Jahr 3 der Krise
Abstand der Trisolaris-Flotte zum Sonnensystem:
4,21 Lichtjahre
Wiealt es aussieht…
Das warWu Yues erster Gedanke, als er im flackernden Schein gleißender Lichtbögen beim Bau des riesigen SchiffesTang zusah. Natürlich lag das nur an den zahllosen, unbedeutenden Flecken auf dem fast fertiggestellten Rumpf, die beim Zusammenschweißen der Manganstahlplatten entstanden waren. Er versuchte vergeblich, sich vorzustellen, wie neu und robust dieTang erst aussehen würde, sobald man ihr einen frischen grauen Anstrich verpasst hatte.
Soeben war für die Mannschaft derTang das vierte Küstengewässermanöver zu Ende gegangen. Während dieser beiden Monate hatten sich die leitenden Offiziere des Schiffes, Wu Yue und der neben ihm stehendeZhang Beihai, in einer heiklen Situation befunden: Die Kommandeure befehligten den Gefechtsverband aus Zerstörern, U-Booten und Versorgungsschiffen. Doch da dieTang immer noch in der Werft lag, übernahm bei dem Manöver entweder das TrainingsschiffZheng He ihre Position, oder es blieb eine Lücke in der Formation. Wu Yue hatte oft auf die leere Stelle hinausgestarrt, wo die Wasseroberfläche von den Heckwellen der kreuz und quer fahrenden Schiffe aufgewirbelt wurde. Dieser Anblick hatte ihn an seinen eigenen Gemütszustand erinnert. Wiederholt hatte er sich gefragt, ob diese Leerstelle wohl jemals gefüllt werden würde.
Als er nun die unfertigeTang betrachtete, kam sie ihm nicht nur alt vor, sondern wie ein Sinnbild für Vergänglichkeit. Sie wirkte wie eine riesige, verlassene Festung, ihr fleckiger Rumpf wie eine bröckelnde Steinmauer und die vom Baugerüst herunterregnenden Funken wie Kletterpflanzen auf antikem Mauerwerk … Alles in allem sah sie wie ein archäologisches Fundstück aus und nicht wie eine Neukonstruktion.
Wu Yue machte dieser Gedanke Angst. Also wandte er sich an Zhang Beihai und fragte: »Geht es Ihrem Vater wieder besser?«
Zhang Beihai schüttelte sacht den Kopf. »Nein. Aber er ist stabil.«
»Sie sollten um Urlaub bitten.«
»Das habe ich bereits getan, als er eingeliefert wurde. Jetzt warte ich erst einmal ab und sehe dann weiter.«
Die Unterhaltung verstummte. So wie jedes Mal, wenn es persönlich wurde. Berufliche Gespräche fielen ihnen leichter, aber auch dabei schien immer irgendetwas zwischen ihnen zu stehen.
»Unsere Arbeit wird immer wichtiger, Beihai. Da wir uns diese Verantwortung teilen, sollten wir meines Erachtens mehr miteinander reden.«
»Wir reden doch schon genug miteinander. Hätten wir nicht so erfolgreich auf derChang’an zusammengearbeitet, wären wir von denen da oben sicher nicht für dieTang abgestellt worden.« Zhang Beihai lachte, als er das sagte. Doch es war die Art von Lachen, die Wu Yue nur schwer deuten konnte. Zhang Beihai konnte tief in die Herzen sämtlicher Besatzungsmitglieder blicken, egal ob Kapitän oder Matrose. Auch Wu Yue war für ihn wie ein offe