2. Kapitel – Kalle
Das hier muss echt das Paradies sein!
Unsere neue Wohnung ist riesengroß. Es gibt mindestens vier Zimmer! Und einen Garten direkt am Wohnzimmer dran. Man muss keine einzige Stufe steigen, um reinzukommen!
Mein Mads und ich, wir hätten es wirklich nicht besser treffen können!
Die supernette Linna hab ich ja schon ’ne kleine Weile gekannt. Sie ist absolute Spitze – da sind Mads und ich uns einig. Schon allein, wie sie uns anlacht! Und immer hat sie einen leckeren Happen für mich in der Tasche – ein Traum von einer Zweibeinerin! Aber als wäre das allein nicht schon genug, um einen Kusselkopp nach dem anderen zu schlagen, hat sie auch noch so’n hammercoolen Typen bei sich wohnen: Kasimir! Der ist das Beste an unserem neuen Zuhause.
Kasimir weiß überall voll Bescheid. Kennt jeden Winkel im Garten und in der Wohnung. Und dann diese Nummer mit seinem Schwanz! Au Mann, ich sach ma, ich werde echt viel üben müssen, bis ich das so gut hinbekomme. Fürs Üben muss ich vorher natürlich Kräfte sammeln. Und da kommt auch wieder Kasimir ins Spiel, denn das Allergrößte an ihm ist: Er kann gigantisch hoch springen. Zum Beispiel auf den Küchenschrank. Das ist genau die Höhe, auf der die Keksdose und jede Menge herrlicher Schweinereien stehen.
Bestimmt werden wir ’n super Team! Und deswegen ist das hier echt das Paradies.
Dabei hab ich es früher auch nicht schlecht gehabt. Hab bei Opa Schulze gelebt, in ’ner kleinen Wohnung in ’nem Häuserblock, um den man in weniger als fünfzehn Minuten rumlaufen konnte – super! Anschließend gab es immer ’n Leberwurstbrot für uns beide. Und wenn das Wetter schön war, waren wir im Schrebergarten über die Straße. Ich durfte neben den Beeten in der Sonne liegen, und immer wenn Willi vom Garten gegenüber oder Elsbeth von der Würstchenbude vorbeikamen, ging voll die Gaudi ab.
Willi hat mir ’n Haufen toller Tricks beigebracht. Und jedes Mal gab’s ein Leckerchen dafür. Bei Elsbeth hab ich dann gelernt, hungrig zu gucken. In so ’ner Würstchenbude gibt’s nämlich jede Menge Reste. Gerade richtig für den kleinen schwarzen Kumpel vom Opa Schulze!
Aber dann … Tja, weiß gar nicht genau, was passiert ist an diesem einen Tag im Schrebergarten. Da ist Opa Schulze nämlich plötzlich umgefallen, mitten in die Möhren. Und es gab ’ne riesige Aufregung mit großen Autos, bunten Lichtern und haufenweise fremden Zweibeinern.
Schließlich fuhren die Autos wieder ab. Opa Schulze haben sie mitgenommen, und am Ende standen nur noch wir drei da: Willi, Elsbeth und ich.
Die beiden sahen erst mich und dann einander an.
»Was machen wir denn jetzt mit Kalle?«, fragte Elsbeth ratlos. Ich war etwas verwirrt. Machen? Mit mir machen? Wie jetzt?
»Ich kann ihn nicht nehmen«, sagte Willi da. »Ich arbeite unter der Woche, und in meiner Wohnung sind keine Haustiere erlaubt. Kann ihn ja nicht den ganzen Tag hier im Schrebergartenschuppen lassen.«
Elsbeth seufzte. »Na, und ich kann ihn doch auch nicht mit in meinen Imbiss nehmen. Da steigt mir das Gesundheitsamt aufs Dach.«
Wieder sahen sie sich lange an.
»Also … dann … machen wir es gemeinsam?«, fragte Willi schließlich. Elsbeth nickte.
Zusammen fuhren wir in Willis Auto zu ’nem großen Gelände. Hinter einem hohen Zaun hörte ich ’ne Menge Hunde bellen.
»Ähm … hört mal«, sagte ich zu Willi und Elsbeth. Klar weiß ich, dass Zweibeiner uns eigentlich nicht verstehen. Aber manchmal kann ich es nicht lassen, es doch mal zu versuchen. In Ausnahmesituationen. Und das war definitiv eine Ausnahmesituation. »Hört mal,