: Robert Charles Wilson
: Kontrolle Roman
: Heyne Verlag
: 9783641154639
: 1
: CHF 2.70
:
: Science Fiction
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Amerika im Jahr 2014. Die achtzehnjährige Cassie lebt in einer scheinbar perfekten Welt: Seit hundert Jahren herrscht Frieden, es gab keine Wirtschaftskrisen und keine Anschläge am 11. September 2001. Stattdessen regieren Wohlstand und soziale Sicherheit. Doch der Preis für das schöne Leben ist hoch: Was es nämlich ebenfalls nicht gibt, sind Fortschritt und Freiheit, denn die Menschen werden seit Jahrzehnten von einer außerirdischen Spezies kontrolliert. Als Cassie eines Tages hinter das Geheimnis ihrer heilen Welt kommt, gerät sie in Lebensgefahr …

Robert Charles Wilson, geboren 1953 in Kalifornien, wuchs in Kanada auf und lebt mit seiner Familie in Toronto. Er zählt zu den bedeutendsten Autoren der modernen Science-Fiction. Er hat etliche Romane veröffentlicht, darunter den internationalen Bestseller"Spin". Neben zahlreichen Nominierungen wurde er mehrfach für seine Romane ausgezeichnet, unter anderem mit dem Philip K. Dick Award, dem John W. Campbell Award und dem Hugo Award.

2

Vermont, auf dem Land

Früh am Morgen, nicht lange nachdem die ersten Sonnenstrahlen die kahlen Äste der Ahornbäume berührt hatten und allmählich die Frosthaut aus den Schatten vertrieben, näherte sich ein Mann dem Farmhaus von Ethan Iverson. Der Unbekannte war allein und ging so langsam, dass Ethan reichlich Zeit blieb.

Ethan verfolgte das Vorankommen des Fremden auf einem Bildschirm im Speicher, wo er seine Schreibmaschine, seine Korrespondenzunterlagen und ein kleines Arsenal von Schusswaffen aufbewahrte. Beim Schrillen des Alarms war er gerade in der Küche damit beschäftigt gewesen, sein Standardfrühstück aus Eiern und Schinken in einer Eisenpfanne zu braten. Jetzt wurde das Gericht unten auf dem Herd kalt, und die Eier erstarrten im Fett.

Ethan lebte seit sieben Jahren in dem Farmhaus – seit sieben Jahren und drei Monaten inzwischen. Manchmal sprach er wochenlang mit niemandem außer der Kassiererin im Lebensmittelgeschäft Kierson und dem Angestellten im Buchladen Back Pages, seinen zwei unvermeidlichen Anlaufstellen, wenn er nach Jacobstown fuhr, um seine Vorräte aufzustocken. Wie er festgestellt hatte, war ein nützliches Mittel für einen allein lebenden Menschen, der nicht den Verstand verlieren wollte, ein strikt eingehaltener fester Tagesablauf. Jeden Abend stellte er den Wecker auf sieben, jeden Morgen zog er sich nach dem Duschen an und hatte bis acht sein Frühstück beendet, gleich, an welchem Wochentag und zu welcher Jahreszeit. Und genauso gewissenhaft achtete er auf die Instandhaltung der zahlreichen Bewegungsmelder und Videokameras, die er schon bald nach seinem Einzug auf dem Grundstück installiert hatte.

Sieben Jahre lang hatte dieses System nichts von Belang angezeigt. Ausnahmen hatten lediglich einige verirrte Jäger undPilzsammler gebildet, dazu ein religiöser Flugblattverteiler, der der Auffassung war, dass die vielen gut sichtbarenBETRETEN-VERBOTEN-Schilder auf dem Gelände für einen Stellvertreter Gottes keine Gültigkeit besaßen, ein zu allem entschlossener Volkszähler und bei zwei Gelegenheiten ein Mitglied der Schwarzbärenfamilie, die hinter der westlichen Grenze von Ethans Grundstück lebte. Bei jedem Anschlagen des Alarms war Ethan hinauf in den Speicher geeilt, wo er den Eindringling auf dem Bildschirm beobachten und sein Gefahrenpotenzial abschätzen konnte. Und jedes Mal bisher hatte sich der Eindringling als harmlos erwiesen.

Er schaltete um auf eine neue Kamera. Der Unbekannte näherte sich in gleichmäßigem Schritt auf dem unbefestigten Zugangsweg. Der Mann, den Ethan auf dem Monitor erblickte, wirkte völlig gewöhnlich, wenn auch ein wenig fehl am Platz. Er wirkte wie höchstens fünfundzwanzig, das Haar braun, der Kopf unbedeckt, leicht übergewichtig, nach Art eines Stadtbewohners gekleidet in eine graue Jacke und schwarze Schuhe, die ihren Glanz in der feuchten Erde des Wegs eingebüßt hatten. Dem Aussehen nach hätte er ein Immobilienmakler sein können, der Ethan fragen wollte, ob er nicht vielleicht Lust hatte, sein Grundstück zu verkaufen. Doch Ethan war