: Julia Bähr
: Liebe mich, wer kann! Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641189150
: 1
: CHF 7.10
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: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Für Greta läuft es im Moment alles andere als rund. Weihnachten steht bevor, und sie ist frisch getrennt von ihrem Mann Erik. Gretas beste Freundin Katka findet die Lage zwar hoffnungslos aber nicht ernst. Greta sieht das anders: Sie kommt über die Trennung nicht hinweg. Vielleicht liegt das auch an den wuterfüllten E-Mails, die sie nachts an Erik schreibt – und an die sie sich morgens nicht erinnern kann. Doch zwischen Rosenkrieg, einem wahnwitzigen Job und den skurrilsten Bemühungen, im Leben wieder Fuß zu fassen, keimt ein Funke Hoffnung in Greta. Irgendwo muss es doch einen Kerl geben, an dessen Seite kein Desaster droht …

Julia Bähr, geboren 1982, absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München und arbeitet als Redakteurin im Feuilleton derFrankfurter Allgemeinen Zeitung. Ihr Herz schlägt für Pommes frites und Karaoke. Zusammen mit Christian Böhm verfasste sie 2013 den HochzeitsromanWer ins kalte Wasser springt, muss sich warm anziehen, gefolgt von ihren romantischen KomödienSei mein Frosch und Liebe mich, wer kann!.

Kapitel 1

»Und warum sind Sie hier?« Gemächlich legt der Mann, der mir in einem teuer aussehenden Ledersessel gegenübersitzt, einen Notizblock auf seine Armlehne.

»Tja.« Weil es klare Anzeichen gibt, dass ich den Verstand verliere? Kann ich das so sagen, oder holt Dr. Schiechel dann gleich eine Zwangsjacke aus der Schublade seines Mahagoni-Schreibtisches? Ich schaue mich zum ersten Mal richtig um in diesem Zimmer, in das ich vor einer Minute nervös gestolpert bin. Entdecke holzgetäfelte Wände, mausgrauen Teppichboden und einen Stapel blauer Plastikkisten, sorgfältig mit kleinen Aufklebern beschriftet. Nein, das dürfte nicht die richtige Umgebung sein, um mit der Tür ins Haus zu fallen.

»Ich bin frisch getrennt und habe den Eindruck, dass mein Unterbewusstsein sich mit dieser Tatsache schwertut«, informiere ich meinen neuen Therapeuten.

»So.« Er nimmt den Block in die Hand und macht sich eine Notiz. »Und was vermittelt Ihnen diesen Eindruck?«

»Ich trinke eigentlich gar nicht so viel Alkohol«, beginne ich vorsichtig. »Aber in letzter Zeit passiert es mir öfter, dass ich – wie sagt man? – einen Filmriss habe.«

Natürlich weiß ich, wie man dazu sagt. Aber es heißt nicht umsonst, dass viele Frauen in ihrem Therapeuten eine Vaterfigur sehen. Ich würde in diesem Moment knallhart leugnen, dass ich jemals geraucht, Sex gehabt und als Kind unser Kellerfenster versehentlich eingeschlagen habe. Und so einen Filmriss hatte ich selbstverständlich auch noch nie. Klar.

Während ich erzähle, schaut Dr. Schiechel haarscharf an meinem Kopf vorbei, als fixiere er ein Insekt an der Wand. Jetzt öffnet er mit einem kleinen Schnalzen den Mund und fragt: »Können Sie nachvollziehen, was Sie während der Zeit gemacht haben, an die Sie sich nicht erinnern können?«

Jetzt wird’s ernst. »Ja, das kann ich.«

Dr. Schiechel stiert schon wieder an mir vorbei. Irritiert drehe ich mich um, aber an der Wand ist nichts zu sehen. Nicht einmal ein Bild hängt an dem Fleck, auf den er die ganze Zeit starrt. Dass er keinen Mucks von sich gibt, verstehe ich als Aufforderung zum Weitersprechen.

»Ich schreibe in diesen Nächten wütende Mails an den Mann, von dem ich mich getrennt habe«, gebe ich widerwillig zu. »Danach schlafe ich super, und am nächsten Morgen habe ich es vergessen.«

Dr. Schiechel schnalzt wieder. Macht der das etwa vor jedem Satz? Ist mir am Anfang gar nicht aufgefallen. »Wissen Sie, Frau …« Hilfesuchend schaut er auf seinen Block.

»Hildebrand«, sage ich schnell. »Greta Hildebrand.«

»Ach ja. Frau Hildebrand, i