: Diana Rosie
: Albertos verlorener Geburtstag Roman
: Verlagsgruppe Droemer Knaur
: 9783426438152
: 1
: CHF 14.00
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: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der 7-jährige Tino ist erschüttert, als er erfährt, dass sein geliebter Großvater Alberto nicht weiß, wann er geboren ist, und deshalb noch nie Geburtstag gefeiert hat. Dabei ist das doch der eine, wundervolle Tag, der einem allein gehört und an dem man sich so sehr geliebt fühlt! Nur hat Alberto als Kind im spanischen Bürgerkrieg sein Gedächtnis verloren, und damit auch dieses besondere Datum. Nie hat er nach Spuren seiner Vergangenheit gesucht, aber jetzt, am Ende seines Lebens, überredet Tino ihn zu einer Reise quer durch Spanien, zurück zu jenem Waisenhaus und den Menschen, die vielleicht mehr über Alberto wissen könnten als er selbst.

Von Kindheit auf ist Diana Rosie in der Welt herumgekommen, hat in Hongkong, London und Peru gelebt. Mittlerweile hat sie sich auf dem Land niedergelassen und schreibt in ihrem Cottage in Shropshire. Von Beruf ist Diana Rosie Werbetexterin und hat mit ihrer Arbeit zahlreiche Preise gewonnen und Websites für populäre Marken geschaffen

Kapitel 1


Alberto griff durch das Dickicht der Blätter und pflückte die Zitrone von ihrem Stiel. Die saftige Frucht war so groß wie seine Hand. Prüfend betrachtete er ihre wächsernen Poren, ehe er sie an seine Nase hob und daran roch. Er nickte zufrieden und legte sie in den Beutel zu den Muskattrauben, die mit Staub überzogen waren. Er wusste, wie sehr der Junge es liebte, die harte Schale der Trauben abzuziehen und das süße Fruchtfleisch herauszusaugen.

Bevor er sein Tagwerk beendete, warf er einen letzten Blick über die Steinterrassen seines Besitzes. Unterhalb der Zitronenbäume reihten sich alte Mandelbäume aneinander, die Äste schwer von Früchten. Eine Ebene tiefer wurzelten alte, knorrige Rebstöcke Zeile um Zeile tief im trockenen Boden.

Zuunterst, im sanften Schatten hoher Pinien, lag Albertos Garten, in dem Kräuter und Blumen wuchsen. Dieser schmale Streifen Land bereitete ihm mehr Mühe als der Rest, und es ermüdete ihn zusehends, das Wasser aus der steinernen Bewässerungsrinne heranzuschleppen. Doch jedes Mal, wenn er einen großen Strauß duftender Blumen pflückte, um sie auf das Grab seiner Frau zu legen, sagte er sich, dass dieser Garten das Letzte wäre, das er aufgeben würde.

Als seine Frau noch am Leben gewesen war, waren sie immer Hand in Hand zu ihrem Stück Land hinausgewandert. Mehr als drei Kilometer hatte er sich ihre amüsanten Geschichten über die Kinder und die Fremden angehört, in deren Ferienvillen sie sauber machte. Heute allerdings schmerzten seine Gelenke bei jedem Wechsel der Jahreszeiten, und oft wunderte sich Alberto darüber, wie müde er war. Trotzdem hatte seine Dankbarkeit sich zunächst in Grenzen gehalten, als eine seiner Töchter und deren Mann ihm vor ein paar Jahren das gebrauchte Moped vor die Tür gestellt hatten. »Apus Put-Put«, wie der Junge es nannte. Nun benutzte er es regelmäßig, um auf sein Stück Land hinauszufahren, und auch, wenn er gelegentlich in der Stadt zu tun hatte.

Der alte Mann schnallte den Beutel auf die Gepäckablage seines Mopeds, kippte mit der Ferse den Ständer nach hinten und stieg auf. Um den Zweitakter zu starten, trat er kurz und heftig in die Pedale, ehe er langsam auf die Hauptstraße einschwenkte.

Während er in der tief stehenden Abendsonne gemächlich nach Hause tuckerte, malte Alberto sich aus, wie sein Enkelsohn ihm in Zukunft dabei helfen würde, die Zitronen zu pflücken und die Mandeln zu ernten. Gemeinsam würden sie die Cafés und Restaurants an der Küste abfahren, um dort ihre Waren zu verkaufen. Der Junge sei ihm selbstverständlich nur eine willkommene Hilfe während der Schulferien, wie er seiner Tochter gegenüber beteuerte, aber sie beide wussten genau, dass es mehr war als das.

Als er ins Dorf zurückkam, stellte er das Moped in der Gasse vor seiner Wohnung ab und kettete es an ein Eisengitter. Den Beutel in der Hand, stieg er die gefliesten Stufen zu seiner Eingangstür hinauf und war überrascht, sie offen vorzufinden. Er erwartete den Jungen erst am Wochenende.

Die trüben Augen des alten Mannes benötigten einen Moment, um sich in dem kühlen, dunklen Raum zurechtzufinden. Seine Tochter saß am Tisch und nestelte an einem weißen Taschentuch in ihrer Hand. Neben ihr stand stocksteif ihr Sohn und starrte seinen Großvater aus großen, braunen Augen erschrocken an.

Aufmunternd lächelte Alberto dem Junge