: Gabriele Ketterl
: Gefangene der Wildnis 1: Louisa Historischer Liebesroman
: Amrûn Verlag
: 9783958691834
: 1
: CHF 4.50
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 362
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Derbyshire, 1846 In den schillerndsten Farben malt die hübsche, verwöhnte Louisa Kedleston sich ihr Leben aus. Eine große, wahre Liebe, eine reiche Heirat, ein unbeschwertes Leben zwischen dem Stadtpalais in London und dem Familiensitz auf dem Land. Was jedoch, wenn der Vater sich verspekuliert, das Vermögen samt und sonders verloren ist und der angesehenen Familie der Absturz in die Armut droht? Opfer zu bringen hat Louisa nie gelernt. Sie will es auch nicht lernen. Voller Trotz und Zorn stemmt sie sich gegen eine, von ihrem Vater arrangierte, Zweckheirat und zwingt die Familie so dazu England zu verlassen, um ihr Glück in der Neuen Welt zu suchen. Louisa verabscheut Amerika und beschwört durch ihr Verhalten eine Katastrophe herauf, die sie beinahe das Leben kostet. Weitere Romane von Gabriele Ketterl: Gefangene der Wildnis Band 2 Highlands mit Hindernissen Wenn die Träume laufen lernen 1: IBIZA Wenn die Träume laufen lernen 2: LANZAROTE Wenn die Träume laufen lernen 2: LANZAROTE

Gabriele Ketterl wurde in München geboren, wo sie auch heute wieder mit ihrer Familie lebt. Sie studierte Amerikanistik und Theaterwissenschaften an der Ludwig Maximilians Universität, München. Inspiration für ihre Geschichten sammelte sie durch zahlreiche Auslandsaufenthalte (Los Angeles, London, Madrid, ...). Über zwei Jahre lebte sie auf den Kanarischen Inseln und mit dem Kurzroman 'Mitternachtsflut' gelang ihr 2012 eine romantische Liebeserklärung an ihre zweite Heimat Teneriffa. Sie veröffentlichte im März 2016 mit großem Erfolg den Romantic History Roman 'Gefangene der Wildnis' im Amrûn Verlag. Im März 2017 folgte nun, ebenfalls bei Amrûn, der ebenso humorvolle wie romantische Roman 'Highlands mit Hindernissen' der auf eine turbulente Reise durch das traumhafte Schottland entführt.

1.

Derbyshire, Mai 1846

Regen! Regen und graue Wolken, soweit das Auge reichte. Louisa wusste nicht, wann sie das letzte Mal einen ganzen Tag nur mit Sonne erlebt hatte. Das heftige Schaukeln der Kutsche auf den durchweichten Wegen machte es auch nicht besser. Mit schmerzenden Gliedmaßen versuchte Louisa, eine etwas bequemere Sitzposition zu finden. Ihr eng geschnürtes Reisekleid machte diesen Versuch von vornherein zunichte. Sie konnte ein leises Seufzen nicht unterdrücken.

»Louisa, Kind, was hast du denn? Ist dir nicht wohl? Soll ich die Kutsche anhalten lassen?«

»Nein, vielen Dank, liebe Tante. Meine Knochen schmerzen und ich kann kaum noch sitzen. Diese Kutschfahrten bei schlechtem Wetter sind unerträglich. Ich verstehe nicht, warum Vater nicht noch wenigstens einen Tag warten konnte. Was kann denn nur so unendlich wichtig sein, dass er mich so rasch aus London zurückruft?« Louisa sah ihr Gegenüber fragend an.

Tante Francis, die jüngere Schwester ihrer Mutter, lächelte nur nachsichtig. »Louisa, was auch immer dein Vater zu sagen hat, duldet keinen Aufschub. Die Depesche war klar und deutlich. Er forderte den sofortigen Abbruch deines Aufenthaltes bei uns. Ich bedauere dies sehr, du weißt, wie gerne ich dich bei uns habe.«

Erneut rumpelte die Kutsche durch eines der tiefen Schlammlöcher auf den matschigen Straßen. Um ein Haar wäre Louisa von ihrem Sitz geglitten. Im letzten Moment fing sie sich und setzte sich so weit wie möglich aufrecht und steif in die Ecke der nicht sehr weich gepolsterten Lederbank.

»Du musst keine Haltung bewahren, liebe Louisa. In dieser Kutsche musst du niemanden beeindrucken. Hier sind nur du und ich. Locker, Louisa, keine Anspannung. Nun komm schon, Kind, es wird dir guttun und dir die Reise erleichtern.«

Tante Francis lächelte ihr aufmunternd zu.

Nur zögerlich folgte Louisa ihrem Rat. Zu lange war sie dazu erzogen worden, sich gerade zu halten. Stolz und aufrecht! Dies hatte man ihr während der Jahre im Pensionat eingebläut.

Als hätte ihre Tante in ihren Gedanken gelesen, kam erneut der Rat: »Loslassen, Kind. Ich werde es niemandem erzählen.«

Louisa mochte es, wenn ihre Tante diese Wärme in der Stimme hatte. Sie liebte die hübsche, zierliche Frau mit den langen, dunklen Locken sehr. Tante Francis legte nicht denselben großen Wert auf Etikette und Schicklichkeit wie ihre Mutter. Ganz zu schweigen von ihrem Vater. Er hatte seine Töchter mehr als streng erzogen, immer darauf bedacht, dass sie ihren Platz in der Gesellschaft perfekt würden ausfüllen können.

Louisa ließ ihre Schultern langsam nach vorne sinken und atmete tief aus. Ihr Rücken bog sich ein wenig und entspannte sich zum ersten Mal, seit sie vor Stunden London verlassen hatten. Tatsächlich, es war eine Erleichterung. Ihr Körper passte sich dem Rumpeln und Schlingern der Kutsche nun viel besser an und sie wurde bei Weitem nicht mehr so durchgerüttelt.

Dankbar lächelte sie ihre Tante an. »Das tut nicht mehr so weh. Vielen Dank, Tante Francis.«

»Du musst mir nicht danken, Kind, ich gebe nur meine langjährige Erfahrung im Reisen mit der Kutsche weiter. Auch ich musste meine Lektionen lernen, mit blauen Flecken, Muskelschmerzen und einem gepeinigten Knochengerüst. Bleib so entspannt und der Rest der Reise wird viel besser verlaufen.«

Louisa lehnte sich zurück und versuchte, sich bestmöglich in ihre Ecke zu kuscheln. Der Ausblick war nicht besser geworden. Noch immer fiel Regen, zwar nicht mehr in Strömen, aber dennoch ohne Unterlass. Louisa war traurig und enttäuscht losgefahren. Sie hatte sich sehr auf die Bälle und Einladungen in London gefreut. Erst vor zwei Wochen war sie bei ihrer Tante eingetroffen. Das Stadtpalais der Kedlestons, der Zweitwohnsitz ihrer Familie, wurde gerade renoviert, also lebte sie im Haus ihrer Tante und ihres Onkels. Die Farandons liebten das fröhliche, bunte Treiben in London und Onkel Christian lebte gut von seiner Beteiligung an Handelsschiffen.