Puh, das war gerade noch einmal gut gegangen! Ein, zwei Sekunden, nachdem ihre Schwester ihr unverhofft ins Lenkrad gegriffen hatte, wäre Greta Thorwesten fast von der Straße abgekommen.
Reaktionsschnell trat sie aufs Bremspedal und kam unmittelbar vor der leuchtend grünen Ampel zum Stehen.
»Trixi!«, rief sie schockiert. »Was war denn das!?«
»Da war ein freier Parkplatz. Direkt vor der Apotheke.«
»Und deshalb bringst du uns beide in Lebensgefahr?«
»Ich habe meine Hustenbonbons vergessen.«
»Am Flughafen gibt es jede Menge Shops.«
»Und wenn sie meine Sorte nicht haben? Du weißt, wie empfindlich mein Magen ist«, äußerte sich Trixi beleidigt.
Selbstverständlich forderte das unerwartete Bremsmanöver die nachfolgenden Autofahrer zu heftigen Reaktionen heraus.
Als die Verkehrsampel auf Rot umsprang: Hupkonzert.
Trixi Thorwesten benutzte die kleine Pause zur Korrektur ihres Make-ups. Sie drehte den Rückspiegel kurzerhand zu sich und zog die Lippen nach.
»Wie findest du meinen neuen Lippenstift?«, erkundigte sie sich bei ihrer Schwester.
Ewig lange hatte es gedauert, die Langschläferin Trixi in der Frühe wach zu bekommen. Dann hatte sie mit aufreizender Gelassenheit herumgetrödelt und mit Extrawünschen genervt.
»Herausfordernd.« Greta war längst am Limit. »Hoffentlich verpasst du deinen Flieger nicht.«
»Fahr halt schneller, riskier mal was!« Trixi lachte unbekümmert. »Hast du meinen blauen Seidenschal eingepackt?«
Greta nickte und konzentrierte sich auf die Straße. Jetzt bloß gut aufgepasst, damit ihre Schwester pünktlich zum Flughafen kam.
»Tante Johanna holt dich in London ab, alles ist bestens organisiert, mach dir keine Gedanken.«
Machte sich ihre jüngere Schwester jemals Gedanken? Greta seufzte auf, natürlich insgeheim. Wie es ihr zur zweiten Natur geworden war, alles mit sich auszumachen.
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