2. KAPITEL
Reid
In dem Moment, in dem ich mich abwende, um den Gerichtssaal zu verlassen, lockere ich meine Krawatte. Als Nächstes werde ich mich von diesem Zeug in meinem Haar befreien, das mich aussehen lässt wie einen der Speichellecker meines Vaters.
„Bring das wieder in Ordnung“, fährt mich Dad scharf an und strafft die Schultern.
Sein Urteil ist eindeutig: schuldig im Sinne der Anklage, auch wenn die Staatsanwaltschaft auf unsere Bitte wegen eines Vergleichs eingegangen ist – jedenfalls so in etwa.
Eine halbe Sekunde lang erwäge ich, ihn zu ignorieren, bis die weniger herrische Stimme meines Managers zur Diskretion mahnt: „Reid, da draußen wartet die Presse.School Pride ist gerade in den Kinos angelaufen. Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, den Eindruck eines Rebellen zu erwecken. Wir haben sowieso schon ein paar Werbeverträge verloren – dein Image hat bereits genug gelitten, auch ohne dass du den Eindruck vermittelst, wenig dankbar dafür zu sein, dass du so einfach aus einer Sache herausgekommen bist, die 99,9 Prozent der normalen Leute ins Gefängnis gebracht hätte.“
„Das nennst du einfach?“ Ich greife George niemals an, aber diese Aussage kann ich nicht so stehen lassen. Die Auflagen des Gerichts für den Vergleich sind mehr als grausam.
„Ja. Und jeder mit ein bisschen Grips sieht das genauso“, mischt Dad sich ein. Zurückhaltung war noch nie seine Stärke. „Und jetzt binde dir die gottverdammte Krawatte wieder um, Reid.“
Meine Kiefermuskeln machen förmlich Überstunden, während ich die obersten Knöpfe meines weißen Armani-Hemdes schließe und die dezente Hermes-Krawatte zu einem halben Windsorknoten binde. Spätestens mit dreißig werden meine Zähne bis zu den Wurzeln abgeschliffen sein.
Freunde fragen mich, warum ich meinen Dad nicht einfach abserviere. Ich bin neunzehn, ein Erwachsener in jedem juristischen Sinne (außer der Möglichkeit, legal Alkohol zu trinken, was ausgesprochen ärgerlich ist). Ich bin ein legitimierter Hollywoodstar mit einem Manager, einem PR-Berater – oder mittlerweile einer Beraterin, denn es kann sein, dass Larry von Dad gefeuert wurde, falls er in der letzten Woche nicht zügig die Werbeverträge unter Dach und Fach gebracht hat.
Das ist der Punkt. Mein Vater kümmert sich umalles. Er ist der Geschäftsführer meines Lebens, und ich bin nur ein Produkt. Er managt meine Karriere, mein Vermögen, meine juristischen Belange. Ich muss nichts weiter tun, als mich in der Öffentlichkeit zu zeigen, Filme zu drehen, auf Premieren aufzutauchen und gelegentliche gut bezahlte Werbeverträge zu erfüllen. Ich ertrage ihn ebenso wenig wie er mich, doch ich weiß, dass er mich nicht übers Ohr haut.
Mein Manager hat recht. Die Presse belagert die Stufen des Gerichts und wartet darauf, ein Statement von mir zu kriegen. Mit dem Verfassen hatte ich nichts zu tun. George hat mir die Stellungnahme gestern Abend gegeben, während Dad und mein Anwalt – an dessen Namen ich mich nicht erinnern kann, denn es ist mir völlig egal, welchen schleimigen Möchtegern-Juniorpartner aus seiner Firma mein Vater ausgewählt hat, um mich zu verteidigen – die Verhandlungsstrategie für heute Morgen besprochen haben. Jetzt ist es Zeit für meinen oscarreifen Auftritt voller Reue.
Wie geplant, lässt Dad sich hinter uns zurückfallen, währenddessen George und der J