: Matthias Becher
: Martin Kintzinger
: Merowinger und Karolinger
: wbg Academic in der Verlag Herder GmbH
: 9783534714247
: 1
: CHF 14.40
:
: Mittelalter
: German
: 167
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Frankenreich unter den Merowingern und Karolingern, auf ehemals römischem Territorium entstanden, wuchs in die Rolle der dominierenden Macht im westlichen Europa hinein. Dabei entwickelte es Strukturen, die beispielhaft für benachbarte Regionen werden sollten. Ohne das Vorbild des Frankenreiches wären viele Entwicklungen im Mittelalter kaum vorstellbar: die Christianisierung, die karolingische Kultur, die Ausbildung mittelalterlicher Herrschaftsstrukturen wie das Lehnswesen und die Grundherrschaft, das Kaisertum. Matthias Becher, einer der wichtigsten Historiker der fränkischen Epoche, beschreibt anschaulich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden bedeutenden Dynastien und wie sie mit ihren jeweiligen Mitteln Herrschaft, Kultur und Institutionen des mittelalterlichen Europa schufen.

Matthias Becher ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bonn.

II.    Strukturen des Frankenreiches


1. Die ideellen Grundlagen königlicher Macht


Angesichts der Zerstrittenheit der Merowinger überrascht ihre fast drei Jahrhunderte währende Herrschaft über das Frankenreich. Warum konnten sie sich so lange halten, auf welchen Grundlagen beruhte ihre Macht? Bis vor kurzem wurde diese Frage mit einem Verweis auf das sogenannte Königsheil beantwortet. Besonders die deutsche Forschung war der Meinung, man könne aus den Quellen einen Anspruch der Merowinger erschließen, von einem Stiergott abzustammen und über magische Kräfte zu verfügen. Außerdem habe diese Vorstellung auch über die Christianisierung hinaus in der Idee weitergelebt, das „Königsheil“ sei für das Wohlergehen des Volkes unverzichtbar. Das äußere Zeichen dieser Magie seien die langen, gelockten Haare der Merowinger gewesen, die als Symbol ihrer besonderen Fruchtbarkeit verstanden worden seien.

Dagegen lässt sich einwenden, dass die angebliche Abstammung der Merowinger von einem Stiergott erst relativ spät bezeugt ist, nämlich durch die Chronik des sogenannten Fredegar um 660. Zudem ist dieser Bericht deutlich von antikem Bildungsgut beeinflusst und sollte die Dynastie möglicherweise sogar verunglimpfen. Das lange Haar der Merow