Manchmal, ganz früh am Morgen, verwandelte sich das Tegernseer Tal in eine Traumlandschaft. Nebel lag wie ein feiner Schleier über den Feldern und den Bäumen, und der Tau glänzte auf Gräsern und Blättern wie vergessene Diamanten.
Auch an diesem Morgen schienen die Wolken den Boden zu berühren. Nur die Konturen des Jägerstandes, der jungen Apfelbäume und eines weitläufigen Gebäudes waren zu sehen. Die Türmchen des Gebäudes ragten allerdings in einen Himmel, den die Sonne schon mit ihren Strahlen freifegte. Die roten Dachziegel der Türmchen hoben sich bereits deutlich von dem eintönigen Weiß ab.
Ein Mann löste sich aus dem Nebel und ging langsam auf den Gutshof zu. Seine Haltung war aus zweierlei Gründen gebückt. Erstens drückte sich auf diese Weise sein schlechtes Gewissen aus, und zweitens trug er etwas auf dem Arm, das um keinen Preis der Welt auf seinem Arm bleiben wollte: ein noch sehr junges Prachtexemplar der Gattung Pan Paniscus.
André von Gratkowsky verschanzte sich hinter dem wissenschaftlich fundiert und seriös klingenden Namen wie hinter einem Schutzschild. »Pan Paniscus« sollte ihn vor Wastl, seinem strengen Verwalter, und vor der Tatsache, dass »Pan Paniscus« ein junger Zwergschimpanse war, schützen, der theoretisch auf den Namen Columbus hören sollte. Praktisch hörte er jedoch auf keinen Namen, so liebevoll oder bedrohlich er auch klang.
Eigentlich wusste André von Gratkowsky noch gar nicht so recht, wie er an Columbus geraten war. Er hatte nur im verrauchten Hinterzimmer eines Gasthauses gepokert, ein paar Bierchen getrunken und zu seiner Überraschung gewonnen.
Niemand hatte ihm gesagt, mit wem er da spielte. Rudolfo Stancato hieß einer der Mitspieler, allein der Name hätte André alarmieren sollen. Rudolfo Stancato war der stolze Direktor eines weniger stolzen Wanderzirkus. Doch mit solchen Karten in der Hand stellte André von Gratkowsky keine Fragen. Selten genug gehörte er beim Glücksspiel zu den Gewinnern. Eigentlich bewegte er sich sonst immer zwischen Gewinn und Verlust hin und her wie das Pendel einer alten Uhr, deren Zeiger nie weiterrücken.
Am meisten wunderte ihn jedoch, dass er seine Schulden immer mit Geld begleichen musste, wenn er verlor. Wenn er hingegen gewann, brachte er meist etwas nach Hause, das ihn auch noch Geld kostete. Zum Leidwesen seines Verwalters Wastl, der den lieben langen Tag nichts anderes zu tun hatte, als das Geld, das sein Chef verlor, wieder hereinzuwirtschaften. Wie das aber mit Verlorenem so ist, findet man selten mehr als einen Bruchteil wieder.
Die riesige Bernhardinerhündin Penelope, die beiden Ponys Max und Moritz, die Araberstute Bella, der Papagei Gustav und der Hahn Jeremias, der jetzt mit Begleitung der Kirchenglocken zu krähen anfing, waren durch das Spiel in den Besitz von André von Gratkowsky gekommen.
»Psst!«, machte André und warf Jeremias einen strengen Blick zu. »Halt den Schnabel, sonst sieht mich Wastl noch!«
Obwohl André von Gratkowsky offiziell der Herr von Gut Zweitürme war, hatte Wastl das Zepter schon längst an sich gerissen und war auch nicht gewillt, es loszuwerden, solange André sein Vermögen am Spieltisch ließ und seine Tochter Antonia sich mit der »Heit-so-tu-i-nix« an der Côte d’Azur herumtrieb.
»Heit-so-tu-i-nix«, war die bayerische, von Wastl konzipierte, Able