2
Im Hinterzimmer, das meinen Jungs als Küche und Ruhehafen dient, befinden sich eine Mikrowelle, das neueste Modell einer Kapsel-Kaffeemaschine, ein Kühlschrank, ein Regal, auf dem die Kleenex-Kartons für die Kummerfluten meiner Kunden stehen, ein Foto meiner Eltern, wie sie in ihrer Jugend stolz vor einem nagelneuen Leichenwagen posieren, und ein Stapel von Heften desMagazine funéraire, unseres Leichenbestatter-Fachjournals, die ich bereits gelesen habe und ohne besonderen Grund aufhebe. Außerdem ein einfacher weißer Holztisch, vier bequeme Stühle und, in der Ecke neben dem vergitterten kleinen Fenster, das auf meine Garagen hinausgeht, mein Sarg – ein Sully in total verschrammter Kastanie, der sich nicht mal als Sonderangebot losschlagen ließe und den ich zur Garderobe umgemodelt habe.
So viel zur »Ladenstube«.
Ach, ich vergaß, ansonsten stapeln sich da auch noch Kartons voller religiöser Symbole - Kruzifixe für die Christen, Halbmond und Stern für die Moslems, Davidsterne für die Juden - sowie künstliche Blumenbouquets und große Rollen mauvefarbener Bänder zum Schmücken der Kränze mit klassischen, aber immer noch beliebten Sprüchen wie: Du wirst immer in meinem Herzen sein. Ohne dich ist das Leben kein Leben. Ein Engel kehrt in den Himmel zurück. Oder solchen, die absichtlich eine gewisse Distanz zum Verstorbenen ausdrücken: Meinem Vater. Meiner Mutter. Meiner Großmutter. Meinem Großvater. Meinem Gatten. Meiner Gattin …
Kurzum.
Als ich gerade mein kleines Schwarzes aus- und meine Jeans anziehe, ruft mich meine große Schwester Rose an. Sie ist gerade auf Parkplatzsuche hier im Viertel, und da sie in einem Stau steckt, dessen Ende nicht abzusehen ist, unterhält sie sich ein bisschen mit mir. Zunächst erinnert sie mich noch einmal daran, dass wir in zwei Tagen den 11. Januar haben und ich dann dreißig werde. Was ich bestimmt nicht vergesse, denn seit einem Monat vergeht kein Tag, an dem sie mich nicht daran erinnert. Auch Leïla wurde von ihr gestern und vorgestern noch einmal daran erinnert. Und dann verkündet mir Rose, sie habe eine Dummheit gemacht, eine riesige und wunderschöne, die sie nicht länger für sich behalten könne.
Zur Feier des Tages habe sie dieLa Paloma gemietet, einen Kahn, der auf dem Canal de l’Ourcq am Quai de la Loire liegt. Sie habe schon alles organisiert, den Caterer, die Blumen, den Kuchen, sie werde sich sogar um den Empfang der Gäste kümmern. Ich hätte nichts weiter zu tun, als mich zu amüsieren und nach einem Verehrer Ausschau zu halten. Da sie so gut in Schwung ist, lege ich das Telefon auf den Tisch, stelle meine schwarzen Wildlederpumps auf das untere Bord in meinem Sarg und ziehe die Doc Martens an.
Dreißig.
Es ist mir vollkommen egal, dass ich dreißig werde. Schlimmer noch, ich hasse Geburtstage. Vor allem meinen. E