Es war ein herrlicher Sommertag. Die Sonne schien von einem wolkenlosen, tiefblauen Himmel, dessen Farbe sich im Wasser der Außenalster spiegelte. Eine leichte Brise, die von See her wehte, sorgte für angenehme Frische. Möwen segelten hoch auf dem Wind. Und in der Ferne erklangen die dumpfen Signale der Ozeanriesen, die den Hamburger Hafen anliefen oder verließen.
Isabel Prinzessin von Ettenberg liebte diese Nachmittage, die zum Träumen einluden. Sie blinzelte und lächelte zufrieden, als ihr Verlobter Hartmut von Well ihr ein Glas Champagner reichte.
»Findest du nicht, dass das ein bisschen dekadent ist?«, fragte die bildschöne junge Frau mit den kastanienbraunen Locken und den klaren rehbraunen Augen. »Am helllichten Tag hier zu lagern wie ausgemachte Snobs?«
Der junge Banker erwiderte ihr Lächeln entspannt.
»Wir gehören beide zur arbeitenden Bevölkerung und haben uns nur mal einen Tag freigenommen«, erinnerte er sie. »Ich finde, das haben wir uns durchaus verdient.«
»Auch wieder wahr.« Isabel, die alle nur Isa nannten, stellte ihr Glas ab und schlug die langen, schlanken Beine, die in einer hellen Leinenhose steckten, graziös übereinander. Dazu passte die leichte dunkelblaue Bluse perfekt. Sie schob die elegante Sonnenbrille auf die glänzenden Locken und ließ den Blick schweifen.
Die beiden Deckchairs, auf denen das junge Paar es sich bequem gemacht hatte, standen auf der weitläufigen Terrasse des fürstlichen Stadtpalais im Hamburger Nobelviertel Blankenese. Isa war hier geboren und aufgewachsen, die exklusive Umgebung war für sie eine Selbstverständlichkeit.
Das Fürstenpaar hatte seine beiden Kinder allerdings niemals verwöhnt. Isa und ihr Bruder Christian sollten sich zu tüchtigen Menschen entwickeln, die in der Lage waren, sich ihren Platz im Leben nicht nur auszusuchen, sondern auch aus eigener Kraft zu gestalten.
Fürstin Valeska und ihr Mann Fürst Georg hatten dieses Ziel durchaus erreicht. Prinz Christian war nach dem erfolgreichen Abschluss eines Wirtschaftsstudiums und diversen Praktika in internationalen Häusern in die Leitung des fürstlichen Bankhauses eingestiegen.
Isa hatte bereits als Kind künstlerische und kreative Neigungen gezeigt. Nach dem Abitur hatte sie sich ganz der Fotografie verschrieben. Eine praktische Ausbildung durfte dabei ebenso wenig fehlen wie ein Studium an einer Fachhochschule.
Nun besaß die Prinzessin ein eigenes Fotostudio, mit dem sie überaus erfolgreich war. Die Spannbreite ihrer Arbeit reichte von Modeaufnahmen bis zu Landschaftsporträts. Sie hatte bereits einige Preise gewonnen und sich einen Namen in der Branche gemacht.
Ihr Verlobter Hartmut bewunderte ihre Kreativität, denn das war etwas, das ihm völlig abging. Er bezeichnete sich selbst