2. KAPITEL
Die Fahrt zum Hotel verging schnell, und weil Kara die Zimmer gebucht und Fotos davon gesehen hatte, wusste sie, was sie erwartete. Und doch erstaunte sie die tatsächliche Größe des Hotels. Das Gebäude war überwältigend. Aber was ihr die Sprache verschlug, war die Entdeckung, dass sich ihr Zimmer direkt neben dem von Blake befand.
Offenbar war es ein Teil seiner Suite, da es mit dieser durch eine Zwischentür verbunden war. Zum Glück war sie verschlossen, aber das änderte nichts an Karas Beunruhigung. Ob er veranlasst hatte, dass sie hier untergebracht wurde?
Es gab nur einen Weg, das herauszufinden. Sie ging die paar Meter durch den Korridor zu seiner Tür und klopfte. Als sie seine Stimme hörte, trat sie ein. „Warum habe ich das Zimmer neben Ihnen?“, fragte sie unverblümt.
„Stört es Sie?“
„Wenn ich ehrlich bin, ja.“
„Warum?“, fragte er und hielt ihren Blick mit seinen grauen Augen fest.
„Weil … also …“ Ihr wurde klar, dass sie eigentlich keinen besonderen Grund hatte. „Weil es sich nicht richtig anfühlt. Ich müsste bei den anderen sein. Es ist, als würde ich irgendwie bevorzugt.“
Er verschränkte die Arme vor seinem prächtigen Oberkörper. Sein Jackett hatte er ausgezogen, und der oberste Knopf seines Hemdes war geöffnet, sodass die gebräunte Haut darunter sichtbar wurde.
Kara kannte ihn nur in Schlips und Kragen. Nie hatte sie den Mann aus Fleisch und Blut darunter gesehen. Plötzlich sah er weniger einschüchternd und viel nahbarer aus. Und, das musste sie zugeben, sexy.
„Nur zu Ihrer Information: Ich hielt das für das Praktischste.“
Sie hörte kaum, was er sagte. Noch immer starrte sie auf seinen muskulösen Oberkörper. Ob er irgendwo trainierte? Ob er ein eigenes Fitnessstudio hatte? Jetzt erst merkte sie, dass sie überhaupt nichts über Blake wusste; sie hatte sich nicht für ihn interessiert. Doch auf einmal kamen ihr alle möglichen Fragen in den Sinn. Jetzt sah sie ihn als Mann, nicht als ihren Arbeitgeber, und sie musste sich eingestehen, dass ihr Herz ein wenig schneller schlug.
„Es ist einfach sehr sinnvoll“, fuhr er fort. „Sie sind meine rechte Hand. Sie sorgen dafür, dass die Konferenz glatt über die Bühne geht. Sicher gibt es einiges, das wir besprechen müssen. Darum brauche ich Sie in meiner Nähe.“
„Das sehe ich nicht so, Mr Benedict. Es ist nicht nötig, dass wir …“
Sie wurde abrupt unterbrochen. „Miss Redman – Kara – jetzt ist es zu spät, das zu ändern. Das Hotel ist ausgebucht.“ Sein Gesichtsausdruck gab ihr zu verstehen, dass sie aus einer Mücke einen Elefanten machte. „Aber wenn es Sie beruhigt, verspreche ich, nicht in Ihre Intimsphäre einzudringen.“
Kara fühlte, wie sie errötete. Irgendwie gelang es ihr, ihm einen finsteren Blick zuzuwerfen, bevor sie kehrtmachte und in ihr Zimmer zurückging. Nach ihren anfänglichen Bedenken hatte sie sich darauf gefreut, herzukommen, und gehofft, ein wenig von Mailand zu sehen, doch jetzt keimten neue Ängste in ihr auf. Was war mit dem Schutzwall, den sie zu errichten geglaubt hatte? Ein Blick auf ein kleines Dreieck seines entblößten Oberkörpers hatte gereicht, um sie völlig durcheinanderzubringen. Wie dumm! Sie benahm sich wie ein Teenager, nicht wie eine sechsundzwanzigjährige Frau.
Unglücklicherweise würde sie Blake Benedict von nun an in einem völlig anderen Licht sehen, und das konnte die ganze Konferenz ruinieren, wenn sie sich nicht am Riemen riss. Selbst wenn sein Hemd bis oben hin zugeknöpft wäre, er eine Krawatte trüge und sein prächtiger Oberkörper von einem Jackett bedeckt wäre, würde sie sich an das erinnern, was sie gesehen hatte. Dieser Anblick würde ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen, und sie würde sich danach sehnen, ihn noch einmal zu sehen oder gar zu berühren. Es war verrückt.
Und sie musste vorsichtig sein. Denn Blakes Haltung ihr gegenüber hatte sich ebenfalls verändert. Vorher hatte er sich keine Mühe gegeben, sie näher kennenzulernen. Bislang war sie eine gesichtslose Frau gewesen, die auf besonnene und gründliche Weise dafür sorgte, dass in seinem Büro alles glattlief. Aber auf dem Flug war etwas passiert. Er hatte sie genauer betrachtet und nun sah er sie mit anderen Augen. Und wenn sie sich nicht täuschte, hatte er nun echtes Interesse an ihr.
Andererseits sah Kara vielleicht Dinge, die gar nicht da waren. Wieder errötete sie, und sie wünschte, sie wäre nicht zu ihm gegangen. Sie hatte voreilig gehandelt. Jetzt würde es die reinste Hölle werden, ihm zu begegnen.
Nachdem sie ausgepackt hatte, stellte