Dich zu treffen war Schicksal,
dich zu lieben ist Mut,
dich zu bekommen ist Geduld,
dich zu haben ein Traum
und von dir geliebt zu werden ein Wunder …
Kommissarin Jenny Becker beschattete mit der Hand ihre Augen gegen das gleißende Sonnenlicht. Ihr Blick schweifte über das Gebirgsmassiv, dessen höchste Erhebung, der Große Arber, in der Ferne sichtbar war.
Als sie eine Berührung an ihrer Schulter spürte, ließ sie die Hand sinken, drehte sich um und lächelte Michael Biederkopf an. Es war ihr erster gemeinsamer Urlaub. Obwohl sie sich schon einige Jahre kannten, hatten sie und der Staatsanwalt erst vor Kurzem zueinander gefunden. Beide litten noch unter den Nachwirkungen des kürzlich abgeschlossenen Falls.
Ihre Beziehung war auf eine harte Probe gestellt worden, hatte sie jedoch mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Nichtsdestotrotz ließen sie es langsam angehen und näherten sich einander eher vorsichtig an. Zu Hause in Frankfurt hatten sie sich überwiegend am Wochenende getroffen, und Michael war nur zweimal über Nacht geblieben. Jetzt im Urlaub, ohne äußere Störfaktoren, wollten sie sich wieder näher kommen.
Ein Münchner Kollege, der seit Jahren in Frankfurt lebte, hatte ihnen Bodenmais, einen kleinen Ort im Bayerischen Wald, empfohlen.
Heute war ihr vierter Tag, sie waren mit dem Bus zur Talstation der Seilbahn gefahren, hatten sich von dieser zum Gipfel bringen lassen und wollten nun zu Fuß zurück ins Tal wandern.
Heiß war es, und sie legten immer wieder Pausen ein und genossen die endlose Aussicht über Bergketten und Täler.
An einer Berghütte machten sie eine längere Rast und tranken zwei Radler. Jenny rieb sich die Waden. »Man merkt, dass ich zu viel im Büro sitze und zu wenig Sport treibe.«
Michael lächelte. »Das werden wir in Zukunft ändern!«
Sie sah ihn gespielt missmutig an. »Warum wusste ich, dass du das sagen würdest?«
»Weil du mich kennst!«
Sie antwortete nicht. Zu frisch war in ihrem Gedächtnis noch die Zeit, als Michael Biederkopf plötzlich verschollen war und sie befürchten musste, ihn in Wirklichkeit gar nicht zu kennen. Auch wenn sie inzwischen wusste, dass er sie nicht hintergangen hatte, blieb doch ein Gefühl der Unsicherheit.
Er deute