: Diana Maria Prado Gaitán
: Ich hab' zwei Mamas
: Books on Demand
: 9783741246579
: 1
: CHF 11.70
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 160
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wenn man vor einem bunt zusammengewürfelten Haufen steht und weiß: man ist damit verheiratet, dann beginnen merkwürdige Dinge zu geschehen. Merk - würdig. Ich habe gelernt, dass ein anderer Mensch eine andere Welt ist. Er hat mir aus seiner Welt, aus seinem Leben, Geschenke mitgebracht. Zum Beispiel eine zweite Mama für mich. Aber auch ich habe viel zu geben: meinen Mut, der sich auf all das eingelassen hat. Mein Vertrauen, das mich wissen lässt, dass dies der richtige Weg ist. Meinen Schmerz und meine Freude, die meine Wandlung erst möglich gemacht haben. Und meine Dankbarkeit, die dieses Buch geschrieben hat.

Mein Mann ist ein guter Spiegel


Es passierte des öfteren, dass mein Mann weder bemerkte noch anerkannte, was ich tat. Er reagierte sogar eher abwertend auf manches. Ich hatte den Eindruck, er wollte mich belehren. Das ging so weit, dass ich mir Gedanken darüber machte, ob ich in einer Partnerschaft oder in einer Vater-Tochter-Beziehung lebte. Ich war unsicher. Ich traute mir nichts zu. Ich fühlte mich ständig kritisiert, abgelehnt, übersehen, wertlos, ungeliebt und eine Menge mehr. Wir kennen das.

Erst vor kurzem hatte ich die großartige Erkenntnis, was es damit auf sich hatte: Mein Mann zeigt mir mein Innerstes. Prompt und zuverlässig. Er reagiert unmittelbar auf meine Gedanken über mich selbst. Wenn ich mit Schuldgefühlen nach Hause komme, ist er verärgert über mein langes Wegbleiben. Wenn ich das, was ich mache als nicht wertvoll oder nicht erwähnenswert empfinde, hat er den Eindruck, ich würde nichts „Richtiges“ oder nicht genug tun. Wenn ich mich selbst nicht wahrnehme, bemerkt er oft nicht, wie ich mich fühle. Wenn ich keine Zeit mit mir alleine verbringen mag, hat mein Mann nicht das Bedürfnis, mit mir zusammen Zeit zu verbringen. Wenn ich mich – aus Angst oder Unsicherheit – von ihm abhängig mache, lässt er mich alleine.

Dann bewältige ich die Situation ohne ihn. Das zeigt mir, das ich es kann. Es macht mir Mut. Es verhilft mir zu Erfolgserlebnissen. Er verkriecht sich so lange vor mir in seine eigene Welt, bis ich erkannt und gelernt habe. Er möchte, dass ich ich selbst bin. Er schafft es, so viel Liebe für mich zu empfinden, dass er mir alles zeigt, was mich auf meinem Weg zur Authentizität weiterbringt. Er wünscht sich, dass ich „mich“ lebe.

Ich muss keine klugen Bücher lesen und keine Therapeuten besuchen. Ich habe einen Partner an meiner Seite, der mir immer sofort zeigt, was in mir vorgeht. Falls ich es mal nicht bemerken sollte, wird er so lange deutlicher, bis ich es verstanden habe.

Ich erkenne gerade, was für ein großartiges Geschenk er für mich ist. Mein persönlicher, sprechender Spiegel. All das, was ich vorher als so schrecklich, traurig und negativ empfunden habe, verwandelt sich gerade in Dankbarkeit. Ich muss nichts davon ablehnen. Weder ihn noch mich. Ich darf es umarmen und als Wegweiser annehmen. Ich habe noch einiges zu üben.

Zum Glück hilft mir mein Mann dabei. Geduldig beschwert er sich weiterhin über alles, von dem ich meine, es nicht gut genug gemacht zu haben. Er zeigt mir, wie streng ich mit mir bin, wie ausgeprägt mein Kontrollbedürfnis ist. Manchmal kommt er auf mich zu für eine Umarmung oder ein Gespräch. Dann weiß ich, dass es mir gelungen ist, mich zu lieben.

Mit deinen Augen sehen


Wenn ich uns so beobachte, komme ich zu dem Schluss, dass ich meinem Mann die Themen und Eigenschaften vo