Kapitel 1
Das Fest der Krähen
Es kämpfte mancher Highlandthan,
Und mancher tapf’re Krieger fiel,
Nicht nur sein Leben war vertan,
Auch Schottlands Kron’, dahin das Ziel.
– »Kommst du nicht zurück zu mir?«
Er war tot. Allerdings pochte es schmerzhaft in seiner Nase, was ihm unter den Umständen seltsam erschien. Er besaß zwar beträchtliches Vertrauen in die Einsicht und die Gnade seines Schöpfers, hegte aber gleichzeitig jenen Rest elementaren Schuldgefühls, der alle Menschen fürchten lässt, dass es eine Hölle gibt. Doch nach allem, was er über die Hölle gehört hatte, kam es ihm unwahrscheinlich vor, dass sich die Qualen, die auf ihre bedauernswerten Insassen warteten, auf eine gebrochene Nase beschränkten.
Andererseits konnte dies auch nicht der Himmel sein, und zwar aus mehreren Gründen. Erstens verdiente er das nicht. Zweitens sah es nicht danach aus. Und wenn schon die Strafe der Verdammten nicht aus einer gebrochenen Nase bestand, glaubte er erst recht nicht, dass eine solche zur Belohnung der Glückseligen zählte.
Er hatte sich zwar das Fegefeuer immer als grauen Ort vorgestellt, doch das schwache, rötliche Licht, das alles ringsum verbarg, schien ihm durchaus adäquat. Sein Kopf wurde jetzt ein wenig klarer, und sein Denkvermögen kehrte zurück, wenn auch langsam. Irgendjemand, so dachte er gereizt, musste ihn doch allmählich aufsuchen und ihm mitteilen, wie seine Strafe lautete, bis er genug gelitten hatte, um endlich gereinigt in Gottes Reich einzugehen. Er war sich nicht sicher, ob er einen Dämon oder einen Engel erwartete. Er wusste nicht, wie sich das Personal des Fegefeuers zusammensetzte; dieses Thema hatte der Schulmeister in seiner Kinderzeit nicht angesprochen.
Während er wartete, begann er mit seiner Bestandsaufnahme dessen, was ihm ansonsten an Qualen bevorstehen mochte. Er hatte überall Platzwunden und Prellungen, und er war sich hinreichend sicher, dass er sich den rechten Ringfinger erneut gebrochen hatte – dank des steifen Gelenks stand er ab und war nur schwer zu schützen. Doch das war alles nicht allzu schlimm. Was sonst?
Claire. Der Name durchbohrte sein Herz mit einem Schmerz, der ihn mehr peinigte als alles, was sein Körper je hatte durchstehen müssen.
Hätte er tatsächlich noch einen Körper gehabt, so war er sich sicher, dass sich dieser vor Agonie zusammengekrümmt hätte. Er hatte gewusst, dass es so kommen würde, als er sie in den Steinkreis zurückgeschickt hatte. Seelenqualen waren genau das, womit im Fegefeuer zu rechnen war, und so hatte er von Anfang an erwartet, dass der Trennungsschmerz seine hauptsächliche Bestrafung sein würde – hinreichend, so dachte er, um für alles zu büßen, was er je getan hatte, darunter auch Mord und Verrat.
Er wusste nicht, ob es einer Person im Fegefeuer gestattet war zu beten, doch er versuchte es dennoch.Herr, betete er,lass sie gerettet sein. Sie und das Kind. Er war sich sicher, dass sie es zum Steinkreis geschafft hatte; sie war ja erst zw