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Als sie den Wagen auf den Parkplatz des Arztes zurücksetzte, war das Mädchen erleichtert zu sehen, daß das Büro weit von der Innenstadt entfernt war. Niemand würde auf dem Weg zu den Einkaufszentren oder der High School hier vorbeikommen und ihren Wagen vor der Praxis eines Psychiaters stehen sehen.
He, guck mal, wer das ist! Bei der beißt jeder Seelenklempner an …
Alle mal herhören, gegen die verrückte Megan braucht ihr gar nicht erst anzutreten.
Als der Motor ausging, sah sie wie immer auf ihre Kleidung hinunter – Blue Jeans, ein dunkles Arbeitshemd aus Jeansstoff mit langen Ärmeln und Kampfstiefel. Und plötzlich löste sich ihre Erleichterung in Luft auf. Ihre Aufmachung kam ihr plötzlich völlig unpassend vor. Sie war verlegen und wünschte, sie hätte wenigstens einen Rock angezogen. Die Hosen waren zu weit, das Hemd war zu zerknittert, die Ärmel baumelten ihr bis auf die Fingerspitzen, und ihre Socken waren orangerot wie Tomatensuppe.
Was wird er von mir denken?
Daß ihm da wieder so eine Bekloppte gegenübersitzt.
Sie zog sich das hölzerne Friedenssymbol, das zwischen ihren Brüsten baumelte, über den Kopf und schleuderte es auf den Rücksitz. Megan fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und strich es sich aus dem Gesicht. Ihre geröteten Knöchel wirkten so groß wie Golfbälle. Sie trug an der einen Hand vier Ringe, an der anderen drei. Total kindlich, zuviel. Sie streifte sich alle bis auf zwei von den Fingern und warf sie ins Handschuhfach.
Soll ich einfach wegfahren? Einfach alles hinter mir lassen?
Sie seufzte. Unmöglich. Das würde nur Mega-Zoff geben.
Na schön. Also los. Achtung, hier kommt die verrückte Megan …
Sie drückte auf den Knopf der Gegensprechanlage, und einen Augenblick später summte das Türschloß. Die Praxis von Dr. James Peters beeindruckte sie nicht sehr. Sie war klein und heiß. Details, hatte ihr Joshua immer wieder eingeschärft, Joshua, der Künstler. Er hatte sie gedrängt, ernsthaft mit dem Malen anzufangen. »Halt nach den Details Ausschau«, hatte er gesagt. Das war seine erste Kunststunde. »Du mußt wie ein Künstlersehen. Wenn du das tust, geht der Rest wie von selbst.«
Es gab hier reichlich Details, die sie sich ansehen konnte: dicke Stapel von Rechnungen im Ausgang