: Arthur Conan Doyle
: Die vergessene Welt Illustriert
: Null Papier Verlag
: 9783954186044
: Horror bei Null Papier
: 4
: CHF 0.90
:
: Spannung
: German
: 363
: kein Kopierschutz/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF/ePUB
A.C. Doyle - Die vergessene Welt - Illustriert Um 1910 reist der exzentrische Professor Challenger mit einer Expedition in den Dschungel des Amazonas. Ausgerüstet mit einer alten Landkarte begibt sich eine bunte Truppe auf die Suche nach einer vergessen geglaubten Welt und entdeckt tatsächlich seit Millionen von Jahren ausgestorbene Dinosaurier. Doch die faszinierende Reise entwickelt sich für alle zu einem Albtraum. Gefahr droht nicht nur von den Riesenechsen, sondern auch von feindlichen Affenmenschen. Es beginnt ein Kampf ums Überleben. Sir Arthur Conan Doyle schrieb neben seinen bekannten Sherlock Holmes-Geschichten auch mehrere Abenteuer rund um die Figur des Professor Challenger. »Die vergessene Welt« diente etlichen Fernseh- und Filmproduktionen als Vorlage. In diesem spannenden, aber dank der berühmtem britischen Spleenigkeit auch äußerst humorvollem Werk, findet sich der Vorläufer aller Jurassic Park-Bücher von Michael Crichton. Der vorliegende Band ist geschmückt mit 8 Zeichnungen der deutschen Erstveröffentlichung und mit Fußnoten kommentiert. Null Papier Verlag

Womöglich wäre die Literatur heute um eine ihrer schillerndsten Detektivgestalten ärmer, würde der am 22. Mai 1859 in Edinburgh geborene Arthur Ignatius Conan Doyle nicht ausgerechnet an der medizinischen Fakultät der Universität seiner Heimatstadt studieren. Hier nämlich lehrt der später als Vorreiter der Forensik geltende Chirurg Joseph Bell. Die Methodik des Dozenten, seine Züge und seine hagere Gestalt wird der angehende Autor für den dereinst berühmtesten Detektiv der Kriminalliteratur übernehmen. Der erste Roman des seit 1883 in Southsea praktizierenden Arztes teilt das Schicksal zahlloser Erstlinge - er bleibt unvollendet in der Schublade. Erst 1887 betritt Sherlock Holmes die Bühne, als »Eine Studie in Scharlachrot« erscheint. Nachdem Conan Doyle im Magazin The Strand seine Holmes-Episoden veröffentlichen darf, ist er als erfolgreicher Autor zu bezeichnen. The Strand eröffnet die Reihe mit »Ein Skandal in Böhmen«. Im Jahr 1890 zieht der Schriftsteller nach London, wo er ein Jahr darauf, dank seines literarischen Schaffens, bereits seine Familie ernähren kann; seit 1885 ist er mit Louise Hawkins verheiratet, die ihm einen Sohn und eine Tochter schenkt.

Erstes Kapitel – Es gibt überall Gelegenheit zu Heldentaten.


Mister Hungerton, ihr Vater, war der taktloseste Mensch auf der Welt – ein flaumiger, fedriger, schmuddeliger Kakadu von einem Menschen, durchaus gutmütig, aber restlos eingestellt auf sein eigenes lächerliches Selbst. Wenn irgendetwas mich von Gladys hätte wegtreiben können, so wäre es der Gedanke an solch einen Schwiegervater gewesen. Ich bin überzeugt, dass er in der Tiefe seines Herzens glaubte, ich käme dreimal in der Woche zu den alten Kastanienbäumen herum, um das Vergnügen seiner Gesellschaft zu genießen, insbesondere aber um seine Ansichten über Bimetallismus1 – eine Materie, in der er eine Art von Autorität war – zu hören.

Länger als eine Stunde schon ließ ich an diesem Abend sein eintöniges Geschwätz über Verschlechterung des Geldes, über den angenommenen Wert des Silbers, die Entwertung der Rupie und die wahren Normen der Wechselkurse über mich ergehen.

»Stellen Sie sich vor«, rief er in einem Anfall von Heftigkeit aus, »dass alle Schulden in der Welt zu gleicher Zeit und sofort bezahlt werden müssten! Was würde unter den gegenwärtigen Verhältnissen geschehen?«

Ich gab die selbstverständliche Antwort, dass ich dann ein ruinierter Mann sein würde, worauf er von seinem Stuhl auffuhr, mir meinen gewohnten Leichtsinn, der es ihm unmöglich mache, irgendeinen ernsthaften Gegenstand in meiner Gegenwart zu diskutieren, vorwarf, wütend aus dem Zimmer stampfte und die Tür heftig ins Schloss warf, um sich für die Loge umzuziehen.

Ich war also endlich allein mit Gladys, und der Augenblick, der mein Schicksal entscheiden sollte, war gekommen! Den ganzen Abend hatte ich das Gefühl eines Soldaten, der das Signal erwartet, das ihn auf einen verlorenen Posten schickt, ein Gefühl, in dem die Hoffnung auf den Sieg mit der Furcht vor der Niederlage abwechselt.

Sie saß vor mir, ihr stolzes und zartes Profil hob sich klar gegen den roten Vorhang ab. Wie schön sie war! Und doch wie fern! Wir waren bisher gute Freunde gewesen, recht gute Freunde, niemals aber war es mir gelungen, über jenen Grad von Kameradschaftlichkeit hinauszukommen, wie er etwa zwischen mir und einem Kollegen von der Zeitung hätte bestehen können – ganz aufrichtig, sehr liebenswürdig und völlig platonisch. Meine innersten Gefühle sind immer gegen ein weibliches Wesen eingenommen, das mir gegenüber frei und unbefangen ist. Diese Haltung ist kein Kompliment für einen Mann. Sobald der Gegensatz der Geschlechter erwacht, regen sich Furcht und Misstrauen, diese Erbschaft aus roheren Zeiten, als Liebe und Gewalt noch Hand in Hand gingen. Das gesenkte Haupt, die abgewendeten Augen, die stockende Stimme, die bebende Gestalt – all dies und nicht der freie Blick und die ungezwungene Antwort sind der wahre Ausdruck der Leidenschaft. Soviel hatte ich sogar schon während meines kurzen Lebens erfahren – oder lebte doch als Instinkt, wie wir das Rassengedächtnis nennen, in mir.

Gladys besaß alle echt weiblichen Eigenschaften. Einige hielten sie für kalt und gefühllos, aber dies Urteil war nicht zutreffend. Der zarte Bronzeton ihrer Haut, fast orientalisch in der Färbung, das rabenschwarze Haar, die großen sanften Augen, die vollen, aber entzückend geformten Lippen – alle diese Zeichen der Leidenschaft waren vorhanden. Aber ich war mir schmerzlich bewusst, dass ich bis jetzt das Geheimnis, diese Leidenschaft zu entflammen, nicht entdeckt hatte. Indessen, mochte kommen, was da wollte, ich musste der Ungewissheit ein Ende machen und meine Sache heute Abend noch zur Entscheidung bringen. Mochte sie mich abweisen; besser ein zurückgestoßener Liebhaber als ein geduldeter Bruder.

Soweit war ich in meinen Gedanken gekommen und im Begriff, das lange und peinliche Schweigen zu brechen, als zwei kritische, dunkle Augen sich auf mich richteten und Gladys, vorwurfsvoll lächelnd, das stolze Haupt schüttelte.

»Ich habe das Gefühl, dass Sie im Begriff sind, mir einen Heiratsantrag zu machen, Ned. Ich möchte nicht, dass Sie es tun, es ist viel hübscher so, wie es jetzt ist.«

Ich zog meinen Stuhl etwas näher heran.

»So, woher wissen Sie denn, dass ich die Absicht habe, Ihnen einen Heiratsantrag zu machen?«, fragte ich ehrlich erstaunt.

»Wissen Frauen nicht immer alles? Glauben Sie, dass es irgendein Weib auf