: Ute Krause
: Im Labyrinth der Lügen
: cbj
: 9783641192723
: 1
: CHF 3.60
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein berührender Kinderroman von Bestsellerautorin Ute Krause

Paul ist am Boden zerstört: Seine Eltern wurden nach einem Fluchtversuch von der Bundesrepublik freigekauft und beginnen in West-Berlin ein neues Leben – ohne ihn. Er darf die DDR nicht verlassen und ob er seine Eltern je wiedersehen wird, ist ungewiss. Halt geben ihm Oma und Onkel Henri – und seit kurzem seine Klassenkameradin Millie, die ohne Mutter beim Vater lebt. Eines Abends besuchen die beiden Onkel Henri im Pergamonmuseum, der dort als Nachtwächter arbeitet. Als sie in den Sälen unerklärliche Geräusche hören, forschen Paul und Millie auf eigene Faust nach und geraten in eine gefährliche Geschichte ...

Ute Krause, 1960 geboren, wuchs in der Türkei, Nigeria, Indien und den USA auf. An der Berliner Kunsthochschule studierte sie Visuelle Kommunikation, in München Film und Fernsehspiel. Sie ist als Schriftstellerin, Illustratorin, Drehbuchautorin und Regisseurin erfolgreich. Ihre Bilder- und Kinderbücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und für das Fernsehen verfilmt. Ute Krause wurde u.a. von der Stiftung Buchkunst und mit dem Ver.di-Literaturpreis ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Paul strahlte. Das hätte er sich nicht träumen lassen! Er stellte sich die Zeitungsmeldung vor, die demnächst erscheinen würde.

Berliner Morgenpost

Geheimnis der ewigen Jugend enthüllt? Berliner Forscher macht sensationellen Fund im Pergamonmuseum. Geheimwissen der Ägypter in einem Stein des Ischtar-Tors versteckt. Pharmakonzerne wittern das Riesengeschäft: der Jungbrunnen bald auf Rezept?

Und daran war allein Onkel Henri schuld. Dabei hatte die Geschichte damals ganz anders angefangen. Und niemand, er schon gar nicht, hatte ahnen können, wie verwickelt und gefährlich sie werden würde …

Begonnen hatte alles viele Jahre früher an einem ganz gewöhnlichen Samstag.

»Komm, ich zeig dir ein Geheimnis«, hatte Onkel Henri gesagt und Paul in einen verlassenen Teil des Bahnhofs Friedrichstraße geführt. Hinter einer Absperrung stand ein Baugerüst, das mit einer Plane verhängt war. Als niemand sie beobachtete, kletterten sie über die Absperrung und schlüpften hinter die Bauplane. Dahinter verborgen lag eine hellgraue Metalltür. Sie führte in einen Tunnel, der sich im Dunkeln verlor.

»Das war mal ein Geheimgang«, sagte Onkel Henri. »Früher sind die Leute von hier aus in den Westen geflüchtet.«

»Wie soll das gehen?«, fragte Paul.

»Wart’s ab.«

Paul war seinem Onkel vorsichtig tastend gefolgt, bis ihnen eine Backsteinmauer den Weg versperrte.

»Siehst du, weiter kommt man heute nicht mehr«, flüsterte Onkel Henri. »Die Grenzsoldaten haben alles zugemauert. Aber jetzt pass auf. Hör genau hin, dann kannst du den Westen hören. Dann bist du fast auf der anderen Seite. Vergiss das nicht!«

Onkel Henri hatte seine Wange an die Mauer gelegt. Paul tat es ihm nach und drückte sein Ohr ganz fest dagegen. In der Ferne hörte er plötzlich das Rattern eines einfahrenden Zuges, das Quietschen der Bremsen und die Lautsprecherstimme eines Ansagers. Sie war durch den Hall verzerrt, aber wenn er genau hinhörte, verstand er, was der Mann auf der anderen Seite sagte: »Alle Züge enden hier. Achtung, alle Züge enden hier. Rückfahrt nach Westberlin vom gegenüberliegenden Gleis. Transitreisende begeben sich zu den Passkontrollen.«

Für Paul war Berlin-West bis dahin nur ein Wort, ein weißer Fleck in seinem Schulatlas gewesen. Es war von einer Mauer umgeben und Teil eines fremden Landes, das Westdeutschland hieß. Es war ganz nah und zugleich unerreichbar, denn Paul lebte auf der anderen Seite dieser Mauer in Ostberlin.

Seine Oma sagte, nach Westberlin komme man erst mit fünfundsechzig, wenn man in Rente ging. Das sei die letzte Querstraße vor dem Paradies. Ein Abstecher, bevor es zum lieben Gott geht.

Bis es bei Paul so weit war, konnte