: Daniel Ammann
: Die Ausnahme
: TWENTYSIX
: 9783740736446
: 2
: CHF 7.10
:
: Erzählende Literatur
: German
: 248
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Zentrum des Romans steht der namenlose 'Er', welcher sein Leben aus innerer Not von Grund aus verändert. Er bricht radikal mit seiner alten Lebenswelt und reist kurz entschlossen an einen neuen Ort am Meer. Gleich am Ankunftstag begegnet er zufällig Manon, einer zwanzig Jahre jüngeren Frau, die ihn beeindruckt. Er verstrickt sich in philosophische Überlegungen entlang von Begriffen des Existenzialismus. Im Vordergrund steht die Frage, ob seine Existenz als Maler im Schaffen des vollkommenen Kunstwerks eine berechtigte Ausnahme außerhalb des Allgemeinen sein kann. Diese Begriffswelten, die ihn fesseln, aber zunehmend auch bedrängen, kann er nicht bewältigen. Zudem quält ihn Geldnot, und er erlebt, wie er am neuen Ort in Verpflichtungen des alltäglichen Lebens zurückzufallen droht. Er sucht nach einem Ausweg, erinnert sich an Manon, und ruft sie zu sich. Sie treffen sich zweimal am Meer. Manon erlangt in den Gesprächen eine Überlegenheit zu seinen Themen und fasziniert ihn durch das Weibliche in Geist und Schönheit. Während der dritten Begegnung mit Manon bei ihm zu Hause werden mit ihrer Hilfe die unauflösbaren Begriffe enttheoretisiert. Sein Ringen mit der existenziellen Idee entkrampft sich, und er gewinnt an Leben. Der Neuanfang am neuen Ort kann erst jetzt beginnen.

Daniel Ammann (*1947 in Zürich) ist Naturwissenschaftler und war siebenundzwanzig Jahre Privatdozent an der ETH Zürich. Unter anderem hielt er dreizehn Jahre die Vorlesung 'Kunst und Naturwissenschaft'. Er hat sich seit seiner Jugend der Malerei gewidmet.

2


Er erwachte dumpf. In dieser Nacht hatte er geträumt, dass ein Kind im Krankenbett lag und er sah, wie die jüngste Schwester an der Seite des kleinen Bruders bitterlich weinte. Er trat hinzu, und da öffnete das Kind seine Augen. Das Weinen der Schwester vermischte sich mit Glück. Der Kleine sah sie mit verschmitztem Blick an, sie reichten sich die Hände und lachten alle drei. Der Traum wurde bereits undeutlicher, sein Nacken schmerzte, und er reckte sich im zerknitterten Bettzeug. „Manchmal verschwinden die Träume vollständig oder sie bleiben nur als Bruchstücke unlesbar zurück. Andere Träume bleiben klar im Bewusstsein und verlangen nach einer Deutung. Die stärksten Träume, sind sie einmal aufgetaucht, begleiten einen durch das ganze Leben“, dachte er, als der Traum noch mehr zu verblassen begann, „heute Nacht war ich gegenwärtig. Damit habe ich Verantwortung übernommen. Noch mehr, ich habe Gutes bewirkt.“ Er schüttelte den Traum ab, denn Gedanken zur Veränderung, die gestern so zwiespältig ihren Anfang nahmen, machten sich in ihm breit: „Viele Menschen habe ich nun verlassen und ich werde ihnen nicht mehr beistehen können. Etliche Male haben sie mich gerufen, wenn sie Probleme hatten, Hilfe benötigten oder in schwerer Not waren. Ich werde aber auch hier am neuen Ort Menschen gegenüber stehen. Besteht nun eine Differenz zu früher und jetzt? Steht man nicht stets in ethischer Verantwortung gegenüber dem Allgemeinen?“

Das Zimmer war schwer abgedunkelt, aber die dicken Vorhänge liessen doch ahnen, dass der Tag angebrochen war. Da er im sechsten Stock war, freute er sich auf einen Blick über die Dächer auf die Stadt. Er sprang ungelenk aus dem Bett, wegen der allzu weichen Matratze, und weil durch den unruhigen Schlaf seine Bein