1. KAPITEL
Andreo Pascali verwünschte den Tag, an dem die supertüchtige Mrs. Knox in den Ruhestand getreten und zu ihrer kürzlich verwitweten Schwester nach Kent gezogen war. Ärgerlich überflog er das letzte Bewerbungsschreiben und schob es gereizt beiseite.
„Nicht gerade sehr aussagekräftig.“ Er warf seiner derzeitigen Geliebten Trisha einen missmutigen Blick zu. Sie ahnte zwar noch nichts, aber für ihn war sie bereits Vergangenheit. Denn obwohl er ihr seine Spielregeln von Anfang an unmissverständlich klargemacht hatte, war sie in letzter Zeit sehr anhänglich und besitzergreifend geworden und hatte seine Toleranzgrenze weit überschritten.
Der gestrige Abend war das beste Beispiel dafür gewesen. Andreo war von seiner Werbeagentur nach Hause gekommen, um dort weiter über der Idee für einen TV-Werbespot zu brüten. Irgendwie musste er einen genialen Einfall aus dem Hut zaubern. Etwas, das den unverwechselbaren Pascali-Qualitätsstempel trug, der das angepriesene Produkt garantiert zu einem Verkaufsschlager machen würde. Dass es dabei um etwas so Banales wie eine neue Serie Fertiggerichte ging, erleichterte ihm die Aufgabe nicht gerade.
Dementsprechend hatte es ihn ziemlich genervt, bei seiner Rückkehr Trisha vorzufinden. Sie war nicht nur unangemeldet hereingeschneit, sondern hatte ihm auch noch ein Essen vom Chinesen serviert, das sie offensichtlich seit Stunden im Ofen warm gehalten hatte. Sie hatte sich das Haar zu einem modischen Wuschelkopf frisiert und die Lippen zu einem Schmollmund verzogen, woraufhin sich Andreo verwundert gefragt hatte, ob er sie wirklich einmal amüsant und sexy gefunden hatte.
„Du brauchst dringend eine Ehefrau“, hatte sie ihm allen Ernstes mitgeteilt. „Dann musst du deine kostbare Zeit auch nicht mit diesen langweiligen Vorstellungsgesprächen verschwenden.“
Als er daran dachte, verfinsterte sich Andreos Miene. Mittlerweile sollte Trisha wirklich begriffen haben, dass er nicht das geringste Bedürfnis nach einer Ehefrau hatte. Ihm fehlte lediglich eine tüchtige, unaufdringliche Haushälterin. Doch zurzeit sah es nicht so aus, als würde er je eine finden.
Bei der Erinnerung an die erste Kandidatin, die sich vorgestellt hatte, schauderte es ihn. In ihrer Bewerbung hatte sie ihr Alter mit fünfzig angegeben, doch sie musste mindestens achtzig gewesen sein. Außerdem hatte sie sich geradezu manisch exaltiert verhalten. Nach knapp zehn Minuten hatte Andreo ihr ein Taxi bestellt und sie hinauskomplimentiert. Sie hatte dem Fahrer die Adresse eines Altersheims in der Nähe genannt und Andreo beim Wegfahren begeistert zugewinkt.
„Okay, die erste Bewerberin war ungeeignet“, gab er zu. „Aber ich wüsste nicht, was gegen die beiden anderen spricht.“ Von einem plötzlichen Bewegungsdrang getrieben, sprang er vom Stuhl auf und begann, mit großen Schritten sein Arbeitszimmer zu durchqueren. „Beide sind bestens qualifiziert und verfügen über erstklassige Referenzen. Was, zum Teufel, hast du also gegen sie einzuwenden?“
„Schon gut, Darling.“ Trisha lächelte versöhnlich. „Ich wollte dir lediglich meinen Rat und meine Hilfe anbieten. Schließlich hast du selbst gesagt, dass du keine Zeit für Haushaltsangelegenheiten erübrigen kannst. Die beiden letzten Bewerberinnen würden meiner Ansicht nach beide nicht lange bleiben. Erfahrungsgemäß kündigen so junge Frauen nach wenigen Wochen, weil sie sich verliebt haben und heiraten wollen. Besonders wenn sie so hübsch und aufgeweckt sind. Nein, du brauchst eine gesetzte Dame mittleren Alters.“ Sie lächelte ihm aufmunternd zu. „Vielleicht klappt es ja mit der letzten Kandidatin. Wir haben übrigens keine Einzelheiten zu ihrer Person, weil sie sich nicht schriftlich beworben, sondern erst gestern Nachmittag telefonisch um ein Vorstellungsgespräch gebeten hat.“ Und dabei ziemlich herrisch geklungen, ergänzte Trisha im Stillen, wohl wissend, dass Andreo rechthaberische Frauen überhaupt nicht sexy fand.
Die ist goldrichtig!, war es Trisha durch den Kopf gegangen, als sie Mercy Howard vorhin ins Empfangszimmer geführt hatte. Ein weiterer prüfender Blick beim Hinausbegleiten der dritten Bewerberin hatte ihren ersten Eindruck bestätigt.
Gerade zweiundzwanzig Jahre alt, konnte Mercy Howard zwar nicht als ‚Dame mittleren Alters‘ gelten, aber mit ihrem reizlosen Outfit und der rundlichen Figur stellte sie keine Gefahr für Trisha dar. Ein Pluspunkt, denn Trisha war Andreos schwindendes Interesse nicht entgangen. Eine potenzielle Rivalin unter seinem Dach hätte ihr gerade noch gefehlt!
Von Anfang an hatte Andreo betont, dass er keine langfristige Beziehung wolle und noch weniger eine Ehe. Trisha hatte sich aus taktischen Gründen darauf eingelassen. Insgeheim war sie jedoch davon überzeugt, dass er mit der Zeit seine Meinung ändern und in ihr die ideale Ehefrau erkennen würde. Dann würde endlich ihr Traum von einem sorglosen Luxusleben in Erfüllung gehen.
Bis dahin musste sie allerdings dafür sorgen, dass sie ihn fest an der Angel behielt. Denn die Frau m