: Gunter Gerlach
: Der Haifischmann Roman
: dotbooks
: 9783958242135
: 1
: CHF 5.40
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
'Gunter Gerlach versteht auf intelligente Art zu unterhalten.': Frankfurter Rundschau über 'Der Haifischmann' - jetzt als eBook bei dotbooks. Luca ist ein Feigling. Er trägt einen Panzer. Und er hat Angst. Angst vor der Nacht, die ihn seit sieben Jahren umgibt. Seit dem Tag, als er verlassen wurde - von einer Frau, die ihn berühren konnte, ohne dass er zurückzuckte. Da begegnet er Lisa. Er legt den Panzer ab. Die Nacht weicht. Doch Lisa erscheint merkwürdig ruhelos, als wäre sie auf der Flucht. Welches Geheimnis umgibt sie? Kann man einen anderen Menschen jemals wirklich kennen? Ein grandioses Buch über die Unmöglichkeit der Liebe, über große Angst und noch größere Sehnsucht! Die Presse über Gunter Gerlach: 'Die Ungeheuerlichkeiten, die sich Seite um Seite enthüllen, sind von einer so abgründigen Komik und Tragik, wie man sie in der deutschsprachigen Literatur nur selten findet.' Süddeutsche Zeitung 'Was und wie dieser Autor schreibt, das ist selten in der deutschsprachigen Literatur.' - Hamburger Abendblatt 'Gunter Gerlach ist ein Autor, der auf intelligente Art zu unterhalten versteht.' - Frankfurter Rundschau Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Der Haifischmann' von Gunter Gerlach. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Gunter Gerlach, Jahrgang 1941, studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Er schreibt Hörspiele, Rundfunkserien, Kurzprosa und außergewöhnliche Krimis, für die er u. a. 1995 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde. Gunter Gerlach zählt zu den am häufigsten mit dem renommierten Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichneten Autoren, lebt in Hamburg. Bei dotbooks erscheinen Gunter Gerlachs Romane »Herzensach«, »Das Jahr, in dem ich beschloss, meinen Großvater umzubringen«, »Ich bin der andere«, »Der Haifischmann« und die Allergie-Trilogie »Kortison«, »Katzenhaar und Blütenstaub« und »Neurodermitis«, sowie der Kurzgeschichtenband »Melodie der Bronchien« und die Literatur-Quickies »Gold im Gebirge« und »Vorlieben«.

Sagen wir mal, ich bin ein Außerirdischer


Seit Tagen läuft nachts ein Mann in einem Haifischkostüm durch die Stadt und jagt Frauen. Die Zeitungen sind voll davon. Ein Räuber, ein Mörder soll er sein. Fast jeder Überfall wird mit ihm in Verbindung gebracht.

Ich habe mehrere Hai-Schlüsselanhänger, einen Hai-Korkenzieher, linksrum, einen Hai als Kugelschreiber. Am Kühlschrank klebt ein Hai-Kopf als Magnet. Im Wohnzimmer liegt ein Hai-Feuerzeug, leer. Im Regal steht ein Hai als Blechspielzeug. Ich öffne sein Maul, ziehe eine Reihe kleiner Fische heraus. Ich lasse los, und er verschlingt sie wieder. Dann ein Buch mit Hai-Comics und zwei Haie als Keramikfiguren. Ich besitze zwei Tüten Weingummi »Kleine Haie«, drei Postkarten mit Hai-Motiven, einen Hai-Bleistiftanspitzer. Im Bad hängt eine Hai-Tauchermaske zur Dekoration. Sie ist mir zu klein. Ich sammle, was Hai ist, in einem Schuhkarton. Ich muss das für eine Weile loswerden.

Ich nehme also die Schlüssel für den Dachboden vom Haken. Ich wohne seit sieben Jahren in dem alten Mietshaus. Seit Julia. Doch mancher Mieter grüßt mich nicht, weiß immer noch nicht, dass ich sein Nachbar bin, hält mich vielleicht für den Haifischmann. Darum lausche ich an der Wohnungstür, ob jemand im Treppenhaus ist. Alles frei.

Ich gehe leise mit meinem Karton die Treppe hinauf. Eine Stufe knackt laut. Ich bleibe stehen. Nichts geschieht. Ich stecke den Schlüssel in die eiserne Tür, versuche geräuschlos zu öffnen. Mit dem Fuß schiebe ich den Holzkeil unter die Tür. Der Dachboden ist durch Maschendraht unterteilt. Jeder Mieter hat seinen Käfig, mit einer Tür aus Draht und einem Vorhängeschloss. Ich beuge mich in den halbdunklen Raum, halte den Atem an und lausche. Höre nur meinen Herzschlag. Ich schrumpfe. Hier oben bin ich wieder acht Jahre alt:

– Luca, geh mal auf den Boden.
– Luca, hol den Karton vom Dachboden.
– Luca, bring bitte den Koffer auf den Dachboden.

Und immer sind da Gestalten. Männer, die sich dicht an die Wand drängen, die an Haken hängen, erhängt, oder lauernd hinter einem Karton hocken. Manchmal nur Schatten. Meist war es einer meiner älteren Brüder. Vorausgeschlichen, um mich zu erschrecken. Spaß macht Angst. Umgekehrt nie.

Ab dreißig sollten die Kinderängste Puppenkleider tragen.

Der Dachboden hat eine einzige Glühbirne. Am Eingang. Sie brennt nur so lange wie die Treppenhausbeleuchtung: zweieinhalb Minuten. Das reicht selten. Mein Dachbodenkäfig liegt ganz am Ende, um die Ecke. Aber dafür habe ich eine der beiden Dachluken. Tageslicht. Und diesmal werde ich es in zweieinhalb Minuten schaffen: nicht nach rechts oder links gucken, das Vorhängeschloss öffnen, meine Haifischsammlung in den alten Kleiderschrank stellen, wieder abschließen und zurück. Zweieinhalb Minuten. Das schaffe ich.

Ich gehe in Startposition. Ich drücke den Lichtknopf. Die Glühlampe brennt dunkler als sonst. Jemand atmet hinter mir. Ich spüre es am Hals. Es ist nur der Luftzug vom Treppenhaus. Los geht's. Die Holzbohlen röcheln. Mit festen Schritten vorbei an allen anderen Käfigen, um die Ecke rum. Ich erstarre. Jemand sitzt im Schneidersitz in meinem Dachbodenabteil.

Eine Täuschung.

Ich gehe einen halben Schritt rückwärts, stoße mit dem Rücken gegen eine Dachstrebe.

Es ist ein Mann. Er sieht mich an. Das darf nicht sein. Da darf niemand sein. Es sieht nur so aus. Eine optische Täuschung.

Das Licht fällt von der offenen Dachluke von hinten auf etwas, das aussieht wie ein kahl geschorener Schädel. Er bewegt sich. Er hebt den Kopf. Das kann nicht sein. Er sieht mich an. Er kann nicht wirklich da sein. Nur ein Sack. Der Sack mit den alten Kleidern. Ein Kleiderbündel.

Er bewegt s