: David Ross
: Schottendisco Roman
: Heyne
: 9783641178284
: Schottland Trilogie
: 1
: CHF 10.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Irvine Welsh meets Roddy Doyle - ein hinreißender Roman über das Aufwachsen in der schottischen Provinz in den 80er-Jahren
Zwei Jungs in der schottischen Provinz in den Achtzigern. Kein Plan, keine Perspektive. Was machen? Wie wäre es mit einer mobilen Disco? Gute Popmusik, die gibt es. Und die beiden kennen sich aus. Also wird eine kleine Anlage geliehen, und bald gibt es die ersten Geburtstagspartys. Und das erste Geld. Dumm nur, dass die beiden eines nicht wissen: Die Gegend wird von einem Partyveranstalter kontrolliert, der keinen Spaß versteht, wenn ihm jemand die Aufträge streitig macht.

David F. Ross wurde 1964 in Glasgow geboren. Nach diversen Gelegenheitsjobs ist er heute Design Director bei einem der größten Architekturbüros Schottlands und hält weltweit Vorträge. NachSchottendiscoundistSchotte dichtder Abschluss seiner großen Schottland-Trilogie. Mit Frau und zwei Kindern lebt er in Kilmarnock.

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EIN MANN AM RANDE DES ABGRUNDS

24. Januar 1982: 10.23 Uhr

»Bobby Cassidy lebte sein Leben am Rande des Abgrunds. Monaco war eine Stadt nach seinem Geschmack …«

Verglichen mit anderen Erfahrungen, war das hier höchst ungewöhnlich. Er hatte sich immer vorgestellt, in irrwitzigem Tempo durch die Nouvelle Chicane zu brettern, im linken Seitenspiegel James Hunt, im rechten Gilles Villeneuve, die beide nicht an ihm vorbeikamen. Aber als es nun tatsächlich passierte, verlieh Sean Connerys Kommentar –Wo kam der überhaupt her? – dem Ganzen ein seltsames und eindeutig surreales Flair. Und es wurde noch sonderbarer. Während er versuchte, sich auf den engen gewundenen Kurs mit all seinen wahnwitzigen Haarnadelkurven und diversen urbanen Ablenkungen zu konzentrieren –War das wirklich Sally McLoy aus Hurlford, die ihm vom Balkon des Grand Hotel aus zuwinkte, oben ohne mit ihren Riesentitten, die wackelten wie Götterspeise bei einem Erdbeben? –, bereitete ihm die Tatsache Sorgen, dass er sich nicht erinnern konnte, wie er hierhergekommen war.

Wie war er bei drei Millionen Arbeitslosen, deren Zahl täglich stieg, überhaupt Rennfahrer geworden? Er konnte sich nicht erinnern, bei einem Vorstellungsgespräch gewesen zu sein oder auch nur ein Bewerbungsformular ausgefüllt zu haben. Wie viele Rennen war er schon gefahren? War er von Murray Walker interviewt worden? Wohnte er noch in dem zweistöckigen Haus in der Almond Avenue 13, in einer Sozialsiedlung in Kilmarnock, Schottland, Europa, Welt, Universum (Schulhefte, alte Gewohnheiten …), mit seiner Mum, seinem Dad, seiner Schwester Heather und dem verlorenen älteren Bruder Gary? Und, die beunruhigendste Frage von allen, warum hatte er auf einmal drei Arme?

»Garantiert irgendein Fehler …« Allmählich ging 007 Bobby echt auf die Nerven.

»Halt die Klappe, Sean. Ich versuche hier zu fahren.«

Als sie um die enge Portier-Kurve kamen und mit 290 Stundenkilometern auf den berühmten Tunnel zurasten, sah Bobby in den gläsernen Barrieren, mit denen der Kurs abgesperrt war, für einen Moment sein Spiegelbild. Der rotweiße McLaren sah aus wie eine riesige Zigarettenpackung auf Rädern. Eine waagerechte Reihe blendender Scheinwerfer ließ ihn eine Hand vom Lenkrad nehmen, um die Augen abzuschirmen. Als er seinen Kopf berührte, dämmerten ihm zwei Dinge gleichzeitig: Erstens trug er keinen Helm, und zweitens war der dritte Arm nicht seiner. Er gehörte zu einer Frau, die auf dem Schalensitz hinter ihm saß. Und das war nicht irgendeine Frau; dieser Arm war der rechte Arm der hinreißenden Sally James aus der KindersendungTiswas, und der fing an, seinen Schwanz zu streicheln.

»Sean, Alter, wir sind nicht mehr im beschissenen Kansas …«

Er wachte gerade noch rechtzeitig auf. Es war nicht Sally