre Mutter und auch niemand im Kriminalkommissariat eins, wo sie halbtags im Sekretariat arbeitete.

Nie hätte sie geglaubt, dass ein Mensch sich derart schnell verändern konnte, wie Holger es tat. Zuerst hatte sie sich überhaupt nicht auf ihn einlassen wollen. Zu viele Männer hatte sie schon getroffen, nachdem sie auf ein vielversprechendes Dating-Portal gestoßen war. Doch schnell war ihre Hoffnung der Gewissheit gewichen, dass es nur zwei Sorten von Männern auf derartigen Portalen gab. Solche, die so schnell wie möglich mit ihr ins Bett wollten, oder jene, die oft ihr eigenes Aussehen und noch viel öfter ihren Intellekt überschätzten. So kam es, dass sie nach jedem Treffen unglücklicher geworden war und Kontaktanfragen nur noch angesehen, aber nicht mehr beantwortet hatte. Bis auf jene von Holger.

Wider Erwarten funktionierte es mit ihm. Holger schien ein charmanter, zuvorkommender Mann zu sein, der immer wusste, was sie von ihm erwartete. Eine harmonische Beziehung entstand, die viele Monate hielt. Noch Anfang des Jahres hatten sie über eine mögliche Heirat gesprochen. Schließlich waren sie beide mit Mitte dreißig nicht mehr die Jüngsten. Besonders nicht für ein Kind, das sie sich wünschten. Finanziell hätten sie es sicher geschafft, ihre kleine Familie durchzubringen. Auch noch, nachdem Holger seinen Job verloren hatte. Er hätte bestimmt bald wieder einen bekommen, wenn er sich nur bemüht hätte. Und notfalls hätte sie ihren Job im Kommissariat eins schon wenige Wochen nach der Geburt wieder aufnehmen können. Doch Holger hatte sich nie bemüht, stattdessen wurde er ihr jeden Tag ein bisschen fremder.

Im Nachhinein konnte sie nicht sagen, warum sie nicht schon früher versucht hatte, ihn loszuwerden. Niemand würde es verstehen. Zu lange hatte sie seine Launen ertragen, sich ohne Gegenwehr von ihm anschreien lassen. Auch noch, als er das erste Mal zuschlug, hatte sie versucht, besonnen zu reagieren, und seine Aggressivität auf den Verlust des Jobs geschoben. Ein Fehler, den sie viel zu spät einsah. Holger hatte immer öfter zugeschlagen.

Ein Geräusch, ein dumpfes Klopfen aus der Küche ließ sie zusammenzucken. Sie riss den Kopf herum. Verdammt, die Badezimmertür. Sie stand halb offen. Sofort begann das Zittern, und sie spürte, dass die Angst, die sie bis jetzt unterdrückt hatte, in ihr wuchs. Mit zwei schnellen Schritten war sie