1. Kapitel
Zwei Jahre später
Dinge, die an einer Scheidung zum Kotzen sind, Nummer drei: Exakt in dem Moment, in dem dein Leben am Tiefpunkt angelangt ist, und alles, was du brauchst, ein besonders inspirierender Song ist, um dich aus dem Tal der Tränen zu hieven und deine Seele mit Rat und Ansporn zu erquicken, kannst du dieCD nicht finden, die du suchst. Und das nur, weil dein Exmann – dein sehr bald schon Exmann – sie eingepackt hat und du ihn nicht danach fragen kannst, weil du weißt, dass das wahrscheinlich nicht sehr weit oben auf der Liste seiner dringlichsten Angelegenheiten steht. Ich lag bäuchlings auf dem Boden und tastete unter die Regalwand, in der wir früher –früher – unsereCDs aufbewahrten. Wo zum Henker war sie? Warum bitte hätte er dieKT TunstallCD einpacken sollen?KT Bumsstall, wie er sie nannte.
Als meine Freundinnen unter dem Gewicht der Umzugskartons schwankend zurück ins Zimmer kamen, fanden sie mich immer noch auf dem Boden liegend vor, heulend und bei dem Versuch, meine eigene erquickliche Hintergrundmelodie zu summen, während meine Stimme unter Tränen, Staub und dem Zwei-Flaschen-Chardonnay-Kater des Vorabends langsam, aber sicher erstickte.
»Rachel, was ist passiert? Hast du noch eine Socke von ihm gefunden? Hast du dir das Lied eures Hochzeitstanzes angehört?« Emma kam herübergeeilt und drückte auf dem Weg quer durchs Zimmer Cynthia ihren Karton in die Arme.
»Vorsicht, Emma! Da ist der Le-Creuset-Schmortopf drin. Willst du mich zum Krüppel machen?«
»KT …«, brabbelte ich. »Kann sie nicht finden … Brauche das Lied!«
»Welches Lied?«
»Das eine!« In den Untiefen meiner Trauer konnte ich mich nicht mehr an den Titel erinnern. »Das Lied zum Umstyling-Zusammenschnitt ausDer Teufel trägt Prada. Ihr wisst schon, das eine, das so geht – du, du, du-du, du-du-du. Ich brauche es! Damit ich in schickenSchuhen und hübschen Klamotten herumspazierenkann, obwohl meine Chefin gemein zu mir ist. Und dann wird alles gut!«
Emma und Cynthia wechselten einen bedeutungsvollen Blick, dann zog Cynthia ihr iPhone hervor und drückte darauf herum. »Meinst du das hier?«
Suddenly I see begann etwas blechern aus dem Telefon zu plärren.
Ich weinte immer noch. »Das hier ist der Tiefpunkt! Ich muss dieses Lied hören, um mich danach besser zu fühlen und in meinen High Heels herumzustolzieren, versteht ihr?«
»Du trägst doch überhaupt keine High Heels, Süße«, sagte Cynthia sanft. »Du sagst immer, das seien Werkzeuge des patriarchalen Systems zur Unterdrückung der Frau, erinnerst du dich?«
Meine Füße steckten in schlammverkrusteten lila Gummistiefeln, in die ich geschlüpft war, um einige der Pfla