: Olen Steinhauer
: Der Anruf Thriller
: Karl Blessing Verlag
: 9783641163860
: 1
: CHF 3.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 272
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der New-York-Times-Bestseller: Verrat verjährt nicht!

Flughafen Wien, 2006: Auf dem Rollfeld steht ein Airbus mit einhundertzwanzig Passagieren an Bord, den Terroristen in ihre Gewalt gebracht haben. Die CIA vor Ort hat die Chance, die Geiselnahme zu beenden und Blutvergießen zu verhindern. Doch ihr Plan wird verraten – alle Passagiere kommen ums Leben. Der entscheidende Anruf kam aus dem Quartier der CIA.

Kalifornien, 2012: CIA-Agent Henry Pelham ist nervös. Nach Jahren wird er seine Kollegin Celia Favreau wiedersehen, mit der er in Wien eine kurze Beziehung hatte. Zusammen versuchten sie in jener Nacht fieberhaft, das Leben der Passagiere zu retten. Nun hat die interne Ermittlung der CIA den Fall neu aufgerollt. In einem Restaurant treffen sich Henry und Celia. Was als Gespräch unter ehemals Vertrauten beginnt, entwickelt sich zu einem packenden wechselseitigen Verhör, das schließlich die Wahrheit über den Verrat von Wien ans Licht bringt.

Ein genial spannend erzählter Politthriller über eine Welt, in der Loyalität nicht mehr belohnt wird.

Olen Steinhauer ist in Virginia aufgewachsen, hat mehrere Jahre in Kroatien, Tschechien, Italien und Ungarn verbracht und lebt zurzeit mit seiner Familie in New York und Budapest. Für seine Bücher wurde er für den Edgar Award nominiert und mit dem Dashiell Hammett Award ausgezeichnet. Auf Deutsch erschien von Steinhauer bereits die Milo-Weaver-TrilogieDer Tourist,Last Exit undDie Spinne.Die Kairo-Affäre, sein zuletzt bei Blessing erschienenes Buch, stand monatelang auf der KrimiZEIT-Bestenliste.

3


Ich bin allein. Die Wahrheit dieses Satzes spüre ich, als ich mit schnittig hochgeklapptem Verdeck auf den Highway 1 gleite, wo über den Standstreifen Bäume blühen und vorne sich die Berge der mittleren Küste Kaliforniens erheben. In traumhaften Landschaften wird die Einsamkeit intensiver, das ist mir schon öfter aufgefallen. Vielleicht liegt es nur daran, dass kein anderer die Aussicht mit einem genießt. Keine Ahnung.

Ich schalte das Radio ein. Robert Plant jammert vom Land aus Eis und Schnee.

Obwohl mein Mietwagen locker auf der Überholspur Kilometer fressen könnte, lenke ich ihn nach rechts und lasse es, auf allen Seiten vom Wind umspült, ruhig angehen. Eine bequeme Art zu reisen, viel angenehmer als das, was ich im letzten Jahrzehnt in Europa auf diesen zugigen, überfüllten Straßen erlebt habe, wo die Leute ihre Autos schräg über dem Gehsteig und der Fahrbahn abstellen und nur ein Profi ohne Blechschaden vorbeikommt. Außerdem sind auf dieser Strecke kalifornische Fahrer unterwegs – locker, ohne Eile, ganz anders als die Europäer, die einem mit lächerlichem Machogehabe in ihren winzigen Autos auf die Pelle rücken. Ein entspanntes Fahren, das auf ein entspanntes Leben schließen lässt. Allmählich verstehe ich, warum Celia sich hierher zurückgezogen hat.

So ähnlich hat es auch Vick formuliert in seinem Büro im vierten Stock der Botschaft hoch über der Boltzmanngasse. »Sie ist weg. Und sie ist glücklich. Du verschwendest deine Zeit.«

Was sollte ich darauf antworten? »Ich weiß, Vick. Immerhin hat sie zwei Kinder.«

»Nichts weißt du. Ich glaube, du stehst immer noch auf diese Frau.« Vick hat Celia nie so richtig verziehen, dass sie die Station so schnell verlassen hat, und aus diesem Grund spricht er ihren Namen ungern aus.

»Wir sind immer noch Freunde«, sagte ich.

Vick lachte. Hinter ihm füllte der strahlende österreichische Himmel das Fenster. Ein tief fliegendes Flugzeug strebte zum Flughafen Wien-Schwechat, durch dessen Korridore ich am nächsten Morgen mit meiner Umhängetasche schlendern sollte, um wieder einmal festzustellen, mit welcher Gründlichkeit die Österreicher jede Spur des Traumas von 2006 beseitigt hatten. »Nein.« Vick schüttelte den Kopf. »Ihr seid keine Freunde. So funktionieren Trennungen nicht. Und sie wird genauso leicht wie ich erkennen, dass du immer noch total in sie verknallt bist. Nach fünf Jahren Ehe mit Kindern bist du sicher der letzte Mensch, den sie sehen möchte.«

»Bei deinen romantischen Beziehungen ist wohl so einiges schiefgelaufen, Vick.«

Das brachte ihn wenigstens zum Lächeln. »Schicken wir doch einfach Mack. Du gibst ihm die Fragen, und er bringt dir die Antworten auf dem Servierteller. Du musst das nicht machen.«

»Mack erkennt nicht, wenn sie lügt.«

»Er versteht was von seiner Arbeit.«

»Aber er kennt sie nicht.«

»Du auch nicht. Nicht mehr.«

Darauf fiel mir keine Entgegnung ein. Ich konnte ihm nicht verraten, warum ich selber fliegen musste, aber ich hätte wenigstens einen passenden Spruch parat haben müssen, ein vernünftiges, unwiderlegbares Argument. Dass ich mir nichts überlegt hatte, beweist, wie sehr meine Fähigkeiten nachgelassen haben.

»Sie wird sich mit einem Kontaktverbot vor dir schützen.«

»Das ist doch lächerlich.«

»Ich an ihrer Stelle würde es so machen.«

Wir schwiegen eine Weile. Das Flugzeug war verschwunden. Dann sprach ich weiter. »Hör zu, eigentlich ist es bloß ein Vorwand, um ein paar Tage aus dem Keller rauszukommen. Ein Besuch bei einer alten