: Barbara Edelmann
: Mordsgeschäft Allgäu Krimi
: Emons Verlag
: 9783960410904
: 1
: CHF 10.80
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 416
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Jahrzehntelang waren sie gezwungen, im besten Viertel von Mindelheim zusammenzuwohnen: die beiden exzentrischen Schwestern Rothenfels. Nun ist eine von ihnen tot und die andere darüber nicht traurig. Sissi Sommer und Klaus Vollmer vom K1 in Memmingen haben schon schwierigere Fälle gelöst. Denken sie. Denn als auf der Mindelburg ein weiterer Toter entdeckt wird, müssen sie erkennen, wie fatal sie sich getäuscht haben.

Barbara Edelmann ist in Mindelheim geboren und aufgewachsen. Seit Jahrzehnten lebt sie glücklich und zufrieden im Allgäu und möchte nirgendwo anders sein. Ihre Erfahrungen und Beobachtungen verarbeitet sie in ihren Allgäu Krimis.

Donnerstagabend, Legau

»Wo gehst du hin?« Christa Melzer stand mit großen Augen in der Wohnzimmertür und starrte verblüfft ihren Ehemann an, der gerade versuchte, in seine schwarze gefütterte Lederjacke zu schlüpfen, ohne dass seine Frau es bemerkte.

»Weg muss ich«, antwortete der Angesprochene mürrisch. »Hab grad einen Anruf gekriegt. Der Helmut hat eine Panne. Kommt sonst keiner, und imADAC ist er net. Muss ihm helfen.«

»So. Der Helmut …« Christa stemmte die Hände in die Hüften und schaute ihren Mann durchdringend an.

Sie war eine hübsche, schlanke Blondine Ende dreißig, mit großen blauen Augen und einer bemerkenswert gut proportionierten Figur. Ein Allgäuer Mädel wie aus dem Bilderbuch. Aber leider – wie ihre Mutter immer wieder seufzend beim Friseur erzählte – »nicht die hellste Kerze am Leuchter«. Das wussten eigentlich alle außer Christa selbst. René Descartes hat angeblich einmal gesagt: »Nichts ist so gerecht verteilt wie der Verstand – jeder glaubt, dass er genug davon hat.«

Wie sie jetzt empört in der Tür lehnte und ihren Ehemann von oben bis unten betrachtete, dass diesem ganz ungemütlich zumute wurde, ähnelte Christa einer Serienfigur aus den achtziger Jahren, die von ihrem Vater immer liebevoll »Dumpfbacke« genannt worden war. Nur hätte Ernst Mooslechner, Christas Vater, das nie getan, denn er liebte seine Tochter abgöttisch und hasste seinen Schwiegersohn abgrundtief.

Christa trat einen Schritt nach vorn. Ihr ansehnliches Dekolleté war nur notdürftig von einer knallroten Trainingsjacke verdeckt. Auf diesen Abend zu zweit hatte sie sich gefreut, denn ihr Mann hatte selten frei und war noch seltener daheim. Nicht mal zur Arbeit nach Mindelheim fuhren beide gemeinsam, weil Toni oft später heimkam und früher wegmusste, denn in der Firma gab es viel zu tun. Und Toni musste gleich auf die Baustelle. Außerdem war sie beunruhigt, denn Helmut hatte ihr gestern etwas verraten … Christa schüttelte ihren hübschen Kopf und scheuchte den Gedanken in die hinterste Ecke ihres übersichtlichen Gehirns. Allerdings … Nein. Das Beste war, nicht darüber nachzudenken.

»Und wie heißt der Helmut wirklich? Brunhilde? Beate? Berta?« Christa war davon überzeugt, dass sie betrogen wurde, deshalb beschlich sie immer ein ungutes Gefühl, sobald er das Haus verließ. Das lag zum einen am ungehemmten Konsum etlicher Vorabendserien und zum anderen daran, dass Toni regelmäßig nach Parfüm roch, wenn er nach Hause kam. Darüber hinaus besaß Christa den typisch weiblichen Instinkt, kombiniert mit einem untrüglichen »Flittchenradar«, den sie als verheiratete Frau quasi bei der Hochzeit dazugeliefert bekommen hatte.

Christa war hübsch, anständig, fleißig … und ei