Es war ein sonniger Spätherbstmorgen. Während im Tal von Rötern am Inn noch der Nebel lag, schickte die Sonne im weiter oben gelegenen Teil des Dorfes ihre Strahlen ungehindert zur Erde. Der Berg-Hof der Familie Burger badete im hellen Morgenlicht, die umgebenden Felder und Weiden glitzerten vom Tau der Nacht. Das große Anwesen beherbergte zu beiden Seiten des Haupthauses Ställe, Scheunen, ein Gesindehaus und einen Wirtschaftstrakt mit einer Remise für die Maschinen.
Alles war gut in Schuss; man sah, dass hier fleißig gewirtschaftet wurde. Und das bereits seit Generationen. Die schöne Lüftlmalerei neben und über der Haustür sprach ebenso von Wohlstand wie die reich beschnitzten Geländer der umlaufenden Holzbalkone. Jetzt, zum Ende der dritten Jahreszeit, blühte Heidekraut in den Kästen vor den Fenstern. Und im Haus regte sich schon fleißig das Leben.
Während die etwas in die Jahre gekommene Haushälterin Rosa das Frühstück bereitete und Evi, die Küchenhilfe, ihr dabei zur Hand ging, hielten sich Alois Burger und seine beiden Söhne Lukas und Florian im Stall auf. Im Wirtschaftshof stand der Geländewagen des Tierarztes. Eine Kuh, die zum ersten Mal kalben sollte, hatte große Schwierigkeiten. Dr. Schmidthöfer hatte Stunden damit verbracht, das Kalb aus der Steißlage zu befreien. Und nun legte er zusammen mit Lukas letzte Hand am Kälberstrick an.
Alois beobachtete das Ganze mit verschlossener Miene. Der Altbauer war ein harter, unfreundlicher Zeitgenosse. Keiner konnte mit ihm auskommen, weil er das einfach nicht zuließ. Er hatte sich zum Eigenbrötler und Miesepeter entwickelt.
Freilich war das nicht immer so gewesen. In jungen Jahren war der fesche Lois, wie er von allen genannt worden war, ein Mädchenschwarm gewesen, beim Flirten und Fensterln der Erste und stets umschwärmt von den hübschesten Madeln im Tal.
Schließlich hatte er sich auf das Drängen seines Vaters hin für eine entscheiden müssen, denn der Berg-Hof brauchte schließlich auch eine Jungbäuerin. Seine Wahl war damals auf Christel Wanninger gefallen, das schönste Madel im Tal, von den Burschen ebenso umschwärmt wie Alois von den Dirndln. Die beiden galten als Traumpaar. Und als sie zusammen vor den Altar traten, zerbrach manch heimlicher Traum.
Für Christel und Alois aber schien sich das ganz große Glück zu erfüllen. Wie eine Königin hielt die schöne Wanninger-Tochter Einzug auf dem Berg-Hof. Alois liebte und verwöhnte seine Frau nach Strich und Faden.
Christel legte ihm zwei stramme Buben in die Wiege, die ihr Glück eigentlich perfekt gemacht hätten. Wenn der Berg-Bauer sich nicht schleichend verändert hätte. Er entwickelte eine tiefsitzende Eifersucht, die sich bald gegen jeden Burschen in Christels Nähe richtete. Er fing an, seine Frau zu kontrollieren, sie