Das ist kein Fisch, den Ihr kauft, es sind Menschenleben.
Sir Walter Scott, Der Antiquar, Kapitel 11
Ein sanfter Herbstregen rieselt durch die Bäume, und der Geruch des Ozeans ist so stark, dass man ihn fast auf der Zunge schmecken kann. Lastwagen rumpeln die Rogers Street entlang, und Männer, die mit Fischblut befleckte T-Shirts tragen, rufen einander von Boot zu Boot etwas zu. Unter ihnen steigt der Ozean an dem schwarzen Pfahlwerk empor und fällt dann mit saugendem Geräusch bis dahin zurück, wo sich die Entenmuscheln festgesetzt haben. Bierdosen und Styroporstücke bewegen sich mit dem Wasser auf und ab, und kleine Lachen von ausgelaufenem Dieselkraftstoff wogen wie riesige irisierende Quallen. Die Boote dümpeln und reiben sich ächzend an ihren Leinen, und klagend schreien Möwen, lassen sich nieder und beklagen sich erneut. Auf der anderen Seite der Rogers Street durch den rückwärtigen Eingang desCrow’s Nest Inn hindurch, die Zementtreppe hinauf, den teppichbelegten Gang entlang und hinter einer der Türen zur Linken findet man, ausgestreckt auf einem Doppelbett in Zimmer 27 und zugedeckt mit einem Laken, den schlafenden Bobby Shatford.
Er hat ein blaues Auge. Bierdosen und die Verpackungen irgendwelcher Lebensmittel liegen verstreut im Raum, und aus einem Seesack quellen T-Shirts, Flanellhemden und Bluejeans heraus. Neben ihm schläft seine Freundin Christina Cotter. Sie ist eine attraktive Frau Anfang vierzig mit rostrotem Haar und einem energischen, schmalen Gesicht. Im Zimmer stehen ein Fernseher, eine niedrige Kommode mit einem Spiegelaufsatz sowie ein Stuhl von dem Typ, wie man ihn in Universitätscafeterias findet. Der Kunststoffbezug hat einige Brandlöcher von Zigaretten. Das Fenster geht hinaus auf die Rogers Street, wo Lastwagen vorsichtig in die Parkbuchten der Fischfabriken hineinmanövrieren.
Es regnet immer noch. Auf der anderen Straßenseite befindet sich die Rose Marine, wo die Fischerboote ihren Treibstoff übernehmen, und jenseits eines kleinen Wasserarms liegt die staatliche Fischpier, wo sie ihren Fang ausladen. Die Staatspier ist im Wesentlichen ein riesiger Parkplatz auf einem Pfahlfundament, und am hinteren Ende, jenseits eines weiteren Wasserarms, befinden sich eine Bootswerft und ein kleiner Park, in dem Mütter ihre Kinder spielen lassen. Jenseits des Parks, an der Ecke der Haskell Street, steht ein elegantes Backsteinhaus, das von dem berühmten Bostoner Architekten Charles Bulfinch entworfen wurde. Ursprünglich stand es einmal an der Ecke Washington und Summer Street in Boston, aber im Jahre 1850 wurde es vom Fundament gehoben, auf einen Prahm geladen und nach Gloucester transportiert. In diesem Haus zog Bobbys Mutter Ethel vier Söhne und zwei Töchter groß. Seit vierzehn Jahren arbeitet sie tagsüber hinter der Bar desCrow’s Nest. Ethels Großvater war Fischer, und ihre beiden Töchter gingen regelmäßig mit Fischern aus, und alle vier Söhne hatten zu irgendeinem Zeitpunkt mit der Fischerei zu tun. Die Mehrzahl ist immer noch dabei.
Die Fenster desCrow’s Nest gehen nach Osten hinaus, in Richtung des anbrechenden Tages, auf eine Straße, die schon im Morgeng