: Paolo Bacigalupi
: Water - Der Kampf beginnt Thriller
: Karl Blessing Verlag
: 9783641187651
: 1
: CHF 2.70
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 464
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Wasser wird knapp: ein düsterer, actiongeladener Blick auf die Apokalypse

Der US-amerikanische Südwesten kämpft erbittert um die letzten Wasserreserven und die Rechte am Colorado River. Das Gebiet wird von heftigen Sandstürmen heimgesucht, ganze Millionenstädte verelenden. Wer es sich leisten kann, wohnt in luxuriösen Arkologien, jeder andere ist Hitze, Staub und Nahrungsknappheit ausgesetzt. Kriminalität und Korruption greifen um sich. Angel Velasquez gehört zu einem Spezialeinsatzkommando der Wasserbehörde von Nevada, das die Reservoirs des Bundesstaates verteidigt und notfalls auch mit illegalen Methoden erweitert.

Als das Gerücht aufkommt, dass in Phoenix eine neue Wasserquelle aufgetaucht ist, wird er dort hingeschickt, um zu ermitteln. Dabei trifft er die Journalistin Lucy Monroe, die der Quelle ebenfalls auf der Spur ist. Die beiden werden in einen Strudel aus Verrat und Gewalt hineingezogen, und Angel steht plötzlich im Fadenkreuz seiner eigenen Leute.

Paolo Bacigalupi ist bereits als Kurzgeschichtenautor in Erscheinung getreten, bevor er mit »Biokrieg«seinen ersten Roman veröffentlichte, der vomTime Magazinein die Top Ten der zehn besten Romane des Jahres aufgenommen wurde und zum internationalen Bestseller avancierte. Der Autor lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in West Colorado.

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Es gab Geschichten, die der Schweiß erzählte.

Der Schweiß einer Frau, die in sengender Sonne gebückt vierzehn Stunden auf einem Zwiebelfeld arbeitete, war anders als der Schweiß eines Mannes, der sich einem Checkpoint in Mexiko näherte und La Santa Muerte anflehte, diefederales mögen nicht auf der Lohnliste der Leute stehen, vor denen er floh. Der Schweiß eines zehnjährigen Jungen, der in den Lauf einerSIG Sauer blickte, war anders als der Schweiß einer Frau, die sich durch die Wüste schleppte und die Jungfrau Maria anflehte, das Wasserversteck möge sich genau an der Stelle befinden, wo es auf der Karte des Schleppers – des Kojoten – eingezeichnet war.

Der Schweiß erzählte die Geschichte eines Körpers: Er verdichtete sich zu Perlen auf der Stirn, besudelte Hemden mit salzigen Flecken. Er verriet, wie die Menschen zur falschen Zeit am falschen Ort gelandet waren und ob sie den nächsten Tag noch überleben würden.

Angel Velasquez stand hoch über der zentralen Bohrstelle von Cypress 1 und beobachtete Charles Braxton, der mit schwerfälligen Schritten den Cascade Trail heraufkam. Der Schweiß auf der Stirn eines Anwalts verriet Angel, dass manche Menschen nicht annähernd so wichtig waren, wie sie sich einbildeten.

Braxton konnte in sein Anwaltsbüro marschieren und seine Sekretärinnen anschnauzen. Er konnte wie ein Axtmörder auf der Suche nach neuen Opfern durch die Gerichtssäle stolzieren. Aber egal, wie wichtig er sich nahm, letzten Endes gehörte er Catherine Case – und wenn Catherine Case etwas schnell erledigt haben wollte, dann lief man nicht einfach los,pendejo, man lief, bis einem das Herz stehen blieb, bis man keinen einzigen Schritt mehr tun konnte.

Braxton duckte sich unter Farnkrautbüschen hindurch und stolperte an den Schlingwurzeln von Banyanbäumen vorbei, folgte dem Weg, der um die kühle Bohrstelle herum langsam anstieg. Vor den ineinander übergehenden Wasserfällen und hängenden Gärten, die sich über die Ebenen der Arkologie ergossen, posierten Touristengruppen für Selfies. Er drängelte sich an den Menschen vorbei, verbissen, mit hochrotem Kopf. Jogger in Shorts und Tanktops, die Ohren angefüllt mit Musik und dem Klopfen ihrer gesunden Herzen, spurteten an ihm vorbei.

Vom Schweiß eines Menschen konnte man eine Menge lernen.

Braxtons Schweiß verriet, dass er noch Angst hatte. Was Angel wiederum verriet, dass er sich noch auf Braxton verlassen konnte.

Braxton entdeckte Angel auf der Brücke, die sich in weitem Bogen über die zentrale Bohrstelle spannte. Er winkte müde und machte Angel Zeichen, zu ihm herunterzukommen. Angel winkte lächelnd zurück und tat so, als verstünde er nicht.

»Komm runter!«, rief Braxton.

Angel lächelte und winkte wieder.

Der Anwalt ließ geschlagen die Schultern hängen und nahm die letzten Meter zu Angels Adlerhorst in Angriff.

Angel lehnte am Geländer und genoss die Aussicht. Das von oben einfallende Sonnenlicht besprenkelte Bambus und Regenbäume, beleuchtete tropische Vögel und warf blitzende Spiegelflächen auf moosige Koiteiche.

Die Menschen weit unter ihm sahen kleiner als Ameisen aus. Eig