Kapitel 1
Die Erzieherin hatte gesagt, es sei nichts Schlimmes, aber Mia war Mutter. Ihr Kopf spielte ihr Horrorszenen vor. Viel zu schnell fuhr sie durch die kleine Stadt, doch es kam ihr trotzdem langsam vor. Mit jedem Meter, den sie zurücklegte, wuchsen ihre Sorgen. Ihre sechsjährige Tochter brauchte sie, es ging ihr nicht gut. Hastig bog sie in die Straße zum Kindergarten ein, überquerte die linke Fahrbahn und brachte das Auto kurz vor einem parkenden Wagen zum Stehen. Dass sie schief und entgegen der Fahrtrichtung parkte, war der sonst so akkuraten Autofahrerin egal.
Kaum war der Motor aus, sprang sie aus dem Auto und lief zum Kindergarteneingang. Angespannt drückte sie den Türöffner und eilte in die Gruppe der „Feldmäuse“. Sie öffnete die Tür und sah Kinder fröhlich herumlaufen. Im Nebenraum redeten Erzieher. Doch wo war ihre Tochter?
Dann sah sie Luna. Sie saß in der Leseecke. Blass und angespannt schaute sie auf ihre Hände. Außer einem Pflaster am Finger hatte sie offensichtlich keine Verletzung. Die Anspannung ließ nach und Mia konnte wieder normal denken. Sie kniete sich vor ihre Tochter und umfasste die kleinen Händchen.
„Schätzchen, tut dir was weh?“, fr