Er erwachte dumpf. In dieser Nacht hatte er geträumt, dass ein Kind im Krankenbett lag und er sah, wie die jüngste Schwester an der Seite des kleinen Bruders bitterlich weinte. Er trat hinzu, und da öffnete das Kind seine Augen. Das Weinen der Schwester vermischte sich mit Glück. Der Kleine sah sie mit verschmitztem Blick an, sie reichten sich die Hände und lachten alle drei. Der Traum wurde bereits undeutlicher, sein Nacken schmerzte, und er reckte sich im zerknitterten Bettzeug. „Manchmal verschwinden die Träume vollständig oder sie bleiben nur als Bruchstücke unlesbar zurück. Andere Träume bleiben klar im Bewusstsein und verlangen nach einer Deutung. Die stärksten Träume, sind sie einmal aufgetaucht, begleiten einen durch das ganze Leben“, dachte er, als der Traum noch mehr zu verblassen begann, „heute Nacht war ich gegenwärtig. Damit habe ich Verantwortung übernommen. Noch mehr, ich habe Gutes bewirkt.“ Er schüttelte den Traum ab, denn Gedanken zur Veränderung, die gestern so zwiespältig ihren Anfang nahmen, machten sich in ihm breit: „Viele Menschen habe ich nun verlassen und ich werde ihnen nicht mehr beistehen können. Etliche Male haben sie mich gerufen, wenn sie Probleme hatten, Hilfe benötigten oder in schwerer Not waren. Ich werde aber auch hier am neuen Ort Menschen gegenüber stehen. Besteht nun eine Differenz zu früher und jetzt? Steht man nicht stets in ethischer Verantwortung gegenüber dem Allgemeinen?“
Das Zimmer war schwer abgedunkelt, aber die dicken Vorhänge liessen doch ahnen, dass der Tag angebrochen war. Da er im sechsten Stock war, freute er sich auf einen Blick über die Dächer auf die Stadt. Er sprang ungelenk aus dem Bett, wegen der allzu weichen Matratze, und weil durch den unruhigen Schlaf seine Bein