II. Strukturen des Frankenreiches
1. Die ideellen Grundlagen königlicher Macht
Angesichts der Zerstrittenheit der Merowinger überrascht ihre fast drei Jahrhunderte währende Herrschaft über das Frankenreich. Warum konnten sie sich so lange halten, auf welchen Grundlagen beruhte ihre Macht? Bis vor kurzem wurde diese Frage mit einem Verweis auf das sogenannte Königsheil beantwortet. Besonders die deutsche Forschung war der Meinung, man könne aus den Quellen einen Anspruch der Merowinger erschließen, von einem Stiergott abzustammen und über magische Kräfte zu verfügen. Außerdem habe diese Vorstellung auch über die Christianisierung hinaus in der Idee weitergelebt, das „Königsheil“ sei für das Wohlergehen des Volkes unverzichtbar. Das äußere Zeichen dieser Magie seien die langen, gelockten Haare der Merowinger gewesen, die als Symbol ihrer besonderen Fruchtbarkeit verstanden worden seien.
Dagegen lässt sich einwenden, dass die angebliche Abstammung der Merowinger von einem Stiergott erst relativ spät bezeugt ist, nämlich durch die Chronik des sogenannten Fredegar um 660. Zudem ist dieser Bericht deutlich von antikem Bildungsgut beeinflusst und sollte die Dynastie möglicherweise sogar verunglimpfen. Das lange Haar der Merow