Patrick Fürst von Wittenberg stand am Fenster im Privatsalon der fürstlichen Gemächer und blickte hinaus auf die Elbe, an deren Ufer sich das stolze Schloss seiner Ahnen erhob. Dichter Nebel lag über dem Fluss und verwehrte ihm den Blick auf den regen Schifffahrtsbetrieb, der gewöhnlich dort herrschte. Es war unheimlich still an diesem Morgen im Mai, so still und trüb wie an jenem verhängnisvollen Tag vor zwei Jahren, der sein bis dahin glückliches Leben auf so grausame Weise verändert hatte.
Der junge Fürst wandte sich um und schaute nachdenklich zu seiner Mutter.
Luisa von Wittenberg saß in einem gemütlichen Sessel der geblümten Sitzgruppe und hatte die Beine auf einem Schemel hochgelegt. Die Fürstin stammte aus der Toskana und war, trotz ihrer achtundsechzig Jahre, noch immer eine schöne, aparte Frau. Sie litt jedoch an Rheuma, einer Folge der steten Feuchtigkeit des nahen Flusses.
Die Schmerzen, die auch schwere Medikamente nicht lindern konnten, hinterließen unerbittlich Spuren in ihrem schönen Gesicht und raubten ihr die Kraft. Das war auch der Grund für das Gespräch mit dem Sohn. Luisa wollte zurück in die Toskana. Sie hoffte, in der Wärme ihrer sonnigen Heimat Linderung für ihre Beschwerden zu finden.
Bisher hatte sie immer treu zu ihrem geliebten Mann gestanden. Es war für sie undenkbar gewesen, Fürst Hanno mit all den Verpflichtungen, die sein Stand mit sich brachte, alleinzulassen. Aber nun war Hanno vor wenigen Monaten einem plötzlichen Herztod erlegen und Patrick an seine Stelle getreten. Trotzdem war es dem jungen Fürsten unmöglich, den speziellen Wunsch seiner Mutter zu erfüllen, da diese seit dem Tod ihres Mannes die Sorge hatte, jetzt ihren Sohn im Stich zu lassen.
»Mama, bitte dränge mich nicht«, sagte Fürst Patrick heiser und breitete die Hände aus. »Ich bin einfach noch nicht so weit, um mich wieder fest zu binden. Die Wunde in meinem Herzen ist noch nicht verheilt.«
Die Fürstin nickte bedächtig. Eigentlich hatte sie nichts anderes erwartet. Sie setzte sich in ihrem Sessel zurecht, der dank seiner weichen Polsterung ihre Beschwerden etwas erleichterte. Es war ihre Idee gewesen, die wuchtigen und unbequemen Möbel der Vorfahren, gegen moderne Einrichtungsstücke im südländischen Flair auszutauschen. Auch die Vitrinen und Schränke waren nun im toskanischen Stil gehalten, was dem düsteren Raum eine behagliche Atmosphäre verlieh und sich seltsamerweise auch nicht mit seiner sonst eher prunkvollen Ausstattung stritt.
Als die Mutter nicht antwortete, sondern nur gedankenverloren an ihrem Kaffee nippte, setzte sich Patrick ihr gegenüber auf die Couch. Er nahm die Kaffeekanne vom gedeckten Tisch und schenkte sich ebenfalls eine Tasse ein. Eigentlich hatte ihm sein Leibarzt abgeraten, so viel Kaffee zu trinken, es würde nur seine Kopfschmerzen verschlimmern. Aber der Fürst brauchte das belebende Getränk, um den Schmerz in seinem Innern abzuschütteln, der ihn heute besonders quälte.
Heute vor zwei Jahren wa