: Wolfgang Thon
: Blutiges Land Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641169459
: 1
: CHF 4.50
:
: Spannung
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Krieg, zwei Religionen – und zwei Freunde, die sich bis aufs Blut bekämpfen

Seit ihrer Jugend sind der Müllerssohn Eik und der Landadelige Valerian befreundet – bis sich Eik in Valerians Schwester verliebt. Der junge Edelmann ist so vehement gegen diese unstandesgemäße Verbindung, dass sich die Männer fortan aus dem Weg gehen. Doch der 30-jährige Krieg ändert alles. Während Eik sich auf die Seite der Protestanten schlägt, schließt sich Valerians Familie den Katholiken an. In der Schlacht von Magdeburg treffen sie wieder aufeinander – und nur einer kann überleben!

Wolfgang Thon wurde 1954 in Mönchengladbach geboren. Nach dem Abitur studierte er Sprachwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Berlin und Hamburg. Heute ist er als Übersetzer und Autor für verschiedene Verlage tätig. Er ist Vater von drei mittlerweile erwachsenen Kindern und lebt, schreibt, übersetzt, reitet und tanzt (argentinischen Tango) in Hamburg.

1. KAPITEL

Bruchhausen, nahe der Festung Nienburg,
Herbst 1626

Die Reiter kamen über sie wie ein Gewittersturm.

Eik hatte sich aufgerichtet, um seinen schmerzenden Rücken zu entlasten, nachdem er stundenlang in gebückter Haltung Kartoffeln aus der Erde geklaubt hatte. Dabei war sein Blick auf den Hügelkamm und den einzelnen Reiter gefallen, der darauf stand.

In dem Zwielicht des heraufziehenden Abends konnte Eik nicht erkennen, ob es sich um einen Söldner oder etwa um Schlimmeres, einen Marodeur und Plünderer, handelte. Dann hob der Mann den Arm.

Eik starrte einen Moment lang auf den Hügelhang, über den plötzlich eine ganze Schar von Reitern quoll und zielstrebig auf sie zugaloppierte.Söldner, dachte Eik.Plünderer und Strauchdiebe reiten nicht so diszipliniert und haben auch nicht so viele Pferde.

Ob die Soldaten zur protestantischen Union oder zu den Ligistischen des Kaisers gehörten, spielte keine Rolle, denn die Art und Weise, wie sie heranstürmten, verriet schwerlich friedliche Absichten.

Eik fuhr herum, schrie den anderen auf dem Feld eine Warnung zu und war mit zwei langen Sätzen bei seiner Jacke. die am Feldrand lag. Er schob sie und den mittlerweile leeren Knappsack beiseite und packte den Griff des Stoßdegens.

Er hatte ihn kaum aus der Lederscheide gezogen, als die Welt um ihn herum nur noch aus Gebrüll, schrillem Wiehern, ängstlichen Schreien und stinkenden, riesigen Pferdeleibern zu bestehen schien.

Erde, Schweißflocken und von Pferdehufen zertretene Kartoffeln spritzten durch die Luft, und Eik wusste nicht, wohin er sich zuerst wenden sollte. Er bekam einen Stoß gegen die Schulter, fuhr herum, und im nächsten Moment traf ihn ein Stiefel zwischen die Schulterblätter. Er flog durch die Luft und landete mit dem Gesicht voran auf dem Acker.

Feuchte Erde drang ihm in Mund und Nasenlöcher und verklebte seine Augen. Eik stemmte sich hustend und spuckend auf die Ellbogen hoch und hob den Kopf. Den Stoßdegen hielt er immer noch in der rechten Faust.

Dann tauchten Pferdebeine vor ihm auf, die eines Schimmels. Er hob den Blick zu dem Reiter und runzelte verblüfft die Stirn. Der Mann schien bis auf den Dolch am Gürtel über seinem Lederwams unbewaffnet zu sein und wirkte sehr jung, war vielleicht sogar noch jünger als er selbst mit seinen neunzehn Sommern. Sein Gesicht war für einen Mann ungewöhnlich fein und ebenmäßig. Und dann diese rote Mähne.

Das ist kein Mann!

Eik hatte zwar gehört, dass sich bei manchen marodierenden Banden, die die Gegend rund um Verden heimsuchten, auch Frauen befanden, aber bei einer Söldnertruppe? Un