: Peter Mayle
: Die Diamanten von Nizza Roman
: Karl Blessing Verlag
: 9783641189853
: 1
: CHF 8.90
:
: Erzählende Literatur
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die größte Gaunerei, seit es Diamanten gibt

Mit einer Nudelfirma sind sie reich geworden, der bärbeißige Signor Castellaci und seine gutmütig-matronenhafte Frau. Doch ihre feinen Klunker sind sie los. In dem Wandsafe hinter dem unvermeidlichen Ölgemälde waren sie vielleicht eine Spur zu klassisch aufbewahrt. Fußspuren, Fingerabdrücke: Fehlanzeige. Das Hauspersonal, vom Koch bis zum Dienstmädchen, ist mit betonfesten Alibis gewappnet. Klar, dass der Verdacht bald auf die Eigentümer selbst, auf die Castellacis fällt, die jetzt an die Versicherung eine Schadensersatzforderung in Millionenhöhe stellen. Die Versicherung schickt die bewährte Mitarbeiterin Elena Morales los, sich den Tycoon und seine Frau genauer anzusehen – mit überschaubarem Erfolg. Die beiden haben immer pünktlich bezahlt, und außer schlechten Manieren ist ihnen nichts nachzuweisen.

Endlich kommt auch Elenas Freund, Sam Levitt, der gerade einem Freund beim illegalen Zigarrenhandel geholfen hat, nach Frankreich. Sein Sportsgeist und eine überraschende moralische, zivilrechtliche Aufwallung machen es ihm unmöglich, sich mit der Provokation eines perfekten Verbrechens abzufinden. Anstelle der bereits in sanften Dienstschlaf gesunkenen Polizei führt Sam die Ermittlungen mit Feuereifer fort. Schon bald entdeckt er eine ganz neue Spur – die obendrein einen gewissen Charmefaktor aufweist.

Peter Mayle wurde 1939 in Brighton geboren. Er war Kellner, Busfahrer und erfolgreicher Werbetexter, bevor er 1975 dauerhaft in die Provence zog und Schriftsteller wurde. Seine Bücher wie"Ein guter Jahrgang" (Blessing, 2004) wurden internationale Bestseller. Mit"Ein diebisches Vergnügen" (Blessing, 2010) begann Peter Mayle eine neue Serie um den mit detektivischen Fähigkeiten ausgestatteten Anwalt Sam Levitt und seine Freundin Elena Morales.

1. KAPITEL

Warum werden so viele Hiobsbotschaften auf dieser Welt ausgerechnet am Montagmorgen überbracht?

Es war sechs Uhr morgens Ortszeit, als das unbarmherzige Läuten des Telefons Elena Morales aus herrlichem Tiefschlaf riss. Benommen tastete sie nach dem Hörer und brachte ihn unter mehrfachen Verrenkungen an ihr Ohr. »Sam?«, fragte sie halb hoffnungsvoll, halb ärgerlich.

»Ganz und gar nicht«. Am Apparat war Frank Knox, Gründer und Vorsitzender von Knox Insurance, und in seiner Stimme schwang ein gestresster Unterton mit. »Wir haben da ein Problem«, erklärte er, und er brauchte nur zwei Sätze, um seiner Angestellten klarzumachen, dass es sich um eine der höchsten Dringlichkeitsstufen handelte.

Trotz des frühmorgendlichen Verkehrsstaus in Los Angeles schaffte Elena es, um Punkt halb acht sein Büro zu betreten – und zwar ohne dass es zu feindlichen Berührungen mit anderen Fahrzeugen gekommen wäre.

Von dem jovialen Verhalten, das Frank Knox normalerweise zur Schau trug, war keine Spur mehr zu entdecken. »Ich schätze, Sie haben eine Ahnung, worum es geht«, sagte er, winkte sie näher heran und klickte auf seinem Laptop eine Datei mit Zeitungsausschnitten an. »Diese Juwelendiebstähle in Südfrankreich werden mit jedem Jahr schlimmer. Und nun greifen sie auch noch auf unser Terrain über. Vor ein paar Stunden erhielt ich einen Anruf von unserer Niederlassung in Paris; in dem Anwesen einer unserer Klientinnen in Nizza wurde ein Raubüberfall verübt, die Täter haben etliche Juwelen erbeutet. Mehrere Colliers mit Diamanten von 5,06 Karat an aufwärts bis 287 Karat, von sehr gutem Brillantschliff und weißer Farbe, keinerlei oder wenig Fluoreszenz.«

»Welchen Reinheitsgrad hatten sie?«

»Die meisten waren alsflawless, lupenrein, ausgewiesen, auch bei zehnfacher Vergrößerung sind also keine inneren oder äußeren Fehler zu erkennen. Einige wurden alsVVS1 undVVS2 eingestuft, also minimale Einschüsse, die selbst bei zehnfacher Lupenvergrößerung nur schwer auszumachen sind.«

»Keine Piqué darunter. Gute Wahl«, meint Elena.

»Die Bestohlene heißt Madame Castellaci. Sie ist völlig aufgelöst. Und ihr Mann scheint von der forschen Art zu sein: In unserer Pariser Niederlassung ist bereits eine Schadensersatzforderung eingegangen, in einer Höhe, die ähnlich gigantisch ist wie die gegenwärtige Staatsverschuldung.« Er hielt inne, um sich mit einem Schluck Kaffee zu stärken.

»Und wie hoch ist die vertraglich zugesicherte Deckungssumme?«, hakte Elena nach.

Knox schüttelte stirnrunzelnd den Kopf. »Wir haben das Risiko so weit wie möglich gestreut, aber die Summe, die wir berappen müssen, stellt trotzdem einen schmerzhaften Verlust dar. Wir reden von einer siebenstelligen Zahl. Zwei Millionen, vielleicht auch drei.«

»Gehen Sie denn davon aus, dass ein berechtigter Anspruch besteht? Was hat die Polizei herausgefunden?«

Frank Knox fuhr sich durch sein schütteres und ergrautes Haar und seufzte. »Nicht viel. Nach allem, was ich höre, scheinen Profis am Werk gewesen zu sein – keinerlei Spuren, keine Finger- oder Fußabdrücke, rein gar nichts.«

»Und was sagen unsere Leute in Paris?«

»Nur eines: Hilfe!«

Der Vorstandsvorsitzende fiel wie ein Häufchen Elend in seinem Chefsessel zusammen. So niedergeschlagen hatte Elena ihn noch nie gesehen. Frank Knox hatte geplant, in ein paar Monaten in den Ruhestand zu gehen, seinen Wohlstand zu genießen, nicht unverdient, nach 35 Jahren gewissenhafter Arbeit mit gefühlten zwei Fehltagen. Und nun das! Trotz des Geldes, das er im Laufe der Jahre auf die hohe Kante gelegt hatte, war dieser Verlust ein schmerzhafter Tiefschlag.

Mitgefühl stieg in Elena auf. »Frank, was