: Marion Alexi, Daniela Sandow
: Silvia-Duett - Folge 17 Am Meer, wo sich die Liebe fand/Der Zauber zwischen dir und mir
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732516438
: Silvia-Duett
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 112
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Am Meer, wo sie die Liebe fand.

Ich war blöd! Einfach nur blöd!', ruft Kristiane wütend und atmet tief durch. In der letzten Viertelstunde hat sie sich allen Zorn und allen Schmerz von der Seele geschimpft. Jetzt geht es ihr besser. So ein einsamer Strand ist offenbar ideal, wenn einem ein Mann das Herz gebrochen, oder besser gesagt angebrochen hat. Kristiane seufzt abgrundtief. Der nächste Seufzer bleibt ihr allerdings geradezu im Halse stecken, denn plötzlich klingelt ein Telefon. Ein Telefon? Hier am Strand? Dabei ist doch keine Menschenseele weit und breit zu sehen! Einen Moment sitzt Kristiane wie erstarrt im warmen Sand, während das Klingeln fröhlich weitergeht, dann springt sie auf und sieht sich entschlossen um ...

Der Zauber zwischen dir und mir.

Eine einzige Nacht voller Leidenschaft und uneingeschränkter Hingabe ... Zwischen der Studentin Eva-Maria und dem jungen Arzt Jan Ulrich hätte es alles werden können, aber ein unglücklicher Zufall hat ein Wiedersehen verhindert. Zwölf Jahre liegt das zurück, zwölf Jahre, in denen Eva-Maria dieser Mann an jedem Tag gegenwärtig gewesen ist - in Martin, seinem Sohn. In Jan jedoch scheinen diese zwölf Jahre jede Erinnerung gelöscht zu haben, denn für ihn ist Eva-Maria, als sie einander gegenüberstehen, eine Fremde. Und doch ist sie ihm auf eine gewisse Weise vertraut, weil eines die Zeit überdauert hat: diese unglaubliche Anziehungskraft zweier Herzen, die das Schicksal füreinander bestimmt hat ...

»Papi, das sind die tollsten Osterferien von der ganzen Welt!«, schrie Jakob mit einer Stimme, die sich vor Begeisterung fast überschlug, und sein schmales Gesicht strahlte und war schon gar nicht mehr so blass wie gestern bei der Ankunft.

Der Siebenjährige sprang entschlossen in die mit großem Getöse auf den Strand brechenden Brandungswellen und stampfte mit den Stiefeln im weißen Schaum herum. Der Wind zauste an Jakobs dunklem Haar und fuhr in seine gesteppte Daunenjacke, die eigens für diese Reise zur Nordseeinsel Amrum angeschafft worden war.

»Du wirst dich noch erkälten. Mach die Jacke zu, Jakob!« Auch Axel von Graven musste schreien, um verstanden zu werden.

»Ich friere aber nicht, Papi!« Jakob wirbelte herum und lachte ihm zu. Die Aprilsonne schien ihm leuchtend ins Gesicht. »Mir ist warm, wirklich!«, beteuerte er. »Und die Insel ist supertoll! Findest du nicht auch?«

»Klar.« Axel nickte bestätigend.

Jakob hörte das Kreischen einer Möwe über sich und bog sofort den Kopf zurück, um neugierig nach dem Vogel Ausschau zu halten.

»Das ist eine Heringsmöwe«, stellte Axel fest. Und gleichzeitig erinnerte er sich daran, wie er es früher gehasst hatte, ständig belehrt zu werden.

»Wieso heißt sie so?«, wollte Jakob wissen. »Weil sie Heringe am liebsten mag?«

Axel hob die Schultern. »Vielleicht hieß der Ornithologe, der ihr diesen Namen gab, so«, spekulierte er.

»Herr Hering?« Jakob lachte los.

»Sie hat gelbe Beine, sieh doch mal.«

»Jetzt lenkst du ab, weil du es nicht weißt, stimmt es?«

»Ist das so wichtig?« Axel ließ sich in den Sand fallen und streckte sich aus. Die Hände faltete er hinter dem Kopf.

»Du siehst aus wie eine Robbe«, kommentierte Jakob.

»Seit wann tragen Robben Wachsjacken?« Axel fühlte sich trotz der herrlich frischen Luft fürchterlich müde. Der Scheidungskrieg hatte an seinen Nerven gezerrt. Nicht nur einmal hatte er sich während jener grauenvollen Zeit gefragt, womit er diese Prüfungen eigentlich verdiente.

Sein Sohn lachte, weil er sich gerade eine Robbe in einer gewachsten Jacke vorstellte.

»Tante Bea weiß bestimmt, warum die Heringsmöwe so heißt. Ich werde sie fragen.«

Axel nickte. »Mach das«, sagte er und schloss erneut die Augen.

»Wir wollten doch Muscheln sammeln, Papi!«

Axels Lippen schmeckten salzig. »Mmmh.«

»Ich hab schon eine gefunden!« Jakob war ganz entzückt, wie seine helle Stimme verriet. »Sie ist rosa, guck mal!«

»Eine Plattmuschel«, murmelte Axel automatisch.

»Du siehst ja gar nicht her, Papi«, kam es vorwurfsvoll. Aber der Siebenjährige war rasch abgelenkt und beugte sich interessiert über ein Büschel grünlich schillernden Seetangs auf dem nassen Sand, dem ein intensiver Geruch entströmte.

Axels Blick verlor sich gerade im unglaublichen Blau des Nordseehimmels, über den hoch aufgetürmte Wolkengebilde getrieben wurden, als sein Mobiltelefon sich mit den ersten Takten des berühmten Harry-Lime-Themas aus dem Film »Der dritte Mann« meld