: Elaine Winter
: Ein Croissant für zwei Digital Edition
: Cora Verlag
: 9783733786427
: Digital Edition
: 1
: CHF 2.20
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 128
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Dieser Mann sieht zwar wahnsinnig gut aus, macht aber nur Ärger! Das denkt zumindest Miriam, die Erik jeden Morgen beim Bäcker trifft. Ständig schnappt er ihr das letzte Croissant vor der Nase weg. Und nun soll ausgerechnet er bei einem Werbespot ihren Ehemann spielen ..



Elaine Winter wurde in Hannover geboren und studierte Anglistik und Germanistik, nachdem sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert hatte. Von frühster Kindheit an hätte sie, vor die Wahl gestellt, eine Geschichte jeder Süßigkeit vorgezogen. Bevor sie ihre Leidenschaft fürs Schreiben und Übersetzen zum Beruf machte, war sie im Kunsthandel, im Verlag und in der Werbung tätig

2. KAPITEL

ERIK

Ich glaubte nicht an Liebe auf den ersten Blick.

Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragte, pflegte ich etwas vor mich hinzumurmeln, dem der Fragesteller je nach Fantasie alles entnehmen konnte, was es an ehrbaren Berufen zwischen Steuerberater und Anwalt gab. Gleichzeitig sah ich den Neugierigen so streng an, dass er in der Regel nicht wagte, nachzufragen. Tat er es dennoch, benahm ich mich, als unterläge meine Tätigkeit strengster Geheimhaltung, als wäre ich mindestens Doppelagent oder etwas in der Art, sodass jeder, der Näheres in Erfahrung brächte, anschließend erschossen werden müsste. Dieses Verhalten, in dem ich es nach jahrelanger Übung zu einer gewissen Meisterschaft gebracht hatte, ließ in der Regel auch die wissbegierigsten meiner Bekannten verstummen.

Dass ich unter dem Pseudonym Tom Forster ziemlich erfolgreich blutrünstige Kriminalromane schrieb, sagte ich nach einigen finsteren Erfahrungen nur Menschen, bei denen ich mir sicher war, dass sie starke Nerven hatten. Und ich verriet es niemals Frauen, an denen ich ernsthaft interessiert war. Manchmal verfolgte mich der Albtraum, ich würde eines Tages die Liebe meines Lebens finden, würde sie heiraten – und nach fünf oder sechs Jahren einer zauberhaften Ehe fand sie durch Zufall heraus, womit ich mein Geld verdiente, um mich gleich darauf mit unseren beiden wunderbaren Kindern zu verlassen. Natürlich hoffte ich, dass ich durch einen Glücksfall eine Frau finden würde, der ich noch vor der Hochzeit die Wahrheit würde verraten können, ohne dass sie mit einem Messer auf mich losging oder vor Schreck nach Neuseeland floh, allerdings hatten mich meine bisherigen 33 Lebensjahre gelehrt, dass Hoffnungen oft trogen, warum also nicht auch diese?

Vorerst jedenfalls murmelte ich vor mich hin, anstatt meinen Beruf zu verraten, und wenn es gar nicht anders ging, behauptete ich, ich machte „etwas mit Steuern“. Was durchaus der Wahrheit entsprach, denn ich zahlte jede Menge Steuern.

Durch diese kleine Finte vermied ich jedenfalls, noch einmal mitten in der Nacht aus dem Schlaf zu schrecken und entsetzt festzustellen, dass mir die zierliche Schwarzhaarige, die sich entschlossen hatte, in dieser Nacht ihr Bett mit mir zu teilen, ein Messer an die Kehle hielt und mich kreischend aufforderte, auf der Stelle ihre Wohnung zu verlassen.

Als diese Geschichte passierte, feierte ich meine ersten, noch ziemlich bescheidenen Erfolge als Tom Forster, und wenn mich jemand fragte, erzählte ich nur zu bereitwillig von meinem Beruf. Mit dem Ergebnis, dass jede Frau, die mich kennenlernte, als Erstes eines meiner Bücher las – und mich fortan für ein Monster hielt. Wer grausige Morde beschrieb, musste in ihrer Vorstellung mindesten