: Margit Hellberg
: Bergkristall - Folge 244 Wovon ihr Herz nichts wissen will
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732519743
: Bergkristall
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Ihr Geburtstag - welch ein aufregender, schöner Tag für Regine! Die ganze Familie ist versammelt, um mit ihr zu feiern. Wenn nur ihr Bruder nicht wieder mit seinem üblichen Gestichel anfangen würde!

'Ich würde dir ja gerne einen braven Ehemann und ein paar süße Kinder wünschen, aber du hast ja noch nicht einmal einen Freund!'

Sein Grinsen provoziert, und prompt fällt Regine darauf herein. 'Ich will ja gar keinen', zischt sie. 'Die Kerle sehen sowieso immer nur unseren reichen Vater im Hintergrund. Da bleib ich doch lieber allein!'

Trotz spricht aus ihren Worten - und heimliche Enttäuschung. Die gesteht Regine aber nicht einmal sich selbst ein. Sie will keinen Mann, sie braucht keinen Mann, und über die Liebe, da lacht sie bloß! Das Lachen vergeht ihr allerdings ein paar Tage später ...

Die für den ersten März anberaumte öffentliche Gemeinderatssitzung fand in der geräumigen Gaststube beim „Hubert-Wirt“ und nicht, wie üblich, im Rathaus statt. Schuld daran war der Föhnsturm, der vor zwei Wochen mit unvorstellbarer Heftigkeit über das Dorf Salfing hinweggefegt war. Er hatte das Rathausdach abgedeckt und außerdem einen dicken Ast des uralten Kastanienbaumes darauf geschleudert, wodurch die Decke zwischen den Speicherräumen und dem zweiten Obergeschoss beschädigt worden war. Die Reparaturen würden also länger dauern als erwartet.

Nun, die Gaststube vom „Hubert-Wirt“ war durchaus dafür geeignet, die vielen Zuhörer aufzunehmen. Außerdem gefiel es den meisten Teilnehmern recht gut, dass man die innere Glut nach einer hitzigen Debatte sogleich mit einer Maß kühlen Bieres löschen konnte. Es hatte sogar den Anschein, als wären mehr Interessierte erschienen als bei anderen Versammlungen.

Pünktlich um zwanzig Uhr trafen der Bürgermeister und die acht Gemeinderäte ein. Sie wurden mit beifälligem Murmeln der Anwesenden begrüßt.

„Grüß Gott, alle miteinander“, ergriff Bürgermeister Gruber sogleich das Wort. „Ich freue mich, dass ihr euch die Zeit genommen habt, an der Sitzung teilzunehmen. Ganz besonders, weil heute viele Fragen beantwortet werden müssen, die uns alle etwas angehen.“

Nachdem sein Assistent den Rechenschaftsbericht vorgetragen hatte, fuhr der Bürgermeister fort: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, bevor wir zu den einzelnen Anträgen kommen, muss ich ein besonders heikles Thema ansprechen: Es geht um unsere Bergwacht-Bereitschaft. Die Ausrüstung unserer Männer, die ihr Leben aufs Spiel setzen, muss dringend verbessert werden. Oder wir müssen dafür sorgen, dass möglichst wenige unerfahrene Bergwanderer unsere Gipfel erobern wollen.“

Das gefiel natürlich denen nicht, die von der Vermietung von Ferienquartieren profitierten.

„Das können wir net machen!“, rief einer von ihnen. „Viele kommen doch wegen der Bergtouren zu uns. Wenn sie das net mehr dürfen, dann können sie genauso gut im Flachland bleiben.“

„Wir müssen die Wege besser ausbauen“, schlug ein anderer vor. „Warntafeln aufstellen, wo es gefährlich werden kann. Und vor allem sollten wir genug Bergführer anbieten können.“

„Dann lass du dich doch mieten!“, schrie einer, worauf die anderen in schallendes Gelächter ausbrachen. Denn der Seiler-Ferdl, der den Vorschlag mit den Bergführern gemacht hatte, war gut und gerne zweieinhalb Zentner schwer. So jemanden konnte sich keiner wirklich in der Wand vorstellen.

Der Bürgermeister unterbrach die Heiterkeit.

„Das ist alles net zum Lachen, Leute. Ich weise also in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Leiter unserer Bergwacht, der Theo Sim