»Das wird dir nicht gefallen«, prophezeite Gloria von Lindbach, als ihr Mann am frühen Morgen die Tageszeitung vom Esstisch nahm.
Fürst Bernhard seufzte. Er ahnte, worauf seine Frau anspielte. Es verging kaum eine Woche, in der die ungestüme Tochter keine Schlagzeilen machte. Negativschlagzeilen!
Vorgewarnt faltete er die Zeitung auseinander, da sah er auch schon das große Foto der »Party-Prinzessin«, das auf der Titelseite prangte. Die Bildunterschrift lautete: »Hat Jessica von Lindbach endlich die Liebe ihres Lebens gefunden?«
Auf dem Bild tanzte die Prinzessin eng umschlungen mit einem nichtssagenden jungen Mann, den Fürst Bernhard noch nie zuvor gesehen hatte. Aber das war typisch für Jessica. Sie ließ keine Party aus, sondern war immer da zu finden, wo das Scheinwerferlicht war. Und mit Männern flirtete sie gern. Erst vor Kurzem hatte sie sich von ihrem Freund Ernesto getrennt. Fürst Bernhard war von diesem Ernesto nicht allzu begeistert gewesen, doch zumindest hatte der junge Mann etwas Ruhe in Jessicas Leben gebracht. Das war nun vorbei. Eine feste Bindung wollte sie offenbar nicht so schnell wieder eingehen.
Was hatten Fürstin Gloria und er nur falsch gemacht?
Jessica war auf ein Internat gegangen, sie hatte eine gute Erziehung genossen und wusste, wie man sich in Gesellschaft verhielt. Bis zu ihrem fünfzehnten Lebensjahr war sie förmlich eine Mustertochter gewesen. Aber dann war sie an die falschen Freunde geraten, die ihr Flausen in den Kopf gesetzt hatten. Partys, immer nur Partys – das war das Einzige, was seitdem in Jessicas Leben Bedeutung hatte.
Zum Glück hielten sich ihre Skandale in Grenzen. Sie trank nur selten Alkohol, und wenn, dann in Maßen. Auch hielt sie sich bei Interviews zurück und gab nur wenig von ihrem Privatleben preis. Lediglich ihr Auftreten in der Öffentlichkeit, besonders in der Partyszene, wurde in der Presse ausgewalzt. Das aber auch reichlich.
Es war offensichtlich, dass der goldene Käfig einer Prinzessin viel zu eng für sie war. Sie wollte etwas erleben, wogegen Fürst Bernhard nun wahrlich nichts einzuwenden hatte. Nur warum ging sie stattdessen nicht auf Reisen? Die Welt hatte viel zu bieten, und Fürst Bernhard hatte das nötige Kleingeld, um Jessica diese Träume zu erfüllen. Warum musste es stattdessen ausgerechnet das Nachtleben von München sein?
Zudem entwickelte Jessica seit Neuestem eine Affinität fürs Fernsehen. Talkshows, Quizshows, Reality Soaps – oft schien es dem Fürsten, als verkaufte sie sich dort absichtlich unter Wert, um einem bestimmten Typus zu entsprechen, der derzeit modern