1. KAPITEL
„Happy Birthday, Schätzchen!“ Vielstimmig schallten die Glückwünsche durch den Raum. Eine der Gratulantinnen fügte hinzu: „Der wievielte ist es denn nun wirklich – der zweiunddreißigste?“
Amüsiert betrachtete Treena McCall ihre Kolleginnen an den kleinen Tischen, die sie zusammengeschoben hatten, damit auch jede einen Platz bekam.
„Der dreißigste“, korrigierte sie sanft, obwohl es tatsächlich der fünfunddreißigste war. Doch die Zahl wollte sie lieber so schnell wie möglich vergessen, was angesichts einer Muskelzerrung in der linken Wade, die sie sich bei einem einfachen High Kick im Finale zugezogen hatte, nicht ganz einfach war.
Die Freundinnen johlten spöttisch. „Aber sicher“, meinte eine von ihnen mit liebevollem Sarkasmus. Juney ging noch ein bisschen weiter: „Und wie viele dreißigste Geburtstage hast du schon gefeiert?“, fragte sie mit zuckersüßer Stimme.
„Also, wenn ihr jetzt anfangt, kleinlich zu werden ...“ Treenas Lächeln wurde breiter. „Um die Wahrheit zu sagen: Ich habe die Einer gestrichen und zähle jetzt nach dem Alphabet. Danach müsste ich jetzt dreißig und E sein. Aber ich sag dir was, Juney – wenn du darauf verzichtest, das Thema weiter zu vertiefen, werde ich es bei deinem nächsten Geburtstag auch nicht zur Sprache bringen.“
„Abgemacht.“
Am anderen Ende des Tisches beugte sich Julie-Ann Spencer nach vorn. „Auf jeden Fall wirst du in Zukunft wohl nicht mehr in der ,Crazy Horse’-Show im ,La Femme’ mitmachen, nehme ich an.“
Augenblicklich wurde es still in der Runde, denn alle wussten, dass Julie-Anns Bemerkung, wie mitfühlend sie auch geklungen haben mochte, ganz und gar nicht freundlich gemeint war.
„Miststück“, murmelte Carly neben Treena. Dann fuhr sie mit lauter Stimme fort: „Sitzt, abgesehen von dir, Julie-Ann, sonst noch jemand unter fünfundzwanzig am Tisch?“ Fröhliche Pfiffe und Buhrufe waren die Antwort. Carly warf der jungen Frau einen verärgerten Blick zu. „Dann dürfte wohl keine außer dir vorwitzigem Jungspund für das ,Crazy Horse’ in Frage kommen.“
„Das ist ein herber Verlust für ,La Femme“‘, meinte Eve.
„Die Dummköpfe wissen nicht, was ihnen entgeht“, pflichtete Michelle ihr bei.
Falls Julie-Ann beabsichtigt hatte, Treena die Stimmung zu verderben, durfte sie zufrieden sein. Denn nicht nur, dass Treena niemals im „Crazy Horse“ auftreten würde – sie konnte schon von Glück sagen, wenn sie in zwei Wochen das obligatorische jährliche Vortanzen erfolgreich hinter sich brachte, um ihren Job zu behalten. Wie befürchtet, musste sie die elf Monate, die sie wegen Big Jim mit der Show ausgesetzt hatte, jetzt teuer bezahlen. Nach der Hochzeit hatte sich sein Gesundheitszustand so rapide verschlechtert, dass sie nur hin und wieder Tanzstunden nehmen konnte. Natürlich reichte dieses unregelmäßige Training bei Weitem nicht aus, um in Form zu bleiben und den Anforderungen an ein Showgirl in Las Vegas gerecht zu werden. Innerhalb eines knappen Jahrs war sie vom Dance Captain auf die Position eines Chorusgirls gerutscht. Fünfunddreißig mochte für die meisten Frauen die beste Zeit ihres Lebens sein, aber eine Tänzerin hatte in diesem Alter ihren Zenit längst überschritten. Von nun an würde es beruflich nur noch bergab gehen, und das waren ziemlich düstere Aussichten.
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