1. KAPITEL
„Ich habe Michael schon immer geliebt“, flüsterte Bailey Dixon, als sie im Schlafzimmer vor dem Spiegel stand und sich von Kopf bis Fuß betrachtete.
Ihm direkt konnte sie das nicht sagen, denn Michael liebte sie nicht. Er wäre aus allen Wolken gefallen, wenn sie zur Nachbarranch gefahren wäre und ihn mit dieser Wahrheit überfallen hätte.
Michael, es ist an der Zeit, dass wir unsere Affäre mit einem Verlobungsring offiziell machen?
Michael Wade mochte weder Ringe noch feste Beziehungen. Als attraktiver, wohlhabender Junggeselle wäre er für jede unverheiratete Frau in Fallen in Texas ein guter Fang gewesen. Und Michael Wade ließ sich nicht einfangen.
Bailey hatte riesige Angst davor, ihn zu verschrecken. Seit sechs Monaten lebte sie jetzt schon im Paradies auf Erden – in Michaels Armen, nachts. Die Affäre hatte fast zufällig begonnen, als er sich ein Fußgelenk gebrochen hatte. Da ihr klar gewesen war, dass ihr Nachbar so gut wie keine Lebensmittel vorrätig hatte, war sie mit einem Braten und etwas Suppe zu ihm gegangen. Ganz unauffällig hatte sie sich in sein Leben geschlichen und wollte den wilden Cowboy unbedingt zähmen.
Sie fragte sich nur: Kann ich es auch?
Michael Wade wusste, dass er als Einzelgänger galt und ihm seine Persönlichkeit eher wenig Freunde einbrachte. Er arbeitete hart, ging selten aus und interessierte sich nicht dafür, mit den anderen unverheirateten Männern aus Fallen durch die Bars zu ziehen. Trinken und Feiern waren nicht sein Ding – nicht nach einem langen Tag auf der Ranch, die seit dem Tod seines Vaters ihm gehörte.
Seine Mutter war schon lange davor verschwunden, weil sie es nicht mehr ertragen hatte, dass ihr Ehemann unter seiner unerwiderten Liebe zu Polly Dixon von nebenan litt. Jedenfalls hatte Michael das von einem Mitschüler der Highschool gehört. Michael hatte der Auszug seiner Mutter sehr weh getan, mittlerweile dachte er selten daran. Er genoss seine Freiheit und legte auf Frauen allgemein keinen besonderen Wert.
Nicht einmal auf Bailey Dixon, die immer diesen sanften, hoffnungsvollen Blick bekam, wenn er sie in sein Bett zog. Vielleicht verhielt er sich nicht wie ein Gentleman, weil er mit ihr schlief, ohne mehr als körperliches Vergnügen zu wollen. Vielleicht sollte er sie zum Rückwärtsgang auffordern, wenn sie das nächste Mal bei ihm auf der Ranch vorbeikam.
Das Problem war, dass er ungern auf ihr keckes Lächeln verzichten wollte. Und auf ihren zierlichen, aber kurvenreichen Körper. Ihm gefiel, dass sie nichts von ihm verlangte. Das erleichterte es ihm, sein durchaus vorhandenes schlechtes Gewissen zu ignorieren. Manchmal fragte er sich nämlich, ob er seinem unsensiblen Vater nicht doch recht ähnlich war in seiner Leidenschaft für Frauen der Familie Dixon.
Außerdem ärgerte ihn an diesem kalten Februartag, dass er mehr als einmal an Bailey dachte. Vielleicht sogar insgesamt zwanzigmal. Er ertappte sich dabei, wie er zu ihrem windschiefen viktorianischen Haus hinüberschaute und sich fragte, was sie wohl gerade tat.
Jetzt war sie seit zwei Wochen nicht mehr bei ihm gewesen, und er war versucht, sie einfach anzurufen und zu fragen, wo zum Teufel sie abblieb.
Aber irgendetwas sagte ihm, dass das keine besonders charmante Einladung ergeben würde. Noch nie hatte er