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Am selben Abend…
23 Uhr. Wer um diese Zeit das„Zero“ in der Schillerstraße betrat, suchte nach einem Gewinn am Spieltisch. Ich suchte nach einem Verbrecher. Sein Name war Simon Zapatka. Ein Mann Anfang dreißig, genau wie ich. Damit endeten die Gemeinsamkeiten. Alle nannten ihn„Zappa“, weil er dem Rockmusiker Frank Zappaähnlich sah. Dunkle Locken bis zu den Schultern, hageres Gesicht, dichter Schnauzbart. Zappa war in vielen Branchen tätig. Drogenhandel, Prostitution, Glücksspiel. Auf sein Konto gingen vermutlich mehr als ein halbes Dutzend Morde. Auch Klaus Budens, mein Partner, zählte zu seinen Opfern. Doch man hatte Zappa nie etwas Stichhaltiges nachweisen können. Bis heute.
Ein stämmiger Empfangschef begrüßte mich. Ich erklärte ihm, warum ich gekommen war. Er wollte meinen Dienstausweis sehen. Ich zog ihn aus der Innentasche meines Anzugs. Laut und falsch las er meinen Namen ab.„JoachimPlatof?“
„Platow. Gesprochen Plato“, korrigierte ich.„Dasw ist stumm. Wie in Pankow.“
„Pankow… verstehe. Kommen Sie aus der Ost-Zone?“
Die Frage hatte ich schon hundertfach gehört. Pflichtschuldig erwiderte ich sein Lächeln.„Nein, ich bin ein waschechter Frankfurter Kommissar. Würden Sie jetzt so freundlich sein, mich zu Zappa zu führen?“
„Ein Herr mit diesem Namen ist mir nicht bekannt.“
„Natürlich nicht. Genauso wenig betreiben Sie illegale Spielchen in Ihrem Hinterzimmer.“ Ich lächelte noch immer.„Lassen wir doch das Versteckspiel, okay? Wir wissen aus gut informierter Quelle, dass er heute Abend hier ist. Bringen Sie mich zu ihm. Dann lasse ich Ihr hübsches Etablissement vielleicht nicht sofort schließen.“
Der Concierge grunzte mürrisch, bevor er mich durch den verrauchten Salon lotste. Wir gingen an Kartentischen und Spielautomaten entlang. Die Einarmigen Banditen waren nicht die einzigen anwesenden Ganoven. Aus den Visagen etlicher Spieler blickte mir geballte Zuchthauserfahrung entgegen. Das„Zero“ war der Treffpunkt der Unterwelt. Hier versammelte sich, wer in Marseille schon abkassiert hatte, in Neapel auf der Fahndungsliste stand und der israelischen Polizei entkommen war. Auch Zappa stammte aus Jerusalem. Ein Einwanderer, der im Frankfurter Westend hängen geblieben war. Dort hatte er sich zunächst in der Szene der Immobilienspekulanten getummelt. Der Rauschgifthändler prahlte gerne mit seinen Beziehungen zu den einflussreichen Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde. Aber die würden ihm jetzt auch nichts mehr nutzen.
Ich lief hinter dem Empfangschef. Wir gingen an den Toiletten vorbei in einen rechtwinkligen Gang. Vor einer Schiebetür blieb mein Begleiter stehen und klopfte zweimal. Ein Kerl mit der Figur eines Ringersöffnete.
„Polizei“, sagte der Concierge kurz angebunden. Der Andere nickte. Ich betrat das Hinterzimmer. Unser Informant hatte den Raum treffend beschrieben. Kahl wie ein Bunker, fahles Licht, fensterlos. An der linken Seite befand sich eine Tür mit der Aufschrift Notausgang. Zappa saß an einem mit grünem Tuch beschlagenen Tisch. Neben ihm lümmelten ein schielender Lockenkopf und ein vollbärtiger Schlägertyp. Sie hielten Karten in den Händen und schauten s