: Nina Gregor
: Silvia-Gold 7 War unser Glück nur eine Lüge?
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732532667
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

'Wir haben alles versucht, Frau von Heisberg, aber wir konnten Ihren Mann nicht retten', sagt der Arzt mit belegter Stimme. 'Und Ihre Frau auch nicht, Herr Wittlich, die Verletzungen waren zu schwer ...'

Philip Wittlich zieht scharf die Luft ein, während sich vor Marlenes Augen alles zu drehen beginnt. Gunther ist tot? Nein, das darf nicht wahr sein! Er ist doch ihr Mann, sie braucht ihn!

Aber immer wieder hallen die schrecklichen Worte in ihren Ohren wider. Sie sind beide tot, Gunther und seine Begleiterin ...

'Er hat nie was davon gesagt, dass eine Kollegin ihn auf seinen Reisen begleitet', murmelt sie.

Da lacht Philip Wittlich bitter auf. 'Edith war keine Kollegin Ihres Mannes', sagt er. 'Meine Frau war seine ...' Er verstummt.

Wie betäubt starrt Marlene ihn an. Ihr Herz hat begriffen, aber ihr Verstand weigert sich, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Wie soll sie nur mit einem solchen Wissen weiterleben?

Marlene würde sich nie an Gunters häufige Geschäftsreisen gewöhnen. Er fehlte ihr von der ersten Minute an. Das große Haus, das eher für eine mehrköpfige Familie gedacht war als für ein kinderloses Paar, erschien ihr kalt und seelenlos ohne den geliebten Mann.

Diesmal sehnte sie Gunters Rückkehr besonders ungeduldig herbei, stand doch ihr fünfter Hochzeitstag ins Haus, den sie im klassischen Flitterwochenparadies Venedig stilvoll feiern wollten, sozusagen als verspätete Hochzeitsreise. Schon damals war Gunter beruflich derart eingespannt gewesen, dass der Honeymoon aufgeschoben werden musste.

Damit, dass sie fünf lange Jahre auf ihre Flitterwochen würde warten müssen, hatte Marlene am Hochzeitstag allerdings nicht gerechnet.

Die häufigen Trennungen machten ihr zu schaffen, zumal ihre Ehe bisher kinderlos geblieben war. Wie sehr beneidete sie ihre langjährige Freundin Anna, die inzwischen dreifache Mutter war und genau das glückliche Familienleben führte, nachdem sich Marlene bislang vergebens sehnte!

Mit einem kleinen Seufzer schloss Marlene den Koffer und stellte ihn zu den übrigen Gepäckstücken, die nur darauf warteten ins Taxi gepackt zu werden, um dann im Bauch des Fliegers mit Ziel Venedig zu verschwinden.

Wenn Gunters Job ihren Urlaubsplänen nicht wieder mal einen Strich durch die Rechnung machte wie so oft in den vergangenen Jahren. Marlene konnte sich nicht daran erinnern, dass sie je länger als ein paar Tage am Stück gemeinsam Urlaub hatten machen können.

Gunter drängte sie zwar immer wieder, allein zu fahren, wenn er wieder mal lang geplante Ferien aus beruflichen Gründen absagen musste. Doch ohne ihren Mann mochte Marlene nirgendwohin fahren. Zum einen waren sie ohnehin schon oft genug getrennt, und dann machte es ihr auch einfach keinen Spaß, all die neuen Eindrücke nicht gemeinsam mit Gunter Revue passieren zu lassen.

Marlene warf einen ungeduldigen Blick auf die Uhr. Es würde noch Stunden dauern, bis ihr Mann sie zärtlich in seine Arme schließen und so ungestüm küssen würde, dass es ihr den Atem raubte. Auch nach fünf Jahren Ehe waren sie so verliebt wie ein frischverheiratetes Paar. Die häufigen Trennungen hatten den positiven Effekt, dass sich erst gar keine Gewohnheit in ihren Alltag einschleichen konnte.

Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen, als sie und Gunter sich bezeichnenderweise im Flieger von London nach Düsseldorf kennenlernten. Bei der Landung war ihnen beiden klar, dass das Schicksal persönlich bei dieser Begegnung Regie geführt hatte. Sie hatten geredet, gelacht und sich immer wieder gedankenversunken in die Augen geschaut. Keine Frage also, dass sie sich wiedersehen würden.

Bereits beim zweiten Treffen hatte Gunter ihr einen Heiratsantrag gemacht, und Marlene sagte ohne eine Sekunde zu zöger