Der Dilcher-Hof lag friedlich in der Abendsonne. Von der Kirche drunten im Dorf schallte das Läuten der Glocken herauf. Überall herrschte sonntägliche Ruhe.
Die alte Dilcher-Bäuerin spähte heimlich aus dem Küchenfenster. Ein zufriedenes Schmunzeln huschte über ihre faltigen, harten Züge, als sie auf der Bank unter der Linde ihren Sohn und Zilli, die Tochter des Nachbarhofs, sitzen sah.
Sie sind sich einig, die beiden, ging es Antonia Dilcher durch den Sinn. Eine bessere Frau könnte mein Bub net bekommen – und ich wüsste auch kein anderes Dirndl weit und breit, das besser zum Flori passen würde als die Bucher-Zilli!
Antonia Dilcher hatte mit fester Hand das Regiment auf dem Hof übernommen, nachdem ihr Mann vor zehn Jahren beim Heuen von einem Blitz erschlagen worden war. Seitdem hatte sich die Bäuerin ganz allmählich verändert: Aus der fröhlichen Frau, die stets zu einem Scherz aufgelegt gewesen war, war eine düstere Person geworden, die niemand mehr lachen hörte.
Vierundfünfzig Jahre zählte die Dilcher-Bäuerin jetzt, aber wer sie nicht kannte, musste sie für viel älter halten.
Kummer und Leid um den Mann, der ihr so jäh entrissen wurde, hatten tiefe Furchen in ihr Antlitz gegraben. Früher war sie heiter und gesprächig gewesen – heute tat sie nur dann den Mund auf, wenn es galt, etwas anzuordnen. Ihr Wille galt als ehernes Gesetz auf dem Dilcher-Hof, und die Hofarbeiter hatten einen höllischen Respekt vor der Bäuerin, die ihre Augen überall zu haben schien und keine noch so geringe Nachlässigkeit duldete.
Ihren einzigen Sohn, Florian, erzog die Bäuerin mit der gleichen Strenge, die sie dem Gesinde gegenüber an den Tag legte. Und Flori hatte die größte Hochachtung vor seiner Mutter. Nicht jede Frau hätte es geschafft, ganz allein den großen Hof in Schwung zu halten!
Jetzt war der Bursch vierundzwanzig Jahre alt, ein stattliches Mannsbild mit breiten Schultern und sehnigen Armen. Er hatte dunkles, leicht gewelltes Haar und graue Augen – und sooft er sich im Dorf blicken ließ, schauten sich die Mädchen von Obermoos die Augen nach ihm aus.
Aber seitdem Flori beim Schützenfest nur mit der hübschen Bucher-Zilli getanzt hatte und die Dilcher-Bäuerin wohlwollend zuschaute, da wussten alle, dass die Zilli eines Tages Bäuerin auf dem Dilcher-Hof werden würde. So manches Dirndl weinte eine stille Träne um den feschen Hofsohn, und so mancher neidvolle Gedanke galt Zilli, die es geschafft hatte, Flori für sich zu gewinnen.
Keine von ihnen ahnte, dass Flori selbst gar nicht nach Zilli ausgeschaut hatte. Der junge Dilcher dachte noch gar nicht ans Heiraten und auch nicht an eine Liebelei.
Es war seine Mutter gewesen, die ihn eines Tages ins Gebet genommen hatte.
„Du bist jetzt bald vierun