: Ralf Schwob
: Last Exit - Goetheturm Rhein-Main-Krimi
: Societäts-Verlag
: 9783955421649
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 184
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Showdown in Sachsenhausen! Ein missglückter Banküberfall in Mannheim. Ein gelinkter Kleinkrimineller mit Spielschulden. Und vier Jungs, die auf einem Rastplatz an der A67 einen Toten und eine Tasche voller Geld finden ... 1982, am Tag, als Helmut Kohl Bundeskanzler wird, finden Gummi, Andy, Bernd und Meier auf einem Parkplatz an der Autobahn einen toten Bankräuber samt Beute. Die Jungs geraten in Panik und fliehen. Als die Polizei später am Fundort eintrifft, sind Geld und Pistole längst verschwunden. Hat sich einer von ihnen in der Nacht die Beute geholt? Gleichzeitig muss Komplize Jimmy seine Spielschulden in Frankfurt begleichen. Zu allem bereit, sucht er in der südhessischen Provinz nach seinem Anteil, bevor es auf dem Sachsenhäuser Goetheturm zu einem unerwarteten Finale kommt ...

Ralf Schwob wurde 1966 in Groß-Gerau geboren, arbeitete lange als Krankenpfleger und studierte später Germanistik in Mainz. Nach seinem Abschluss war er als Redakteur und Werbetexter tätig. Heute arbeitet er als freier Autor und Buchhändler und lebt mit Familie in seiner Heimatstadt Groß-Gerau. Für seine literarischen Arbeiten wurde er mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Literaturförderpreis der Stadt Mainz. 2011 erschien sein Ried-Roman 'Büchners letzter Sommer'. 2013 erschien im Societäts-Verlag 'Problem Child'.

Freitag, 1. Oktober 1982


Das Letzte, was Jimmy hörte, war ein Knall. Dann hörte er nichts mehr, außer einem quälend hohen Pfeifton. Jimmy riss die Augen auf und sah den stummen Schrei aus dem Mund der blonden Bankangestellten, die sich die Hände auf die Ohren presste. Er sah die geräuschlose Explosion des Bonbon-Glases, das auf den Boden fiel, als er die Tasche mit dem Geld über den Tresen zog. Er sah das Brüllen des Filialleiters, der sich vor ihnen aufgebaut hatte. Der Filialleiter trug einen dunklen Anzug und eine bunte Krawatte mit Micky-Mäusen. Er war bestimmt Familienvater, Hobbykünstler, ADAC-Mitglied. Vielleicht war er auch Fremdgeher und betrog seine Frau jeden Freitagnachmittag im Hinterzimmer mit der hübschen Blondine, die immer noch schrie, ohne dass Jimmy es hören konnte. Aber wer hätte gedacht, dass der Filialleiter auch Dirty Harry war? Dass er zumindest glaubte, er könnte es sein? Dass er eine Pistole auf Jimmy und Udo richten würde, als sie es fast schon geschafft hatten, eine lächerliche kleine Weiberpistole, die der Mann auf einmal von Gott weiß woher hervorgezaubert hatte? Der Filialleiter riss die Arme hoch, brüllte und schoss, das konnte Jimmy noch hören, und auch das Dröhnen, das danach in der Luft lag, und die Schreie und das Fluchen hörte er, denn der Schuss war verdammt laut, lauter als der Filialleiter gedacht hatte, das konnte Jimmy an seinem überraschten Gesicht ablesen. Aber der Schuss, der Jimmy taub machte, kam gar nicht aus der Waffe des Filialleiters, sondern wurde keinen halben Meter entfernt direkt neben seinem Ohr abgefeuert. Udo verfehlte den Filialleiter, aber der ging trotzdem zu Boden und sank zwischen die beiden bäuchlings auf dem schmutzig grauen Teppich liegenden Kunden, einem älteren Herrn im Sportsakko und einem langhaarigen Jeansträger, die sich vorhin ohne zu zögern auf den Boden geworfen hatten, als Jimmy sie dazu aufgefordert hatte. Der Filialleiter verabschiedete sich nach seiner Heldentat in eine erlösende Ohnmacht, und Jimmy drehte sich mit einem Pfeifkonzert im Kopf zu seinem Kumpel um. Udo stand leicht schwankend neben ihm, sein rechter Arm mit der Waffe hing nun schlaff am Körper herunter, die Finger umkrallten die Pistole, die linke Hand hatte er mit gespreizten Fingern auf den Bauch gepresst. Seine Augen, die Jimmy durch die Sichtschlitze der schwarzen Ski-Maske sehen konnte, drückten Erstaunen aus, aber keinen Schmerz. Er sah den schmalen Mund seines Komplizen, der jetzt immer wieder ein Wort formte, das Jimmy nicht hören, aber ihm schließlich nach dem zweiten oder dritten Mal von den Lippen ablesen konnte: R-A-U-S.
Draußen vor der Bank zerrte ein kleiner struppiger Hund an seiner Leine und kläffte sie zähnefletschend an, ansonsten war niemand zu sehen. Sie hatten die Filiale gezielt ausgesucht, weil sie abseits lag und freitags nach dem früheren Büroschluss kaum noch jemand in dieser Gegend unterwegs war. Dass ausgerechnet heute noch kurz vor Feierabend zwei Kunden die Filiale aufsuchten, war Pech. Auch mit der Angestellten hatten sie nicht gerechnet. Und mit der Pistole des Filialleiters schon mal gar nicht. Jimmy schwitzte, er hatte das Gefühl, unter der muffigen Ski-Maske keine Luft mehr zu bekommen. Am liebsten hätte er sie sich sofort vom Kopf gerissen, um wieder freier atmen zu können, um den kühlen Herbstwind, der hier draußen wehte, im Gesicht zu spüren. Er versuchte schneller zu laufen, aber das Pfeifen in seinen Ohren verlangsamte seine Schritte. Er hätte nie gedacht, dass der Verlust des Gehörs sich derart hemmend auf die Beweglichkeit des ganzen Körpers auswirken könnte. Udo lief stark vornübergebeugt, aber mit großen Schritten vor ihm her. Seine Haltung erinnerte Jimm